Stendal. In einer großen Halle am Hohen Weg in Stendal herrscht zwischen den Monaten April und September an jedem Wochenende emsiges Treiben, verbunden mit einem lauten Gurren aus vielen hundert Brieftaubenkehlen. Denn hier ist der Registrierungs- und Einsatzplatz der edlen Tiere, bevor sie zum Start ihrer Wettflüge fahren.

Nach den beiden Trainingsflügen Anfang April ab Wolfsburg und Hannover begann am 30. April mit dem Auftakt für die diesjährige Flugsaison im 210 Kilometer entfernten Hille der "Ernst des Lebens" für die wertvollen Tiere. Und für die Züchter, die in vielen Orten der Altmark zu Hause sind und in der 1993 gegründeten Reisevereinigung (RV) ihrem interessanten, aber auch nicht ganz billigen Hobby nachgehen.

Für den Auftaktflug hatten sich 42 Züchter gemeldet, die insgesamt 1891 Tauben auf die Reise schickten. Bevor es soweit war, hieß es für die Tiere "Zeigt her eure Füßchen", denn an denen befinden sich die Ringe mit den Codenummern, die in Modulen festgehalten werden und anschließend der Flugleitung übergeben werden. Dann hieß es für die Tauben umzuziehen in eine Reisekassette, die jeweils 35 Tieren Platz bietet. Diese werden anschließend im großen Taubentransporter deponiert, der über eine Belüftung und Wasserversorgungsleitung verfügt, so dass den Tauben angenehme Reisebedingungen geboten werden.

Die zwölf Reiserouten im Jahr werden im Winter auf den Vereinszusammenkünften festgelegt und liegen zwischen 210 Kilometer (Hille) und bis zu 631 Kilometer (Ostende), wobei die Tauben nicht wild durcheinander, sondern auf festgelegten Plätzen auf die Heimreise geschickt werden.

Nach dem Start warten die Züchter natürlich gespannt auf ihre Tauben und hoffen, dass diese schnell den eigenen Schlag erreichen und damit mit der Lichtschranke die Ankunftszeit auf dem Modul registriert wird. Diese Module werden einer Spezialeinrichtung bei Hannover übergeben, die mit modernster Technik die Ankunftszeiten in Verbindung mit den unterschiedlichsten Züchterorten auswertet und so die Platzierungen ermittelt.

Beim Auftaktflug landete die Taube von Züchter Bodo Beiendorf aus Kläden als schnellste des Tages. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die Tauben von Horst Olms (bei Seehausen) und Karl-Heinz Obst aus Arneburg.

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