Oschersleben l Die evangelische Kirchengemeinde in Oschersleben will nicht nur Ort für Christen sein. "Wir wollen versuchen, mit Kultur in die Gesellschaft hinein zu wirken", sagt der Oschersleber Pfarrer Friedrich von Biela. Angesichts der sinkenden Mitglieder wolle sich die Gemeinde auch als Kulturbringer verstehen. "Trotzdem ist es schwer, auch mit schöner Kultur die Leute zu locken", gibt der Pfarrer zu bedenken.

Ein positives Beispiel sei die Veranstaltungsreihe "Lebendiger Adventskalender", zu der auch im vergangenen Jahr nicht nur Christen an verschiedensten Orten zusammentrafen und sich kennenlernten. Auch die Kirchenmusik locke immer wieder jene Menschen in die Konzerte, die nicht religiös gebunden sind.

Als den Höhepunkt des vergangenen Jahres bezeichnet von Biela das Konzert von Michael Hirte. Der deutschlandweit bekannte Mundharmonika-Spieler zog am 22. Mai Hunderte Gäste in die Oschersleber St.-Nicolai-Kirche. Zu weiteren Highlights zählt der Pfarrer das große Sommerkonzert des Kirchenchores und das Weihnachtsoratorium am 21. Dezember des vergangenen Jahres. "Neben dem Oschersleber Kirchenchor wirkten hier rund 25 Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Gesangsgruppen der ganzen Region mit. Das war ein großer Erfolg, wie uns die Zuschauerresonanz bewiesen hatte."

Auch Fremdveranstalter nutzten vermehrt das Gotteshaus als Veranstaltungs-Ort wie beispielsweise das Oschersleber Blasorchester, der Lions-Club oder das Gymnasium. Außerdem sei eine neue Reihe ins Leben gerufen worden: die Emporenkonzerte. Eigentlich war für das vergangene Jahr die Sanierung des Kirchenbodens geplant. "Zumindest wurden die dafür erforderlichen Fördermittel beantragt. Weil der Kirchenraum dann nicht mehr nutzbar gewesen wäre, wollten wir im Vorfeld einmal ausprobieren, ob denn Konzerte auf der Empore möglich sind. Das hat ganz hervorragend geklappt", erklärt Friedrich von Biela weiter. So mündeten die Emporenkonzerte in eine ganz besondere Aufführung im Herbst, bei dem die neue Beleuchtung im Kircheninneren eingeweiht sowie das 25-jährige Orgel-Jubiläum gefeiert worden war.

Ob denn in diesem Jahr der Kirchenboden saniert werden könne, weiß der Pfarrer allerdings nicht. "Die Fördermittelanträge sind von 2013 auf 2014 übertragen worden", sagt das Gemeindeoberhaupt. Doch der Bescheid lasse noch auf sich warten. Dieser Umstand mache es auch so schwer, Konzerte für 2014 zu planen. Trotzdem sagt von Biela auch für dieses Jahr einige Höhepunkte voraus. So soll es am 13. Juli ein Sommerkonzert geben, zu dem auch wieder Sänger aus anderen Chören eingeladen werden. Außerdem wird es ein Gastkonzert des studentischen Akademieorchesters Hundisburg in der Marktkirche geben. Ferner verweist von Biela auf das große Gemeindefest zu Christi Himmelfahrt am 29. Mai. "Voraussichtlich am 27. September wird der Kirchenchor mit einem Konzert sein 90-jähriges Bestehen feiern", gibt der Pfarrer bekannt.

Außerdem weist er darauf hin, dass Kantor Werner Jankowski auf der Suche nach Stimmen für den Kirchenchor ist. "Tenor gibt es bei uns gerade überhaupt nicht. Gern können sich bei uns auch Menschen melden, die das mal ausprobieren wollen", wirbt von Biela. Immer dienstags um 19.30 Uhr sei Chorprobe auch für Nichtchristen im Gemeindehaus. Auch Kinder seien gefragt: So werde seit etwa eineinhalb Jahren unter der Leitung des Kantors ein Kinderchor aufgebaut, für den noch sechs- bis elfjährige Teilnehmer gesucht würden.

Die evangelische Kirchengemeinde hat in Oschersleben rund 1400 Mitglieder, 240 in Hornhausen und 150 in Hordorf. Von Biela zufolge sind die Gemeinden älter als der Bevölkerungsdurchschnitt. "Wir leiden also weniger an Kirchenaustritten als vielmehr am Älterwerden sowie an Wegzügen."