Gabi Pelczynski soll ihren von der evangelischen Kirchengemeinde Oschersleben gepachteten Garten räumen, weil angeblich ihre Tauben stören. Komisch findet sie nur, dass erst vor wenigen Tagen Pfarrer Friedrich von Biela einen Taubenschlag im Wiesenpark einweihte.

Oschersleben l Gabi Pelczynski wohnt mit ihrem Mann in der Oberen Mauerstraße in der Altstadt von Oschersleben. Bei ihnen leben außerdem der Neufundländer Calo sowie rund ein Dutzend bunte Vögel in einer Voliere draußen im idyllischen Garten. Auf einem angrenzenden Nachbargrundstück halten die Pelczynskis seit etwa 20 Jahren zudem gut zwei Dutzend Tauben und Pony Tina.

Doch damit wird bald Schluss sein. "Die evangelische Kirchengemeinde Oschersleben hat uns den Pachtvertrag gekündigt - wegen unserer Tauben", sagt Gabi Pelczynski. So ist in der Kündigung vom 18. Februar zu lesen, dass sich das Grundstück "in keinem gärtnerischen Zustand befindet." Außerdem sehe der Pachtvertrag eine Tierhaltung in dem Maße, wie sie hier durchgeführt wird, nicht vor. "Hiermit untersagen wir Ihnen die Haltung von Tauben. Weiterhin kündigen wir Ihnen hiermit den Pachtvertrag zum 30. September 2014, da die Eigentümerin das Grundstück andersweitig verwenden möchte", heißt es weiter in dem Schreiben. Absender ist das Kreiskirchenamt Wanzleben, das die Kirchengemeinden bei deren Verwaltungsaufgaben unterstützt.

"Mit der Kündigung haben wir die Aufforderung erhalten, bis März alles zu entfernen. Uns war klar, dass wir das in der Kürze natürlich gar nicht schaffen, denn wo sollen wir so schnell einen Platz für das Pony finden?", fragt die Tierliebhaberin.

Doch ein Umstand regt Pelczynski ganz besonders auf: "Als ich vor wenigen Tagen in der Volksstimme las, dass der evangelische Pfarrer von Biela an der Errichtung eines neuen Taubenturms im Wiesenpark beteiligt ist, fiel ich glatt vom Glauben ab. Denn uns verbietet er die Haltung."

"Ein Garten dient doch nicht nur dem Ertrag, sondern auch der Erholung."

Pächterin Gabi Pelczynski

Und das ihrer Meinung nach zu Unrecht. Denn in dem mit der Kirchengemeinde abgeschlossenen Pachtvertrag ist Tierhaltung ausdrücklich erlaubt. Noch im Februar habe Gabi Pelczynski bei Ulrike Wiechmann, beim Kreiskirchenamt verantwortlich für die Verwaltung des Grundstücks, vorgesprochen. Daraufhin sei ein Vor-Ort-Termin mit ihr und Pfarrer Friedrich von Biela zustandegekommen.

In dessen Ergebnis wurde Pelczynski in einer der nächsten Kirchensitzungen eine Redezeit von zehn Minuten eingeräumt, um den eigenen Standpunkt zu erläutern. "Gut eine Woche später erhielt ich Bescheid, nicht nur die Tauben, sondern auch das von mir in der Anhörung erwähnte Pferd bis zum September abzuschaffen und das Grundstück bis 2015 zu räumen", macht Gabi Pelczynski aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl.

Auch die Formulierung im ersten Kündigungsschreiben, dass sich das besagte Grundstück nicht in einem gärtnerischen Zustand befindet, kritisiert der Tierfan. "Ein Garten dient doch nicht nur dem Ertrag, sondern auch der Erholung", ist sich Pelczynski sicher. Und über die vorgetragene übermäßige Tierhaltung ärgert sich die Krankenschwester ebenfalls. Laut Veterinäramt, mit dem Gabi Pelczynski als Schatzmeisterin des Tierschutzvereins Oschersleben einen regen Kontakt unterhalte, gebe es keine gesetzlichen Bestimmungen über eine Anzahl von gehaltenen Tauben. "Auch gibt es kein Gesetz, welches mir die Haltung untersagt", betont sie.

Laut der Tierschützerin sind nicht nur sie und ihr Mann enttäuscht über das Verhalten der Kirchenmitarbeiter. "Bewohner aus dem benachbarten Altenpflegeheim des DRK sind sehr traurig und haben fast geweint, als sie hörten, dass sie bald nicht mehr kommen können, um unser Pony Tina zu streicheln", erzählt Pelczynski. So hätte das Ehepaar der Kirchengemeinde auch Lösungsvorschläge unterbreitet wie beispielsweise ein von Frau Wiechmann angeregter Grundstückstausch. "Doch darauf erhielten wir bis heute keine Antwort."

Der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Friedrich von Biela sieht das alles etwas anders und relativiert: "Wir haben nicht wegen der Tauben gekündigt. Vielmehr möchte die Gemeinde das Grundstück nach 20 Jahren Verpachtung nun selber nutzen." Auf welche Art ließ der Pfarrer noch offen. Geeignete Nutzungsmöglichkeiten würden derzeit geprüft. "Richtig ist aber, dass wir ein Problem mit der Taubenhaltung der Pelczynskis haben. Im Pachtvertrag ist zwar Tierhaltung erlaubt, von Tauben steht dort allerdings nichts. Wir halten einen Garten nicht für den richtigen Ort. Daher begrüße ich auch den neuen Taubenturm im Wiesenpark, weil dort der Platz dafür ist."

Pächterin Gabi Pelczynski zeigt sich zwar enttäuscht über die Kirche, gibt aber auch zu, dass sie das Grundstück sowieso in nicht allzu ferner Zukunft hätte aufgeben wollen. "Über die Abschaffung der Tauben hätten wir ja mit uns reden lassen. Doch gleich zu kündigen halten wir für übertrieben", sagt die Tierschützerin abschließend.

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