Eine wahre Horrornacht hat ein 80-jähriger Remkersleber erlebt: Während er schlief, schlich ein Einbrecher durch sein Haus. In dieser Woche erging es noch zwei weiteren Senioren im Landkreis so. Die Verunsicherung ist deshalb groß. Die Polizei empfiehlt das Telefon mit ans Bett zu nehmen und den Notruf 110 auf der Kurzwahltaste zu speichern.

Remkersleben l Die Nacht zum Mittwoch steckte dem 80-jährigen Ottokar Rybarczyk auch gestern noch merklich in den Gliedern. Seit dem Einbruch habe er kaum geschlafen, erzählt er. Der Remkersleber erlebte in seinem Haus am Hoppelberg in jener Nacht den Horror, vor dem sich wohl jeder fürchtet. Während er schlief, hebelte ein Einbrecher die Kellertür auf. Von dem Schein des Flurlichts, dass der 80-Jährige beim Zubettgehen brennen ließ, hatte sich der Dieb nicht abschrecken lassen. "Nach dem Champions-League-Spiel, das Schalke gegen Real Madrid 6:1 verloren hat, bin ich gegen Mitternacht ins Bett gegangen, und habe noch bis etwa 1 Uhr gelesen", erzählt der Fußballfan.

Gegen 3.30 Uhr sei er von merkwürdigen Geräuschen, die aus dem Nachbarzimmer kamen, geweckt worden. Als der Senior aufstand, um nachzusehen, erblickte er bereits beim Öffnen der Schlafzimmertür im gegenüberliegenden Raum einen fremden Mann, der sich gerade durch den Schrank wühlte.

"Im Zimmer brannte Licht und die Kleiderschranktür stand sperrangelweit offen. Offensichtlich hat er hier nach Bargeld gesucht", mutmaßt der Vater von fünf Kindern, Opa von zehn Enkeln und Ur-Großvater von zwei Urenkeln.

"Als der Einbrecher mich sah, wiederholte er ein paar Mal den Satz, dass ich wieder ins Bett gehen solle. Ich stand aber wie angewurzelt da", erinnert sich der Senior.

Dann ging alles ganz schnell. Der Einbrecher nahm Reißaus. Bei seiner Flucht aus dem Zimmer schlug er Ottokar Rybarczyk die Schranktür gegen den Kopf. "Er drückte mich beiseite und flüchtete", sagt der Jäger, der in seinem Haus mit Blick ins Grüne seit 1977 wohnt. Seit dem Tod seiner Frau vor sechs Jahren lebt er dort allein.

"Als der Einbrecher flüchtete, habe ich gleich meinen Sohn angerufen", sagt er. Dieser wohnt zum Glück gleich nebenan und muss nur über die Straße eilen. Er habe auch die Polizei verständigt. Nur kurze Zeit später ist die Polizei vor Ort. Ein Fährtenhund wird sofort eingesetzt, kann zunächst auch eine Spur aufnehmen, die sich aber inmitten des Ortes am Eichplatz wieder verliert.

Die Kriminalisten gehen deshalb davon aus, dass der Täter hier in ein Fluchtauto gestiegen sei.

Die Kripo rekonstruiert später, dass der Einbrecher die Kellertür aufgehebelt hatte und so in das Haus eindrang. "Wie er reinkam, ist er auch geflüchtet. Er hat mehrere Räume und Schränke durchstöbert. Entwendet hat er aber nichts."

Die durch den Einbruch demolierte Kellertür werde nun durch eine neue ersetzt. "Die ist dank eines Eisenkerns wesentlich massiver", erzählt Ottokar Rybarczyk.

Ähnliche Vorfälle auch in Groß Germersleben und Velsdorf

Zwei ähnliche Einbruchsfälle waren der Polizei in Haldensleben ebenfalls in dieser Woche gemeldet worden. "Zum einen aus Velsdorf bei Calvörde und zum zweiten aus Groß Germersleben", fasst Polizeisprecher Joachim Albrecht die Anzeigen zusammen.

"Wie in Remkersleben war auch in Groß Germersleben ein 80-jähriger Bewohner in der Nacht zum Mittwoch gegen 3 Uhr von Geräuschen geweckt worden. Auch er wollte die Lärmquelle ausfindig machen und nach dem Rechten sehen."

Dabei stieß der Senior ebenfalls auf einen Einbrecher, der gerade dabei war, mit einer Taschenlampe die Küche zu durchstöbern. "Als der Täter den Senior bemerkte, flüchtete er über den Vorgarten in unbekannte Richtung." Auch hier nahm ein Kriminaltechniker das Einfamilienhaus unter die Lupe und sicherte Beweise.

Bei allen drei Einbrüchen ist auffällig, dass die Ganoven jeweils in den Nachtstunden immer bei älteren Bewohnern eingestiegen sind.

Die Polizei warnt davor, sich den Einbrechern entgegenzustellen. "Auf keinen Fall sollte man den Helden spielen", rät der Polizist. "Bevor man ins Bett geht, sollte immer überprüft werden, ob alle Türen verschlossen sind. Sollte man mitten in der Nacht ungewöhnliche Geräusche wahrnehmen, bei denen man sich denkt, da stimmt was nicht, sollte man schnellstmöglich die Polizei informieren", erklärt er. Hierfür empfiehlt der Experte die Notrufnummer im Telefon einzuspeichern. "Am besten auf der Kurzwahltaste. So kann man den Notruf schnell absetzen", fügt er als Tipp hinzu. "Auch die Rufnummern von Familienangehörigen und Nachbarn sollten als Kurzwahl eingespeichert sein, da sich die meisten in der Aufregung vertippen und so wertvolle Zeit verlieren."

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