Ein 89 Meter langer Schwerlasttransport kroch in dieser Nacht am schlafenden Stendal vorbei. Der Speziallaster hatte einen Riesentrafo geladen, der heute in den Morgenstunden im neuen Umspannwerk bei Insel installiert wird. Beim Transport waren Feingefühl und Präzision gefragt.

Stendal. Ein Trafo ist aus Laiensicht ein recht banales Ding. In diesem Falle jedoch eines gigantischen Ausmaßes und irgendwie hochsensibel dazu. Imposant ist allein sein Gewicht : 315 Tonnen wiegt das Ungetüm, ein grauer Block, der gestern Mittag im eisigen Hafenwind stoisch auf seinen Abtransport wartet. 13 Meter lang, gute 3 Meter breit und fast 5 Meter hoch. Wie er da hingekommen ist, wollen wir später klären. Zunächst ist millimetergenaue Maßarbeit gefragt, um die extra für den Transport am Trafo integrierten Ösen in die Laschen des Lastenarms einzupassen. Eine Stunde brauchen die Mitarbeiter der Transportfi rma aus Bornheim bei Bonn, um diesen Arbeitsschritt zu erledigen, der dutzende weitere Handgriffe verlangt.

Zwei bis drei Stunden später haben zwei Speziallaster den Trafo in ihre Zange genommen, er hängt nun zwischen zwei schwenkbaren Verlängerungsträgern, der sogenannten Kesselbrücke. 89 Meter lang ist der Spezialtransporter, die Last verteilt sich auf zweimal 16 Achsen. So wird er gegen 22 Uhr seine Reise antreten : vom Arneburger Hafen über die Landstraße an Jarchau vorbei, über die Umgehung zur B 189 und dann auf die B 188 bis nach Insel.

Für die Mitarbeiter des Transportunternehmens ist das Unterfangen " nichts Ungewöhnliches ", sagt Geschäftsführer und Projektleiter Georg Wandel. Im Bewegen von solch schwerer Fracht sei das Unternehmen routiniert. " Trotzdem müssen wir präzise arbeiten, die Wegstrecke mussten wir ganz genau einmessen, bei der Verankerung von Trafo und Lastarm haben wir nur ein bis zwei Millimeter Spielraum. "

Mit extra Transportmodul über die Brücke

Die Strecke bereitet an sich keine Probleme, die Polizei wird den Transport begleiten und absichern. Ein neuralgischer Punkt ist lediglich die Brücke über die Bahnlinie bei Jarchau. Hier kommt ein weiteres Spezialfahrzeug mit nochmals zehn Achsen zum Einsatz. Per Fernsteuerung wird dieses Transportmodul vor der Überquerung unter den Trafo gefahren, die Räder werden dazu rechtwinklig gestellt. Dann drückt es mit 88 Bar gegen den Trafoboden und mindert so die Last auf den Lkw-Achsen. " So können wir die Belastung der Brücke nochmals minimieren und so schonend wie möglich drüberfahren ", sagt Wandel.

Im Schritttempo geht es voran, auf gerader Strecke vielleicht auch mal mit 30 bis 40 km / h. Vier Stunden wird es etwa dauern, bis der Trafo auf der Baustelle des Umspannwerks bei Insel eintrifft. Dort soll er heute Morgen entladen und installiert werden – als erster von drei freistehenden Transformatoren.

Eine Reise geht damit zu Ende, die vor zwei Wochen im Rheinland begonnen hat. Von Bad Honnef, wo der Trafo gebaut wurde, ging es zunächst zum Rhein. Dort wurde das Monstrum auf einen Ponton verladen, der wiederum von einem Schlepper nach Rotterdam gezogen wurde. Ein Schwimmkran hob ihn dann in ein Binnenschiff, das über den Mittellandkanal und die Elbe schließlich nach Arneburg gelangte.

Für den Trafo und die Transportfirma heißt es dann erst mal Verschnaufen. An der Baustelle des Umspannwerks hingegen laufen die Arbeiten gerade auf Hochtouren. Noch in diesem Jahr soll ein Teil des von E. ON Avacon und Vattenfall Europe für 60 Millionen Euro errichteten Umspannwerks in Betrieb gehen.