Ein Leser hat die Volksstimme-Redaktion auf das Grundstück hinter dem NP-Markt in der Schermcker Straße in Oschersleben aufmerksam gemacht. Hier bietet sich ein Bild des Grauens.

Oschersleben l Um in dem Discounter einzukaufen, nehmen die Anwohner des Wohnviertels Innsbrucker Straße gern die Abkürzung über das Gelände, das auf Karten als Schermcker Winkel ausgewiesen ist. Doch der Weg ist für viele nicht einfach: Den Kunden präsentieren sich teils riesige Abfallberge, es stinkt nach Müll und teilweise nach Urin.

Hier finden sich neben Hausmüll alte Klappstühle, Kinderwagen, Abfälle aller Art bis hin zum Sondermüll wie alte mehr oder weniger leere Farbeimer, verdächtige Plastik-Kanister und Fässer. "Neulich dachte ich, mir kommen Katzen entgegen. Nur Katzen waren das nicht, es waren große Ratten", sagt ein Oschersleber gegenüber der Volksstimme und fügt hinzu: "Das geht doch gar nicht, was hier passiert. Alles an Müll kann man heutzutage wegbringen. Das hier ist eine Sauerei!" Seinen Namen möchte er nicht nennen. Ihm sei es unangenehm, als Bewohner des benachbarten Viertels; jeder kenne hier jeden.

Seine Bedenken mögen begründet sein, als er den Anbau einer Halle zeigt, die an die Innsbrucker Straße grenzt: Hier sollen sich täglich Männer versammeln, die nicht nur trinken. "Die urinieren hier in die Räume", weiß der Mann. Tatsächlich steigert sich beim Näherkommen der Urin-Geruch bis ins Unerträgliche. "Wie kann man das nur aushalten", wundert sich der aufmerksame Bürger angewidert. "Das ist das Letzte! Hier muss sich endlich etwas rühren", betont er weiter und weist auf den Discounter, dessen Kühlzelle sprichwörtlich im Müll versinke. "Das ist doch nicht normal, eklig und beschämend. Das geht gar nicht!"

Nur wenige Meter weiter unterhalten sich zwei Männer. Der eine ist Frank Sucker, Besitzer einer Kfz-Werkstatt, die direkt an das Gelände grenzt. "Mir ist das hier sehr sehr unangenehm, weil meine Kunden über das verdreckte Areal fahren müssen, um zu mir zu gelangen", sagt der Autofachmann und ergänzt: "Doch wer soll das hier alles aufräumen. Es kann doch niemand etwas dafür, wenn ein Unternehmen Insolvenz anmelden muss."

Anwohner ärgert sich über den seit Jahren andauernden Verfall

Dem kann Gerhard Wisß, der andere Mann, nur zustimmen. Er wohnt direkt gegenüber in der Innsbrucker Straße, kann vom Wohnzimmer auf das Gelände schauen und sieht den seit Jahren andauernden Verfall. So äußerst Wisß einen Verdacht: "Gegenüber gibt es ja die großen Gartensparten. Ich denke, dass viele auf ihrem Heimweg sozusagen im Vorbeigehen ihren Müll loswerden." Nachbarn hätten sich über den Platz schon mehrmals beschwert, getan habe sich allerdings nichts. "Hier war vor Jahren einmal eine Eigenheimsiedlung geplant, die mit der Insolvenz der Grundstückeigentümer nie umgesetzt worden ist", erklärt Wisß und sagt weiter: "Hier ändert sich doch sowieso nichts, es wird immer schlimmer." Auch er und eine NP-Mitarbeiterin bestätigten, hier Ratten gesehen zu haben.

"Wir kennen das Problem, aber uns sind die Hände gebunden"

"Wir kennen das Problem, doch leider sind uns hier die Hände gebunden", sagt Oscherslebens Ordnungsamtsleiter Gerd Ludwig. Er spricht davon, dass das Gelände durch die Hände bereits mehrerer Unternehmen gegangen sei und die Verantwortung nun bei einer gerichtlich bestellten Zwangsverwaltung liege. Welche das ist, will Ludwig nicht sagen. "Die hat eben eine sehr knapp bemessene Kasse, kann sich nur das Nötigste leisten", betont der Ordnungsamtschef.

Illegal entsorgte Autoreifen wurden abtransportiert

Es sei auch schon zusammengearbeitet worden. So habe die Zwangsverwaltung veranlasst, dass illegal entsorgte Autoreifen abtransportiert wurden. "Wir können eingreifen, wenn von dem Müll eine Gesundheitsgefährdung zu erwarteten ist. Da sind wir auf die Bürger angewiesen, Verdächtiges unbedingt zu melden", unterstreicht Ludwig und fügt hinzu: "Dem Hinweis auf die verdächtigen Fässer und die Ratten werden wir schnellstmöglich nachgehen."

   

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