Eine Schauspielvariation mit zeitgenössischer Musik hat der Komponist Karsten Gundermann für das Theater "Junge Generation" in Dresden vorgelegt. Die Aufsehen erregende Uraufführung dieser modernen Version von Fausts Welt- und Zeitenreise fand 2007 im Festspielhaus Hellerau besonders großen Anklang beim jugendlichen Publikum. Das Nordharzer Städtebundtheater hat dieses Stück mit Sängern, Schauspielern und live gespielter Orchestermusik neu inszeniert.

Stendal. Faust Episode II basiert auf Goethes komprimierten über sechzig Jahre geschaffenen Lebenswerk "Faust. Der Tragödie II. Teil". So wie dieses aus einer Vielzahl von Teilhandlungen und eigenständigen lyrischen Dichtungen besteht, so ist das Episodenhafte bereits als Spielvorlage angelegt. Das hat in der Theatergeschichte immer wieder zu beachtlichen experimentellen Aufführungsformen inspiriert.

Musik und neuerliche Deutungen

"Faust" und kein Ende? Mit "Faust I" begann die neue Spielzeit unter neuer Leitung in der Regie des neuen Intendanten. Zwischendurch konnte man "Faust spielen(d)" mit Puppen und Menschen erleben. Nun, am Ende der "Tatmenschenspielzeit" kam aus Halberstadt "Faust Episode II", eine Sprechoper nach Goethe, von Karsten Gundermann.

Schon der Ursprungsautor hatte im Vorspiel auf dem Theater seine Bedenken, wie die Tragödie aufgenommen wird und ließ seinen Theaterdirektor formulieren: "Und Jedermann erwartet sich ein Fest. Sie sitzen schon mit hohen Augenbraunen gelassen da und möchten gern erstaunen… Allein, sie haben schrecklich viel gelesen. Wie machen wirs, dass alles frisch und neu und von Bedeutung auch gefällig ist?"

Versuchen wir es halt mit Musik und neuerlicher Deutung, dachten sich da die Macher im 21. Jahrhundert.

Heraus kam ein Faust ohne Mephisto, in sich zwiegespalten, ein von den Verhältnissen vorwärts getriebener Mensch, der im Machtzentrum "gelassen Kaviar speisen kann", während er Befehl zum Völkermord gibt und deutsche Soldaten mit der deutschen Flagge zugedeckt dabei sterben.

Martin Richter (alter Faust) und Markus Manig (junger Faust) verdeutlichen in Wort und Spiel unter der Regie von Rosemarie Vogtenhuber diese Aussage. Das "ewig Weibliche" in Gestalt der Helena (Regina Pätzer) setzte eine geschulte Stimme ein, um zu gefallen und zu sterben.

Der Narr als Antipode im Spiel mit Liebe werbend, sieht schließlich seinen Traum nicht nur am Ende der Tragödie platzen (spielfreudig: Jörg Vogel).

Mit Prospekten wurde nicht gespart noch mit Maschinen, zwischen denen sich der Chor der Schauspielschüler der Theaterakademie Vorpommern bewegte.

Stilelemente aus verschiedenen Epochen

Bleibt ein Wort zur Musik: Kapellmeister Symeon Ioannidis leitete das Orchester wacker durch die oft nur kommentierende Musik Gundermanns, der versuchte, so viel wie möglich Stilelemente der Musikepochen unterzubringen.

Fazit: Das Alles hat schon Johann Wolfgang von Goethe erkannt und beschrieben. Er hat es dem "schrecklich viel belesenen Volk" vorgesetzt im Vertrauen darauf, richtig verstanden zu werden. Er wurde oft genug missverstanden.

Ob es eine Aktualisierung besser machen kann? Man wird doch mal fragen dürfen.

Nach rund zwei Stunden pausenlosem Spiel gab es auch in Stendal verstehenden Beifall.