Nach den Bränden in der Nacht zu Dienstag ermittelt die Kriminalpolizei weiter in Richtung Brandstiftung. Die SWG muss derweil die Schäden beheben, die sich auf 10 000 Euro summieren.

Von Nora Knappe

Stendal. Und wieder traf es die SWG. Nicht zum ersten Mal ist der städtische Vermieter von Brandanschlägen in seinen Wohnblöcken betroffen. Erst Ende März hatte es in der Carl-Hagenbeck-Straße gebrannt, der Täter konnte vier Wochen später gefasst werden und sitzt noch hinter Gittern.

Jetzt der Brand im Elfgeschosser in der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße. Der Schock sitzt noch tief, aber SWG-Geschäftsführer Daniel Jircik bleibt rational: "Natürlich denkt man zuerst: Geht es den Bewohnern gut, ist jemand verletzt, womöglich sogar lebensgefährlich? Aber dann ist Handeln gefragt, nachsehen, was getan werden muss. Wir sind jetzt permanent vor Ort, reden mit den Mietern, auch, um es leichter vergessen zu machen."

Ein Gutachter sah sich gestern die Schäden im Aufgang mit der Hausnummer 8 an. "Wir schätzen die Schadenssumme auf 10000 Euro", sagte Jircik gestern der Volksstimme. Nicht nur dass das Treppenhaus gemalert werden muss, auch die Elektroanlage werde in dem betreffenden Bereich komplett neugemacht.

Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Dass die Brände vorsätzlich gelegt wurden, stehe fest, sagte Polizeisprecherin Doris Grunau gestern der Volksstimme. "Es waren keine technischen Defekte, und es ist auffällig, dass die Feuer dort ausgebrochen sind, wo Gegenstände im Flur standen." Ein Schuhschrank und ein Kinderwagen waren als Zündquelle genutzt worden.

Genau das ist auch ein neuralgischer Punkt, der Großvermietern wie der SWG immer wieder Sorgen bereitet. Denn eigentlich ist es untersagt, brennbare Gegenstände im Hausflur abzustellen. "Gerade vor vier Wochen hatten wir erst einen Aushang zu diesem Thema in dem betroffenen Block gemacht", sagt Jircik. Auch die Hausmeister kontrollierten regelmäßig.

Dass die Täter überhaupt ins Haus gelangen konnten, ist einem Mechanismus im Schloss geschuldet, der heutzutage in vielen Türen Standard ist: Er kann so eingestellt werden, dass man die Tür von außen aufdrücken kann. Und genau das war jetzt der Fall. "Das können wir künftig nicht mehr zulassen", sagt Jircik. "Wir werden die Schlösser sukzessive auswechseln."

Für die Polizei steht nun die Befragung der Bewohner im Vordergrund, eine der wichtigsten Maßnahmen, um Hinweise zu bekommen. Auch auf Zeugen setzen die Ermittler: "Zeugenhinweise haben sich schon in vielen Fällen als äußerst hilfreich erwiesen", betont Grunau. So habe zum Beispiel auch der Brand in der Carl-Hagenbeck-Straße innerhalb von vier Wochen aufgeklärt werden können.

Die Bewohner des Elfgeschossers müssen nun erst einmal ihre Ruhe wiederfinden. Aber alle, auch die betroffene Familie im elften Stock, wollen im Haus wohnen bleiben. "In solchen Fällen, wie auch zum Beispiel bei Wasserschäden, bieten wir aber immer an, dass die Bewohner vorübergehend im Hotel wohnen, auf unsere Kosten", sagte Jircik.

Ob es sich bei der Brandstiftung vom Dienstag um einen Einzeltäter oder eine Bande handelt, oder ob es Zufall ist, dass in so kurzer Zeit an mehreren Stellen Feuer gelegt wurden, muss noch geklärt werden, sagte Doris Grunau von der Polizei. Eines jedenfalls könne mit Sicherheit ausgeschlossen werden: dass die Parolen, die an der Hauswand Ecke Deichstraße/Hallstraße mit dem dortigen Brand in Zusammenhang stehen. "Die Graffiti sind seit genau einem Jahr dort", sagte Sprecherin Grunau.

 

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