Stendal. Kein Verbrennen von Gartenabfällen, stattdessen eine kreiseigene Biogasanlage, eine neue Deponie für mineralische Abfälle sowie eine Müllentsorgung, die in Eigenregie das Landkreises erfolgt : Sieht so die Abfallwirtschaft in der östlichen Altmark im Jahr 2013 aus ? Durchaus möglich, denn diese drei Punkte tauchen als Vorschläge im überarbeiteten Abfallwirtschaftskonzept auf, das jetzt den Mitgliedern des Kreis-Umwelt- und des Wirtschaftsförderungsausschusses vorgestellt wurden, und das im April vom Kreistag beschlossen werden soll.

Zuletzt vor zehn Jahren hatte der Kreistag ein Abfallwirtschaftskonzept beschlossen. Einige damals formulierte Ziele seien erfüllt, bilanzierte Planer Jens Niestroj. So ist ein fl ächendeckendes Mülltonnen-Identsystem eingeführt worden, wird seit dem 1. Juni 2005 der Restmüll des Landkreises in der Müllverbrennungsanlage Rothensee verbrannt.

Stadt Stendal sagt nein zu Bauschuttdeponie

Sinkende Müllmengen, neue deutsche und europäische Gesetze und Verordnung machen jetzt eine Überarbeitung des bisherigen Konzeptes notwendig. Der Entwurf liegt vor. Auf 109 Seiten beschreibt er nicht nur den Ist-Zustand, sondern stellt auch für die verschiedenen Müllarten Prognosen auf und gibt Empfehlungen.

Beim Restabfall ( 13 300 Tonnen Haushaltsmüll im Jahr 2008 ) wird davon ausgegangen, dass diese Menge bis 2013 nur leicht rückläufig ist. Beim anfallenden Gewerbemüll wird hingegen bis 2013 mit einer Halbierung der noch 2005 angefallenen Menge ( 4316 Tonnen ) gerechnet. Deswegen wird vorgeschlagen, in dieser Hinsicht den Vertrag mit Rothensee – Laufzeit bis 2017 – zu modifi - zieren. Beim Biomüll wird bis 2013 mit einem konstanten Aufkommen von jährlich 14 000 Tonnen ausgegangenen. Im vorliegenden Konzept wird empfohlen, eine bioenergetische Verwertung zu prüfen und gegebenenfalls auch umzusetzen. In diesem Zusammenhang spricht sich Jens Niestroj gegen das Verbrennen von Gartenabfällen aus. " Das ist kontraproduktiv ", sagt er. Es wird vorgeschlagen, bereits in diesem Jahr das Verbrennen einzuschränken und ab 2010 kreisweit zu verbieten.

Eine Lösung wird der Landkreis bei der Entsorgung mineralischer Stoffe, Stichwort unbelasteter Bauschutt, fi nden müssen. Nur noch übergangsweise wird der Bauschutt derzeit auf die 2005 geschlossene Stendaler Deponie gebracht. Die Experten schlagen vor, auf diesem Deponiegelände eine neue Bauschuttdeponie anzulegen. Geschätzte Investitionskosten : rund sechs Millionen Euro. Doch im Hauptausschuss der Stadt Stendal ist dem Landkreis diesbezüglich bereits eine Abfuhr erteilt worden. Eine inhaltliche Diskussion zu den Vorschlägen gab es noch nicht. Norbert Tanne ( CDU ), Vorsitzender des Wirtschaftsförderungsausschusses, stellte fest, " dass noch eine Menge Schularbeiten notwendig " seien. Der sachkundige Einwohner Manfred Schulz merkte an, dass im Konzept mehr Fragen als Antworten aufgeworfen wurden. Alfons Ewert fragte sich, wie der Kreistag einen Beschluss fassen soll, wenn " so viele Dinge noch zu regeln " seien. Kreistagsmitglied Waldemar Schreiber ( CDU ) zog blank : " Das hat mir heute gar nichts gegeben. Diese Veranstaltung kann ich nicht nachvollziehen ", sagte er.