Die Mühlenbesitzer Frank Hendriks und Desiree Boks erlebten beim Mühlentag am Pfingstmontag einen Besucherrekord. Mehr als 130 Gäste sahen sich das Denkmal an und ließen sich die Technik erläutern.

Staats. Schwere Regenwolken hingen am Montagvormittag über der Wassermühle Staats. Sie schütteten ihren nassen Inhalt über dem Denkmal ab. Die historische Dreschmaschine, die das niederländische Mühlenbesitzerpaar getreu ihrem Motto "Vom Acker zum Bäcker" den Gästen auf dem Hof präsentieren wollten, ließen sie in der trockenen Scheune stehen. Dort konnten sich die Gäste diese alte Technik anschauen. Trotz des schlechten Ausflugswetters folgten zahlreiche Gäste der Einladung zum Mühlentag. Als am Nachmittag die Sonne mit warmen Strahlen hervorkam, vergrößerte sich der Besucherstrom noch mehr. "Wir planten pro Stunde eine Führung. Jetzt ist der Ansturm so groß, dass wir innerhalb dieser Zeit drei anbieten", schilderte Desiree Boks. Insgesamt kamen mehr als 130 Besucher.

Die Gäste schauten sich zunächst in der alten Backstube eine DVD über die Geschichte der Mühle an. Mit ersten Kenntnissen ausgestattet, begleiteten sie Frank Hendriks über die vier Etagen der Mühle. Hendriks erklärte ihnen, wie die Technik funktioniert. Ein gleichmäßiges Rattern erfüllte die Räume. Mehl wurde dort aber nicht gemahlen. Die Vorführung erfolgte im Leerlauf.

Auf der ersten Etage sahen die Leute, wie das Wasser der Uchte am Gebäude vorbei rauscht. Das Mühlenrad ist derzeit zwecks Sanierungsmaßnahmen ausgebaut. Die Technik wurde über Strom angetrieben. Die Faszination des Müllerhandwerks erlebten die Teilnehmern aber auch ohne das typische Geklapper des Mühlenrades.

Auf der zweiten Etage, auch als Boden bezeichnet, befinden sich die Mahlsteine. Vier Mahlgänge hat die Mühle, einer davon ist ein Schrotgang. Der dritte Boden ist der Lagerboden. Dort wird das Getreide für den Mahlgang vorrätig gehalten. Über hölzerne Röhren rutscht es in die untere Etage. Vorrichtungen sind getroffen, um Mehlstaubexplosionen vorzubeugen. Der vierte Boden ist der Aufschüttboden.

Neben den vier Böden befindet sich in ein Museumsraum. Neben alten Mahlsteinen, Handwerksutensilien, Säcken und so weiter ist dort auch ein Mahlstein, der per Hand betrieben wird, zu finden. Vor allem die Kinder versuchten sich daran. Und tatsächlich gelang es ihnen Mehl zu mahlen.

Frank Hendriks, der derzeit in seiner Heimat das Mülllerhandwerk erlernt, freute sich über das große Interesse der Gäste. "Vielen Dank vor allem den Kindern, die ihre Fragen stellten", so der Mühlenbesitzer. Ihm gefällt es, dass auch die junge Generation an alter Technik interessiert ist.

Bei Kaffee, selbst gebackenem Kuchen und Saft aus altmärkischen Äpfeln ließen es sich anschließend die Gäste gut gehen.

Die Wassermühle in Staats wurde 1324 erstmals urkundlich erwähnt. Sie wurde dem Zisterzienserkloster in Neuendorf bei Gardelegen vom Markgrafen von Brandenburg verliehen. Die heutige Bausubstanz ist weitgehend aus dem 19. Jahrhundert. Die mühlentechnische Einrichtung ist vollständig und voll funktionsfähig erhalten. Neben dem Mühlenbetrieb wurde bis 1920 die Wasserkraft zur Energieerzeugung genutzt. Der Ort wurde so mit Lichtstrom versorgt. Ende der 1950er-Jahre wurde die Mehlproduktion eingestellt. Es wurde nur noch geschrotet. Die Anlage wurde bis 1992 gewerblich betrieben.

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