Schnelles Handeln zur Rettung des Nahversorgerprojekts am Schadewachten fordert die Zentrumsfraktion von der Stadtverwaltung. Angeblich will sich ein Supermarktbetreiber ganz in der Nähe auf dem Grundstück Nachtigalplatz 1 ansiedeln, das der Landkreis zum Kauf anbietet. OB Klaus Schmotz hat bereits Schritte zur Verhinderung eines Marktes eingeleitet.

Stendal. " Das Schadewachten-Projekt ist schwer gefährdet ", befürchtet Arno Felser, der für die Zentrumspartei in Stadtrat und Kreistag sitzt. Nach ihm vorliegenden Informationen gebe es eine Anfrage an die Stadtverwaltung, auf dem Grundstück Nachtigalplatz 1 einen Nahversorger anzusiedeln. " Das würde dem am Schadewachten geplanten Markt die Kunden absaugen, und der Betreiber wird weiter zögern oder ganz darauf verzichten, einen solchen Markt zu bauen ", sagt Felser.

Fest steht, dass der Landkreis das seit mehr als drei Jahren leerstehende Haus am Nachtigalplatz verkaufen will. Die mögliche Veräußerung steht in der nächsten Kreistagssitzung am 26. März im nichtöffentlichen Teil auf der Tagesordnung. Das Gebäude wurde zu DDR-Zeiten vom Wehrkreiskommando, nach der Wende von der Bundeswehr und zuletzt von einigen Ämtern der Kreisverwaltung genutzt. Jetzt braucht es der Landkreis nicht mehr – aber er braucht Geld. " Den Verkauf kann man dem Landkreis nicht verwehren ", sagt Kreistagsabgeordneter Arno Felser, " aber die Stadt muss einen Nahversorger verhindern. "

Der Zentrumsmann fordert von der Stadtverwaltung " eine intelligente Lösung ", " eine schnelle Änderung des Bebauungsplans ". Da in allen Stadtratsfraktionen Konsens über die Ansiedlung eines Marktes am Schadewachten herrsche, dürfte es eine Beschlussvorlage über eine B-Plan-Ä nderung seiner Meinung nach nicht schwer haben.

Das sieht Oberbürgermeister Klaus Schmotz ganz genauso. " Es gibt zwar keine Anfrage eines Nahversorgerbetreibers an die Stadtverwaltung ", sagte er gestern der Volksstimme. Aber auch er wisse von Interessenten, die auf dem Grundstück am Nachtigalplatz einen solchen ansiedeln möchten. Schmotz : " Da sage ich ganz deutlich : Nein ! Das werden wir verhindern. " Das Schadewachten-Projekt würde sich dann nicht mehr rechnen und wäre zum Scheitern verurteilt.

In der Leitungskonferenz der Stadtverwaltung sei das Thema bereits am Mittwoch besprochen worden. Schmotz habe den zuständigen Ämtern die Aufgabe erteilt, einen Beschlussentwurf für eine BPlan-Ä nderung vorzubereiten.

Seit Jahren schmiedet die Edeka Minden-Hannover Pläne zur Errichtung eines Nahversorgungsmarktes zwischen Südwall und Schadewachten. Schon 2004 hatte sich der Handelsriese die Schlüsselgrundstücke auf dem ehemaligen Molkereigelände gesichert und damit den Konkurrenten Kaufland, der ein mehrere tausend Quadratmeter großes SB-Kaufhaus bauen wollte, aus dem Rennen geschlagen. Edeka will, wie das Unternehmen mehrfach erklärte, einen Markt seiner Discountkette NP von 600 Quadratmetern Größe errichten und möglicherweise " noch etwas dazu ", was aber nicht mit den innerstädtischen Händlern konkurrieren soll. Getan hat sich seither nichts. Die von Edeka gekauften 10 000 Quadratmeter liegen noch immer brach.

Innenstadtbewohner, vor allem ältere Stendaler, fordern seit Jahren eine Einkaufsmöglichkeit in dieser Gegend. SPDStadtrat Fritz Lüsch setzt sich immer wieder für diese Forderung ein.