Ärzte, die in Dörfern, in denen es an hausärztlicher Versorgung mangelt, tageweise für die Patienten aus der Gemeinde und dem Umland da sind : Das ist der Kern eines Modellprojekts, mit dem Sachsen-Anhalt im Landkreis Stendal ärztlicher Unterversorgung vorbeugen will. Die Chance, bei der Verwirklichung dieserIdee mehrere Millionen Euro Fördermittel vom Bund zu bekommen, sind gut.

Stendal. Dass ländlichen, dünn besiedelten Regionen wie der Altmark Ärztemangel droht, ist längst kein Geheimnis mehr. Im Landkreis Stendal hätte diese Drohung schon sehr konkrete Formen angenommen, würden sich die Mediziner, die das Rentenalter erreicht haben, zur Ruhe setzen. Dr. Jörg Böhme, Kreisstellensprecher der Kassenärztlichen Vereinigung, in einem Volksstimme-Beitrag vom 7. März auf dieser Seite : " Ich könnte Ihnen auf Anhieb 10 fachärztliche und 20 hausärztliche Praxen nennen, in denen die Kollegen aus Altersgründen aufhören, wenn sie denn einen Nachfolger fänden. " Aber nicht nur die Ärzte, auch ihre Patienten werden immer älter und die älteren Patienten zur Mehrheit der Bevölkerung, die damit immer mehr auf ärztliche Versorgung angewissen ist.

Das scheint auch die Politik begriffen zu haben. Die Landesregierung befindet sich mit einem Projekt, das einen Ausweg aus dem Dilemma weisen soll, bereits auf der Zielgeraden. " Transage " nennt sich dieses Projekt und nimmt an einem bundesweiten Wettbewerb teil, der die Umsetzung neuer Konzepte in Sachen ärztliche Versorgung im ländlichen Raum fördert. 100 000 Euro sind bereits gefl ossen, denn Sachsen-Anhalt gehört zu den Siegern der ersten Wettbewerbsphase, und ist nun aufgefordert, sein " Transage " - Konzept umsetzungsreif zu machen.

An dieser Stelle wird es für den Landkreis Stendal interessant. Er soll eine der Regionen sein, in denen die Einrichtung sogenannter Filialpraxen eine ärztliche Unterversorgung verhindern hilft. Der nächste Schritt dorthin : Der Landkreis muss einem noch zu gründendenen Verein beitreten, der " Transage " – so dieses Landesprojekt denn zu den Siegern des Bundeswettbewerbs gehören sollte – mit Leben erfüllt. Das geschah am Donnerstagabend während der Sitzung des Kreistags. Er beschloss, Mitglied in dem Verein " Transage e. V. Gesundheitsregion Sachsen-Anhalt " zu werden. Mit seiner Hilfe sollen vorerst drei dieser " Filialpraxen " im Landkreis Stendal eingerichtet werden. Es würden Praxen sein, die in ärztlich unterversorgten Gemeinden eingerichtet werden, in denen Hausärzte zwei- bis dreimal in der Woche Sprechstunden abhalten und in denen es auch fachärztliche Sprechstunden geben soll, erläuterte Landrat Jörg Hellmuth ( CDU ) den Kreistagsmitgliedern. Zudem solle die Telemedizin in diesen Praxen zum Einsatz kommen, und es werde sich " so eine Art Gemeindeschwester um die Leute kümmern ". Konkreter würde sich der Fachausschuss während seiner nächsten Sitzung mit diesem neuen Modell ärztlicher Versorgung beschäftigen, so der Landrat.

Ein Versuch, der

Unterstützung wert ist

Kreistagsmitglied Dr. Manfred Kessel ( Die Linke ), Kinderarzt im Ruhestand, trat ungeachtet dessen ans Mikrophon und erläuterte erste Details. Demnach sollen die Filialpraxen vor allem jungen Ärzten die Möglichkeit eröffnen zu praktizieren, " ohne unbedingt große Kredite aufnehmen zu müssen, denn die Technik in der Praxis wird von der Kassenärztlichen Vereinigung gestellt. Das ist ein Versuch, den Ärztemangel in der Region zu mildern, den wir unbedingt unterstützen sollten. "

Der Kreistag stimmte Dr. Kessel zu. Wie die konkrete Unterstützung des Landkreises aussehen könnte, sagte Jörg Hellmuth : " Finanziell kann sich der Landkreis nicht beteiligen. Wir würden, wo das möglich ist, Räumlichkeiten für die Praxen zur Verfügung stellen beziehungsweise gemeinsam mit den Gemeinden für geeignete Räume sorgen wollen. " Das alles ist jedoch noch Zukunftsmusik, denn erst am 27. Mai wird feststehen, ob Sachsen-Anhalt zu den Gewinnern des Bundeswettbewerbs " Gesundheitsregionen der Zukunft " gehört. Dann jedoch winken zehn Millionen Euro für das Filialpraxis-Modell, das im Landkreis Stendal und im Landkreis Wittenberg umgesetzt werden soll.