Erstmals im neuen Jahr tagte in dieser Woche die Arbeitsgemeinschaft Tunnelbau (AG). Sämtliche am Vorhaben Beteiligten haben im Hauptsitz des Trink- und Abwasserverbandes Börde (TAV) die weiteren Schritte des rund 12 Millionen Euro teuren Vorhabens abgesteckt.

Oschersleben (spt) l So fanden sich hinter verschlossenen Türen die Vertreter von Fachbehörden sowie Planungsbüros und Fachkoordinatoren zusammen. "Insgesamt waren wir etwa 30 Personen. Das Treffen ging verhältnismäßig schnell über die Bühne, weil in den meisten Punkten Einigkeit herrschte", erklärt Oscherslebens Bürgermeister Dieter Klenke (parteilos), der auch gleich den in der Versammlung beschlossenen Fahrplan umriss.

"Wir werden das schriftlich in Erinnerung bringen und Widerspruch einlegen."

Firmenchef Udo Behrens

Dieser sieht vor, dass mit Erscheinen des Oschersleber Amtsblattes am 7. Februar zunächst der Planfeststellungsbeschluss öffentlich gemacht wird. "Einwender haben dann bis zum 31. März Zeit, ihre Bedenken anzumelden", sagt Klenke und fügt hinzu: "Wenn keine Klagen kommen, können Stadt und TAV mit den Ausschreibungen beginnen." Stehen die Ergebnisse im September fest, könnten umgehend die Zuschläge erteilt werden. Die Stadt muss laut Klenke übrigens Gesamtkosten in Höhe von etwa 250000 Euro für den Tunnelbau beisteuern. Baubeginn ist für Ende des ersten Quartals 2015 geplant. "Das setzt allerdings voraus, dass keine Einwände mehr kommen", betont das Stadtoberhaupt.

Schon drei Monate später, so die Planungen, könne die Bahn nördlich der Schranken mit ersten Grabungen beginnen. Gleich im Anschluss soll der Bau einer Hilfsbrücke erfolgen. "Das heißt, dass über zwei bis vier Tage keine Züge durch Oschersleben rollen und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet wird", weiß Klenke.

Der Bürgermeister rechnet mit Bauarbeiten von gut zweieinhalb Jahren. Also könnten im Herbst 2017 die ersten Autos durch die Unterführung rollen.

"Doch stehen schon jetzt Probleme ins Haus", weiß Klenke zu berichten und verweist auf den Planfeststellungsbeschluss. Ein hier als E2 bezeichneter Einwender ist das Dienstleistungsunternehmen in der Magdeburger Straße. Dieses hatte vorgeschlagen, seine Einfahrt weiter südlich zu verlegen, um nicht mit der Straßenrampe, die später unter den Tunnel führen wird, zu kollidieren.

"Wir wollen das uns zuvor mündlich Zugesicherte jetzt durchsetzen."

TAV-Chefin Vinny Zielske

Doch laut Beschluss ist das Vorhaben wegen des Höhenunterschiedes auch an der geplanten neuen Einfahrt zu groß. Für den Inhaber des betroffenen Unternehmens Udo Behrens völlig unverständlich. "Wir hatten die Zusage vom zuständigen Bahnprojektleiter, dass die Verlegung trotz des zu erwartenden Höhenunterschieds von 70 Zentimetern möglich ist", sagt der Firmenchef und fügt hinzu: "Wir werden das schriftlich in Erinnerung bringen und Widerspruch einlegen", betont Udo Behrens.

Ein ganz ähnliches Problem beschäftigt derzeit die TAV-Geschäftsführerin Vinny Zielske: Zwar liegt ihr bereits eine rechtsfähige Baugenehmigung der Stadt für den neuen Betriebshof vor, die eine neue Einfahrt von der Magdeburger Straße aus vorsieht. "Doch unser Plan hat keinen Eingang in den Planfeststellungsbeschluss gefunden. Rechtlich bedeutet dies, dass dem Vorhaben nicht zugestimmt wurde", sagt die TAV-Chefin gegenüber der Volksstimme. Und das, obwohl von den Verantwortlichen der Bahn zuvor mündlich versichert worden sei, dass die Verlegung der Einfahrt in die Magdeburger Straße mit der künftigen Rampe nicht kollidieren würde.

"Die Bahn hat hier offenbar ihre Hausaufgaben nicht gemacht und die rechtsfähige Baugenehmigung des TAV nicht in das Planfeststellungsverfahren eingebracht", mutmaßt der Bürgermeister.

Vinny Zielske unterdessen will die mündliche Zusage der Bahn durchsetzen und hat auf dem Treffen der AG dem Konzern mit Klage gedroht. "Noch liegt unser Bauvorhaben nicht auf Eis. Vor März geht sowieso nichts, weil das Ausschreibungsverfahren läuft", führt Zielske an. Doch das gesamte Konzept sowie der Ablauf des künftigen Betriebshofes fuße auf der Planung, die eine Einfahrt in der Magdeburger Straße vorsieht.

Eine Verlegung etwa weiter südlich würde dem entgegenstehen und ein aufwendiges Umplanen nach sich ziehen. Das würde den TAV nicht nur viel Zeit, sondern auch ein Summe kosten, die Zielske erst gar nicht beziffern wollte. "Daran denken wir noch gar nicht, denn wir wollen das uns zuvor mündlich Zugesicherte jetzt durchsetzen", zeigt sich die TAV-Chefin kämpferisch.

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