Das Kultusministerium kündigt an, bei den Mindest-Abc-Schützenzahlen auch künftig Ausnahmen zu genehmigen. Eine neue Verordnung sieht vor, dass Grundschulen nur noch dann bestehen bleiben, wenn die erste Klasse mindestens 15Schüler zählt, in dünn besiedelten Gegenden gilt die Hürde von 13, die die Seehäuser nehmen wollen. Die Stadtverwaltung hat bereits einen Ausnahmeantrag gestellt.

StadtWanzleben-Börde l "Auch künftig sind Ausnahmen möglich, so wie früher auch", erklärt Ministeriumssprecher Martin Hanusch zum Wirrwarr um die Mindestschülerzahlen für den kommenden Einschulungsjahrgang und dem damit bereits für dieses Jahr befürchteten Aus für die Seehäuser Grundschule.

Waren es nach der alten Verordnung (2008) zur Schulentwicklungsplanung 10 Schüler, die ausreichten, sollen es bis 2017 an Grundschulen in dünn besiedelten Regionen 13 sein, teilt das Kulturministerium weiter mit. Eben genau jene 13erforderlichen Anmeldungen liegen der Seehäuser Schulleitung derzeit für die nächsten Einschulungsfeier vor.

Kreisverwaltung hatte Wegfall der Ausnahmen angekündigt

Mit der "Ausnahme"-Verordnung zur Bildung von Anfangsklassen aus dem Ministerium hat die Stadtverwaltung um Bürgermeisterin Petra Hort (Die Linke) bereits gestern einen Antrag auf eben jene Regelung für die Seehäuser Grundschule gestellt. "Damit wird uns der Druck und die Befürchtung, dass es ab diesem Jahr keine Ausnahmeregelungen mehr für eine kleinere Klasse geben sollte, erst einmal genommen", sagte die Verwaltungschefin. "Dennoch bleibt die Lage zur noch ausstehenden Debatte um die Schulentwicklungsplanung für die kommenden Jahre ernst", mahnte sie.

Dass es keine Ausnahmegenehmigungen mehr für Einschulungsklassen unter 15Abc-Schützen ab 2014/15 mehr geben werde, hatte noch Mitte November der Landkreis der Stadt schriftlich angekündigt. "Die Verordnung zur Bildung von Anfangsklassen wird gegenwärtig überarbeitet. Hierdurch kann sich für die Stadt Wanzleben - Börde durchaus ein früherer Handlungsbedarf ergeben, da schon 2014/15 die voraussichtliche Mindestschülerzahl von 15 im Einschulungsjahrgang der Grundschule Seehausen nicht erreicht wird. Ausnahmeregelungen wird es nicht mehr geben", hatte Fachbereichskoordinatorin Iris Herzig vom Landkreis der Verwaltung mitgeteilt.

Stadtrat muss Position beziehen

Doch diesen Fakt wies das Land Anfang der Woche entschieden zurück. Ausnahmen blieben möglich. "Konkret dann, wenn die Schule bestandsfähig ist und insgesamt über die erforderliche Mindestschülerzahl gemäß Verordnung zur Schulentwicklungsplanung verfügt, 52 Schüler in dünn und 60 in dicht besiedelten Gebieten", erklärt der Ministeriumssprecher.

In der Diskussion um eine mögliche Schulschließung und Zusammenlegungen hatte bereits Seehausens Ortsbürgermeister Eckhard Jockisch seinem Unmut über den Druck, den das Land auf die Kommunen ausübt, öffentlich Luft gemacht. "Wir haben doch nicht umsonst Hunderttausende Euro in die Sanierung des Gebäudes und in den Brandschutz gesteckt, damit die Schule dann von heute auf morgen dicht gemacht wird", hatte er in Richtung Landesregierung gewettert. Für 2015 sind in der Bördegemeinde schon jetzt mindestens 20 Erstklässler angemeldet.

"Mit Blick auf die Schulentwicklungsplanung muss der Stadtrat in der Debatte bis zum Frühjahr Position beziehen. Dabei soll und kann auch über die Änderung der Schuleinzugsbereiche diskutiert werden", schlägt Bürgermeisterin Petra Hort vor.

Sollten die Abgeordneten auch weiterhin an ihrem "alten" Beschluss, alle fünf Schulstandorte erhalten zu wollen, festhalten, stelle das Land spätestens jener Schule keine Lehrer mehr zur Verfügung, die zu wenig Einschüler hat, merkt die Verwaltungschefin an. "Das Land sitzt diesbezüglich am längeren Hebel, weil es über den Einsatz der Lehrer bestimmen kann. Dabei dreht sich alles um die Effizienz."

Um ein Zeichen im Kampf um den Erhalt der Schulstandorte zu setzen, werde es am 14.Januar um 19 Uhr im Seehäuser Saal "Zur Sonne" für alle Bürger einen offenen Gesprächs- und Informationsabend geben, kündigte Ortschef Eckhard Jockisch an.

 

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