Stendal. Noch immer quillt die Elbe auf jedem Kilometer, den sie sich zwischen Kehnert und Werben durch den Landkreis windet, aus ihrem Bett. Der Fährverkehr ruht hochwasserbedingt, aber die Frachtschiffe schieben ihre Lasten nach wie vor gemächlich ihren Bestimmungshäfen entgegen. Land unter auf den Wiesen links und rechts des Stroms.

Ein Bild, das zum Genießen einlädt. Denn so imposant der Anblick der glitzernde Wasserflächen ist, haben sie doch nichts Dramatisches. Ein Frühjahrshochwasser, das sich im Rahmen des Normalen bewegt. Das bestätigte gestern auch Michael Schorr, diensthabender Hydrologe beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz. Zwar bewege sich der Pegel noch immer im Bereich der Hochwasseralarmstufe I, was aber lediglich heiße, dass die Meldestufe für Hochwasser überschritten sei.

Der Pegel Tangermünde meldete gestern einen Stand von 5, 50 Meter. Zum Vergleich : Beim letzten extremen Frühjahrshochwasser, das auch in die Niederungen der Elbzuläufe drückte, sie weit über die Ufer treten ließ, und Dörfer bedrohte, erreichte die Elbe an gleicher Stelle einen Pegel von 7, 17 Meter.

Der Scheitel des derzeitigen Hochwassers hat Barby bereits passiert, so dass in Tangermünde nur noch mit unwesentlich steigenden Pegelständen zu rechnen ist.

Ob das Thema Hochwasser damit für dieses Frühjahr zu den Akten gelegt werden kann, dazu wagt Hydrologe Schorr keine Prognose. Mit den frühlingshaften Temperaturen erreicht das Tauwetter jetzt die höheren Lagen der Mittelgebirge. Das Schmelzwasser fließt durch die Bode und weiter südlich durch Saale und Mulde in die Elbe. Ein Zustrom, den sie verkraftet. Entscheidend wird sein, wie sich das Wetter im tschechischen Riesengebirge entwickelt. Dort sind die Gipfel noch tief verschneit. Kommt das Wasser aus diesen Regionen, wird das Mulde- und Saalehochwasser die Elbe allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit bereits passiert haben.