Kinder so früh wie möglich nach ihren individuellen Möglichkeiten zu fördern, hat sich die Grundschule Weferlingen auf die Fahnen geschrieben. Mit "Anschwung für frühe Chancen" des Bundesfamilienministeriums sollen Wünsche umgesetzt werden, die zu diesem Ziel führen.

Weferlingen l Schnell füllt sich die Liste der Träume und Wünsche, die Pädagogen, Eltern und Verwaltung einmal frei von der Leber weg sagen dürfen. Schwieriger ist es da schon mit dem, was bereits vorhanden ist und noch schwierigen mit dem, was sich am ehesten umsetzen lässt. Warum das alles gesammelt wird? Die Grundschule Weferlingen startet mit einem Runden Tisch in eine neue Phase zum Ausbau und zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung.

Kaum einer weiß bisher, dass die Grundschule bereits inklusiven Charakter hat, also jeden Schüler individuell nach seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten fördert und ihm so zeigt, dass es genauso gut ist wie es ist. Keine Selbstverständlichkeit mehr in dieser Zeit, denn es gibt immer mehr Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. Das haben die Lehrer in den vergangenen Jahren immer wieder erfahren müssen. Mit dem Bundesprojekt "Anschwung für frühe Chancen" (siehe Info-Kasten) sollen die Voraussetzungen und Bedingungen vor Ort geschaffen werden, um Kindern bessere, individuellere Chancen einzuräumen.

Schulleiterin Sabine Nieber hat sich und ihren Kollegen mit der Oebisfelderin Antje Rein Unterstützung für "Anschwung" geholt. Die systemische Therapeutin kümmert sich in einem Tätigkeitsschwerpunkt via Teamentwicklung darum, dass gemeinsam Ziele erreicht werden.

Antje Rein ist es dann auch, die die ersten Bausteine bei den Teilnehmern des Runden Tisches erfragt. An den Anfang stellt sie einen kleinen Film, der zeigt, was Inklusion überhaupt bedeutet. Dabei geht es darum, dass alle mitmachen können, keiner außen vor bleibt, Unterschiedlichkeit zum Ziel führt und schließlich Ausnahmen zur Regel werden.

All das versucht die Grundschule bereits seit etlichen Jahren anzupacken und umzusetzen. Doch viele Hürden stehen ihr dabei im Weg. "Wir hetzen uns und die Kinder gleichermaßen", sagt Sabine Nieber über den Ist-Zustand der Schule mit ihren zwei Gebäuden.

Weniger Bürokratie, dafür mehr Personal und Platz

Immer wieder taucht im Laufe des Runden Tisches das räumliche und bauliche Problem auf. Das fängt mit den zwei auseinanderliegenden Gebäuden an, führt über den Weg zur Sporthalle bis hin zu einem viel zu kleinen Lehrerzimmer, einem Schulleiterzimmer im ersten Obergeschoss und einem Sekretariat, das sich im Keller befindet. Rückzugs- oder Snoozleräume sind Fehlanzeige, aber ebenso eine Vision der Lehrer.

Auch für den Schulhof fallen Eltern und Lehrern sofort viele Dinge ein, die es zu verbessern gibt. So ist es auch kein Wunder, dass bei den vielen Wünschen Ortsbürgermeister Hans-Werner Kraul als Vision sofort mehr Platz und vor allem ausreichend finanzielle Mittel einfallen.

Genau die nämlich fehlen in Zeiten der Haushaltskonsolidierung, in der sich die Stadt Oebisfelde-Weferlingen befindet. Trotzdem, so berichtet er, sollen in diesem Jahr die ingenieurtechnischen Voraussetzungen für einen Neu-, Um- oder Ausbau geschaffen werden. Der Stadtrat habe bereits die Notwendigkeit eingesehen und dafür grünes Licht gegeben, sagte Kraul.

"Wir trauen uns heute mal, groß zu denken", bittet Antje Rein trotzdem um weitere Zukunftsvisionen. Viele wichtige Impulse kann Förderlehrer Michael Bode bereits beitragen. Er ist für die Dauer von fünf Jahren in Vollzeit an der Grundschule tätig. Trotzdem würde er die Unterstützung eines zweiten Förderlehrers nicht ausschlagen, so groß und umfangreich ist sein Aufgabenfeld. Auch ein zweiter Lehrer pro Klasse oder ein pädagogischer Mitarbeiter in jeder Klasse könnte schon kurzfristig für Entlastung sorgen und die Individualität des Lernens jedes einzelnen fördern.

Förderbedarf auch für überdurchschnittlich Begabte

Gerlind Siebert erinnert daran, dass man nicht vergessen dürfe, dass es auch Kinder mit überdurchschnittlichem Wissen und Können gibt, die ebenso Förderbedarf auf einem anderen Niveau hätten.

Kinder mit körperlichen Behinderungen haben in Weferlingen derzeit keine Chance. Keines der Gebäude ist behindertengerecht zu betreten. Im Fall eine Neubaus müsse auf jeden Fall darauf geachtet werden.

Eine Walbeckerin kritisiert mangelnde Transparenz und Kommunikation. Viel zu wenig wisse sie über die Grundschule mit Inklusion. Man werde als Eltern zwar darüber informiert, wo das Kind zur Schule gehen soll, aber ohne auch nur ansatzweise über Alternativen und Möglichkeiten in Kenntnis gesetzt zu werden. Ähnlich sei es mit dem Förderverein der Schule. Man wisse, dass es ihn gibt, aber viel mehr nicht.

Alles, was an diesem Abend zusammengetragen wird, soll in den kommenden zwölf Monaten auf den Prüfstand. Antje Rein steht der Schule über das `Anschwung"-Projekt so lange zur Seite. Ziel über allem ist es, dass die Kinder sich wohlfühlen in ihrem Schulumfeld, ihre Schulzeit genießen können in dem Wissen, dass sie so wie sie sind angenommen und akzeptiert werden.