Im Mai soll Klein Germersleben um eine Sehenswürdigkeit reicher sein. Kirchengemeinde und Heimatverein richten einen Raum im Pfarrhaus für eine Dauerausstellung über das Leben von Gotthilf Sebastian Rötger her.

KleinGermersleben l Das Ziel haben die Mitglieder der Kirchengemeinde und des Heimatvereins in Klein Germersleben klar vor Augen. Das erste Wochenende im Mai wollen sie dem großen Sohn des Dorfes, Gotthilf Sebastian Rötger (1749-1831), widmen und ihm zu Ehren eine kleine Dauerausstellung im Pfarrhaus eröffnen.

Vater des Gedankens, Rötger in den Fokus zu schieben, ist René Gehre, Mitglied des Heimatvereins. Mittlerweile hat er im Dorf zahlreiche Mitstreiter gefunden, Pfarrer Peter Telschow und die Leader-Aktionsgruppe (LAG) "Bördeland" sitzen ebenfalls mit im Boot. Und sie haben in den vergangenen Monaten richtig rangeklotzt.

Die einstige Vorratskammer im Pfarrhaus, in dem der kleine Gotthilf Sebastian 1749 das Licht der Welt erblickte, ist nicht mehr wiederzuerkennen. Fleißige Helfer haben gemauert und den Malerpinsel geschwungen, Elektroleitungen erneuert und eine Heizung eingebaut. "Das ist der Raum im Haus, der am wenigsten verändert wurde", sagt Pfarrer Peter Telschow über den Raum im Erdgeschoss, in dem nun bald eine Ausstellung an den Prälaten und Probst des Magdeburger Klosters Unser Lieben Frauen erinnern soll.

Einiges an Ausstellungsmaterial hat die Kirchengemeinde selbst zu bieten. "Wir haben den Taufeintrag, die Utensilien vom Abendmahl, die sicher auch er genutzt hat, und kennen auch die Stelle, an der er mit Sicherheit als Kind gespielt hat", zählt Peter Telschow auf. Wesentlich mehr lagert aber im Kloster Unser Lieben Frauen. Einige Klein Germersleber haben deshalb schon in den Archiven des Klosters nach geeignetem Material für ihre Ausstellung geschaut.

Ein alter Taufstein soll seinen Platz direkt am Eingang des Pfarrhauses unterhalb der Gedenktafel für Rötger finden. Nach Aussage von Peter Telschow haben die Eltern von Gotthilf Sebastian den Stein einst gestiftet, anhand der Jahreszahl lässt sich aber erkennen, dass der kleine Gotthilf Sebastian darin nicht getauft worden ist. Ein Stein und eine zuletzt als Brunnentrog genutzte steinerne Wanne, in welche die Jahreszahl 1684 eingemeißelt sind, sollen auch in der Ausstellung zu sehen sein. Sie wurden in der Nähe des Pfarrhauses gefunden. "1624 gab es hier den ersten Pfarrer namens Rötger", so Telschow.

Die Würdigung des Gotthilf Sebastian Rötger, der sich Verdienste als Pädagoge und Schulreformer erarbeitet hat und unter anderem auch das Zensurensystem einführte, soll auch über sein Geburtshaus hinausgehen. Eine weitere Arbeitsgruppe befasst sich dehalb gerade intensiv mit der Aufstellung von Tafeln, die einerseits die Aufmerksamkeit auf Rötger, andererseits auf die Geschichte Klein Germerslebens als Fischerdorf lenken sollen. Ein großer Findling aus der heimischen Feldmark soll außerdem als Gedenkstein an einer zentralen Stelle im Dorf an den Sohn des Ortes erinnern. Der Ortschaftsrat hat nach Aussage von René Gehre bereits seine Zustimmung gegeben, die Genehmigung der zuständigen Behörden ist der nächste Schritt.

Und auch um auswärtige Interessenten nach Klein Germersleben zu locken, ist der erste Schritt getan. In einem Projekt unter dem Titel "Verborgene Schätze an der Straße der Romanik", das fünf Leader-Aktionsgruppen zusammen erarbeitet haben, wurde auch das Klein Germersleber Rötger-Projekt mit aufgenommen. "Außerdem gab es bei uns Überlegungen, das Projekt den umliegenden Schulen anzubieten und Klassen in die Ausstellung einzuladen", so René Gehre.

Einige Sorgen bereitet ihm und seinen Mitstreitern allerdings noch ein Grabstein von Sebastian Rötger, dem Großvater von Gotthilf Sebastian Rötger. Dieser steht an der Kirche. Obwohl das Wappen der Familie Rötger noch erkennbar ist, weist der Stein doch schon starke Verwitterungserscheinungen auf. "Eigentlich müsste er umgesetzt werden, aber das ist nicht so einfach zu machen", ist sich Gehre sicher. Er sucht noch nach einer geeigneten Lösung, um auch das Relikt einer Familiengeschichte zu retten.