Das Oschersleber Wohngebiet Wasserrenne hat wieder einen Wohnblock und damit 36 Wohnungen weniger. Die Genossenschaft Neues Leben reißt in der Humboldtstraße ihr Haus mit den Eingängen 17 bis 19a ab. In knapp zwei Wochen soll der letzte Schutt verschwunden sein.

Oschersleben l Der Bagger hat bereits ganze Arbeit geleistet. Im Oschersleber Wohngebiet Wasserrenne sind vom Wohnblock Humboldtstraße 17 bis 19a nur noch das Fundament und ein paar Betonplattenreste nebst Schuttberg zu sehen. Und auch das alles nicht mehr lange. Denn der Abrissbagger ist unermüdlich im Einsatz. So dass in knapp zwei Wochen alles verschwunden sein wird, wie Jens Schneider sagt. Und der Vorstand der Oschersleber Wohnungsgenossenschaft Neues Leben kündigt zudem an, dass auf dem dann freien Platz eine Grünfläche angelegt wird.

So dass dann also in absehbarer Zeit dort der Rasen sprießt, wo bisher ein sechsstöckiger Wohnblock mit drei Eingängen und insgesamt 36 Wohnungen gestanden hat. Alles in allem mit einer Wohnfläche von 2200 Quadratmetern.

Was keine so unwichtige Zahl ist, denn von der hängt ab, mit wieviel Geld der Bund und das Land den Abriss unterstützen. Diese Abrissarbeiten werden nämlich im Rahmen des Programms "Stadtumbau Ost" finanziell gefördert. Ein Programm, das unter anderem aufgrund der rückläufigen Bevölkerungszahlen im Jahr 2002 ins Leben gerufen worden ist. Für jeden Quadratmeter Wohnfläche, der abgerissen wird, bekommt Neues Leben 60 Euro aus Berlin beziehungsweise Magdeburg überwiesen. So dass von den 200000 Euro, die der Abriss des Wohnblocks Humboldtstraße 17 bis 19a kostet, Land und Bund 132000 Euro übernehmen und die Wohnungsgenossenschaft die restlichen 68000 Euro zahlen muss.

Neues Leben ist im Jahr 2004 in dieses Programm "Stadtumbau Ost" aufgenommen worden. Seitdem hat die Genossenschaft im Wohngebiet Wasserrenne von den 932 Wohnungen, die sie dort zu DDR-Zeiten gebaut hat, 336 "vom Markt genommen", sprich abgerissen. Zum einen, indem ganze Wohnblöcke gefallen und zum anderen, indem von einigen Blöcken die oberen Etagen entfernt worden sind.

"Es waren zwar zwei separate Wohnblöcke, die aber ganz eng aneinander standen."

Jens Schneider, Neues-Leben-Vorstand

Beim Block Humboldtstraße 17 bis 19a ist die Entscheidung für den vollständigen Abriss gefallen. Obwohl auch der nicht ganz so einfach war. Denn dieser Block stand unmittelbar neben dem Block Humboldtstraße 11 bis 15. "Es waren zwar zwei separate Wohnblöcke, die aber ganz eng aneinander standen", wie Jens Schneider sagt. Weshalb die Wohnungsgenossenschaft auch ein Halberstädter Planungsbüro mit der Organisation der Abrissarbeiten beauftragt hat, das sich mit diesen "BWS 70"-Wohnblöcken auskennt. "Diese Planer hatten früher genau solche Plattenbauten projektiert", wie Jens Schneider sagt. So dass es auch mit den Problemstellen, also mit den Balkonen, keine Probleme gegeben habe. "Hier ist allerdings mit besonderer Vorsicht gearbeiten worden", so der Genossenschafts-Vorstand, der jedoch nicht nur dem Planungsbüro und der beauftragten Abrissfirma für den nahezu reibungslosen Ablauf dankbar ist. Sondern der sich vor allem bei den Betroffenen bedanken möchte. Denn von den 36 Wohnungen waren noch 14 bewohnt, als die Abriss-Entscheidung für diesen Wohnblock gefallen ist. Und dass alle diese Mietparteien beziehungsweise Genossenschaftsmitglieder der WG Neues Leben treu geblieben und in eine andere Genossenschaftswohnung gezogen sind, "freut mich sehr", so Jens Schneider, der von insgesamt 1429 Wohnungen spricht, die Neues Leben im gesamten Oschersleber Stadtgebiet hat.

Von denen in diesem Jahr noch einmal 16 Wohnungen abgerissen werden. Und zwar auch im Wohngebiet Wasserrenne. Ganz genau in der Albert-Einstein-Straße, in der die Wohnungsgenossenschaft gemeinsam mit der Oschersleber Wohnungsbaugesellschaft Bewos einen großen Wohnblock um zwei Etagen verkleinern und modernisieren wird.

"Damit haben wir dann vorerst alle unsere Abriss- und Rückbauvorhaben realisiert", sagt Jens Schneider. Mit dem Ergebnis, dass der Leerstand der Neues-Leben-Wohnungen in Oschersleben von 20 Prozent auf 7 Prozent reduziert worden ist. "Das ist nun eine ganz vernünftige Zahl", so Vorstand Jens Schneider.

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