Stendal. Was macht man mit einem alten Speichergebäude – imposant, stadtbildprägend, in seiner Gestalt mit dem abgestuften Dach einmalig in Stendal ? Gerhard Dreier hat mehrere Jahre darüber nachgedacht, eine ganze Reihe von Möglichkeiten erwogen und aus wirtschaftlichen Gründen wieder verworfen. Jetzt hat er einer einschlägigen Stendaler Firma den Abrissauftrag erteilt. Wenn sie ihre Arbeit an der Hansa-Brauerei erledigt hat, wird sie wahrscheinlich den ehemaligen Speicher der früheren Samenhandlung Bertram niederlegen.

Noch ragt das mächtige vierstufige Dach des Backsteingebäudes gleich neben dem Getraudenhospital aus der kleinteiligen Umgebung des Villenviertels heraus. " Die Abrissgenehmigung haben wir seit zwei Jahren. Wir haben aber immer wieder versucht, einen Nutzer zu finden, um das Gebäude zu erhalten ", sagt Gerhard Dreier, der sich für die Hausgerätefirma seines Sohnes Dag Dreier um das Speicher-Projekt kümmert. Der Plan, mit der Firma in den Speicher zu ziehen oder ihn wenigstens als Lager zu nutzen, sei an verschiedenen Umständen gescheitert.

So sei für den Umbau kein Kredit zu wirtschaftlich tragbaren Bedingungen zu bekommen gewesen. Gerhard Dreier : " Wenn der Speicher 100 oder 200 Meter weiter stadteinwärts stehen würde, läge er im Sanierungsgebiet Altstadt. Dann wäre manches möglich gewesen. "

Eine Diskothek habe Interesse gezeigt, doch das wäre im Wohngebiet sicher nicht machbar. Eine Krankenkasse habe das Gebäude nutzen wollen, habe inzwischen aber eine zentralere Lage gefunden. Ein Café, ein Antiquitätengeschäft … Ideen gab es genug, doch am Ende keinen ernsthafter Nutzer. Dreier hat noch keine konkreten Pläne mit dem leergeräumten Grundstück, kann sich aber eine Wohnbebauung in Form von zehn bis zwölf Bungalows mit Gärtchen vorstellen.

Der Abriss des um 1900 erbauten Bertram-Speichers scheint aus jetziger Sicht nicht aufzuhalten zu sein. " Es sei denn, es kommt jemand, der es anders machen will und kann ", sagt Dreier. " Ich bin nach wie vor für alles offen. "