Familie Schütz aus Hötensleben ist in großer Sorge um ihre anderthalbjährige Hundedame Polly. Das Bolonka-Weibchen ist schwer krank, vergiftet, und auch nach vierwöchiger Behandlung noch nicht gesund. Polly ist kein Einzelfall in und um Hötensleben. Kristin Schütz mahnt Haustierbesitzer daher zu mehr Wachsamkeit.

Hötensleben l Seit dem Nikolaustag ist Polly nicht mehr derselbe Hund. Dem weißen Wuschelweibchen ist schnell anzumerken, dass etwas nicht stimmt. Das Begrüßungsbellen ist nur von kurzer Dauer, matt schmiegt sie sich gleich darauf an die Sessellehne im Wohnzimmer von Familie Schütz und leidet still vor sich hin. "So ist sie sonst gar nicht", weiß die neunjährige Emily, und Mama Kristin Schütz teilt die Sorge um das fünfte Familienmitglied: "Sie war über Weihnachten halbtot und ist noch immer nicht über den Berg."

Polly trägt Gift in sich, das ist ziemlich gewiss, die kli- nischen Symptome weisen deutlich darauf hin, ein Schnelltest beim Tierarzt hat den Verdacht erhärtet: starke Blutverdünnung, keine Gerinnung. "Das dürfte auf Cumarin zurückzuführen sein, also Rattengift", stellt Veterinär Eugen Bulich fest. Außerdem bestätigt er, was Kristin Schütz gerüchteweise zu Ohren gekommen ist: Die Vergiftungsfälle in Hötensleben und Umgebung haben sich in einem kurzen Zeitraum gehäuft. Betroffen sind mehrere Katzen und Hunde, etwa ein Dutzend nach Kenntnis von Bulich: "Vor Weihnachten war es sehr schlimm, die Anzeichen waren eigentlich immer dieselben, allerdings sind die Fälle nicht allein in Hötensleben aufgetreten."

Pollys Vergiftung hat die Familie hart getroffen. Kristin Schütz: "Man sorgt sich ja um so ein Haustier und leidet mit. Das schlägt einem aufs Gemüt, und man ist ja auch um eine medizinische Versorgung bemüht, um das Tier wieder aufzupäppeln." Etwa 400 Euro hat sie die Behandlung bislang gekostet. "Und so wie es aussieht, müssen wir noch eine ganze Weile Medikamente verabreichen, wahrscheinlich sogar Pollys Leben lang, da sie wohl auch dauerhafte orga- nische Schäden an der Leber und den Nieren davongetragen hat."

Kristin Schütz hat sich nun an die Öffentlichkeit gewandt, um andere Haustierhalter zu warnen. "Eine Anzeige bei der Polizei würde nichts bringen, weil es eigentlich keine echten Anhaltspunkte gibt. Es bleibt also nur, zu mehr Wachsamkeit und Vorsicht zu mahnen, damit anderen so ein Fall erspart bleibt."

Gezielte Ausstreuung vermutet

Schwierig sei es in dieser Jahreszeit schon am späten Nachmittag, wenn es dunkler wird, mögliche Gefahrenquellen zu entdecken. Das sei vermutlich auch Polly zum Verhängnis geworden, denn schon bald nach dem Gassigehen an jenem Dezemberabend hatten sich die ersten Symptome bei der Hündin bemerkbar gemacht: Nahrungsverweigerung, blutige Ausscheidungen, schnelle Erschöpfung und rapider Gewichtsverlust.

Im Ort geht seit der Häufung von Tiervergiftungen das Gerücht um, dass jemand entlang der Spazierwege an der Gänse- wiese und am Bahndamm gezielt Rattengift auslegt. "Es kann auch nur auf unserer Gassiroute passiert sein", so Schütz, "vielleicht will da einer auf eigene Faust gegen die Verschmutzung durch Hundekot vorgehen, vielleicht ist es auch nur fahrlässiger Gebrauch gewesen, ich weiß es nicht, aber es trifft dann eben auch die falschen Leute", so Schütz. "Wir haben immer eine Tüte dabei und achten auf die Reinlichkeit an den Wegen."