Die 41 aktiven Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Wanzleben haben am Freitagabend bei der Jahreshauptversammlung Bilanz gezogen. 64 Einsätze gab es im vergangen Jahr, 22 mehr als 2012. Bürgermeisterin und zwei Landtagsabgeordnete dankten für die Einsatzbereitschaft.

Wanzleben l Zu insgesamt 64 Einsätzen sind die 41 aktiven Kameraden aus Wanzleben und Schleibnitz im vergangenen Jahr gerufen worden. Darunter auch zehn Brände. Zu den gefährlichsten Einsätzen des Vorjahres zählte Wanzlebens Ortswehrleiter René Giese in seinem Bericht den Wohnhausbrand am 5. Mai in Groß Rodensleben. Hier war ein Bewohner ums Leben gekommen. Die Frau des Brandopfers konnte gerade noch rechtzeitig gerettet werden. Mit einer Dauer von knapp sechs Stunden habe dieser Einsatz an der Seite von fünf weiteren Feuerwehren und dem Technischen Hilfswerk Oschersleben zu den langwierigsten gehört.

René Giese sagte auch, dass die Wehr "gut aufgestellt" sei. "Unsere Einheit zählt 32 Männer und neun Frauen, die damit einen Anteil in der Einsatzabteilung von rund 22 Prozent ausmachen. Unser Durchschnittsalter liegt bei 31 Jahren. Unser ältestes Mitglied ist Heinz Meyer, Jahrgang 1952. Zudem beginnen heute vier Kameraden ihren Grundlehrgang."

Er dankte auch den Mitgliedern des Fördervereins um Vorsitzenden Eric Peter für deren Engagement. Der wiederum bedankte sich bei den 20 Mitgliedern der Alter- und Ehrenabteilung, "die jedes Fest und jede Aktion tatkräftig unterstützen", sagte Eric Peter.

Bürgermeisterin Petra Hort (Die Linke) dankte der Feuerwehr für ihre geleistete Arbeit und hob hervor, dass die Frauen und Männer ehrenamtlich ihre Freizeit für das Gemeinwohl opfern. "Man muss wirklich staunen, was hier geleistet wird. Deshalb wollen wir in punkto Feuerwehr trotz knapper Kassen keine Abstriche machen", sagte Petra Hort. In den Haushalt seien Mittel für die Feuerwehren der Einheitsgemeinde in Höhe von rund 683400 Euro vorgesehen, um die Arbeits- und Einsatzbedingungen zu unterstützen und zu verbessern.

Bei den Ausgaben nannte die Bürgermeisterin folgende Posten: Für Aufwandsentschädigungen seien 61000 Euro, für die Sanierung und Unterhaltung der Gebäude 90400 Euro sowie für die Betriebskosten wie Strom und Energie in den Haushalt Kosten in Höhe von 64000 Euro eingeplant worden. Für die Dienst- und Schutzbekleidung der aktiven Kameraden sowie der Jugendfeuerwehrmitglieder seien 24300 Euro vorgesehen. "Das ist nur eine Auswahl an Ausgaben, die für die Ortswehren der Einheitsgemeinde gerechnet sind", sagte Hort zum Abschluss ihrer Ausführungen.

2013 hatte die Wanzleber Einsatztruppe im Vergleich zum Vorjahr 22 Einsätze mehr zu fahren. "Unter den 64Alarmierungen waren 40Hilfeleistungen, 10Brände, 6Brandsicherheitswachen und 6Fehlalarmierungen, die von Brandmeldeanlagen ausgingen. Damit machen Brände rund 16 Prozent des Einsatzgeschehens aus", berichtet René Giese. Mit 17 Alarmierungen sei der Juni der einsatzreichste, und der September mit einem Einsatz der ruhigste Monat gewesen.

"Abgesehen von den acht Hochwassereinsätzen zwischen dem 4. und 12. Juni in Glindenberg, Farsleben und Wolmirstedt, die uns in der Regel jeweils zwölf Stunden auf Trab hielten, gehört auch der Gefahrguteinsatz am 21. August in Wolmirstedt, bei dem wir knapp sieben Stunden vor Ort waren, zu den zeitintensivsten Einsätzen", erinnerte der Ortswehrleiter. Mehr als 160 Einsatzstunden gingen im Vorjahr auf das Konto der Wanzleber Kräfte. "Das ist eine Verdopplung zu 2012", merkte er an.

Lothar Lindecke, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes, ärgerte sich an diesem Abend nicht nur darüber, dass es das Land bis heute nicht geschafft habe, alle Hochwasserauszeichnungen vorzunehmen, sondern auch darüber, dass sich das Land noch immer nicht verpflichtet fühle, die Feuerwehren finanziell zu unterstützen. "Und wen hat das Land beim Hochwasser gerufen?", fragte er zynisch.

Dass jeder in die Wehr investierte Euro ein gut angelegter sei, betonten die beiden anwesenden Landtagsabgeordneten Silke Schindler (SPD) und Gudrun Tiedge von den Linken, die in ihrem Grußwort meinte, dass die Zuwendungen des Landes an die Kommunen zur Finanzierung der Feuerwehren völlig unzureichend seien. Sozialdemokratin Silke Schindler: "Was die Unterstützung der Wehren betrifft, hat der Innenminister einen schlechten Berater. Wir alle wissen um die Bedeutung einer Feuerwehr vor Ort und haben deshalb auch eine Verantwortung."

Ralf Lange, stellvertretender Kreisbrandmeister, zollte der Ortswehr um ihre stabile Aufstellung Respekt. "Ihr könnt stolz darauf sein, dass ihr eure Mitgliederzahlen auf diesem Niveau halten könnt. Ein Lob geht auch an die Jugendwehr. Die Nachwuchsarbeit wird schließlich immer wichtiger. Denn die Erfahrung lehrt uns, dass wir im aktiven Dienst wenig Quereinsteiger finden. Der Nachwuchs kommt aus den Jugendfeuerwehren." Die zählt hier aktuell 15 Mitglieder.

Kreisbrandmeister Kai Pluntke schob deshalb die Überlegung an, über die Gründung einer Kinderfeuerwehr nachzudenken. In der Stadt Wanzleben - Börde gibt es derzeit drei Mini-Brandschützergruppen: in Hohendodeleben, Dreileben und Remkersleben.

Auf kurios folgt tierisch

Die Kameraden hatten im Vorjahr aber auch kurioses erlebt. So hatten sie am 15. April den goldenen Zeiger, der aus dem Ziffernblatt der Rathausturmuhr gefallen war, aus der Regenrinne "bergen" müssen. Auf kurios folgte tierisch. Denn auf der anderen Seite des Rathausdachs kamen die Blauröcke am 29. Juni zum Einsatz, um einen hier aus seinem Nest gefallenen Falken zu retten.

Nase zu und durch hieß es am 25. April, als die Wehr zum Gülleunfall nach Eichenbarleben ausrücken musste. "Hier war ein Traktor-Anhänger mit 5000 Liter Gülle ausgelaufen", erinnert René Giese. Den ersten Schornstein- und Dachstuhlbrand des Vorjahres hatte es bereits am 24. Januar in Bergen gegeben, der letzte Wohnungsbrand war den Kameraden am 6. September am Raßbachplatz gemeldet worden. In diesem Jahr ist die Wehr bereits zu sieben Einsätzen ausgerückt.

   

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