Stendal l Als Mitglied des Verteidigungsausschusses war Katrin Kunert (Die Linke) für knapp 48 Stunden in Afghanistan. "Auch wenn ich den Einsatz der Bundeswehr für falsch halte, war es mir wichtig, mir selbst ein Bild zu machen", sagte sie. Daher hatte sie auch schnell ihre Teilnahme zugesagt. Sie wollte möglichst auch neben den vorbereiteten Briefingrunden und Vorträgen durch die Verantwortlichen die Situation selbst erfragen,

Dazu hatte sie während der Mahlzeiten und bei den Fahrten in Kabul Gelegenheit. Unter anderem sprach sie mit zwei Soldaten, die im Dezember vergangenen Jahres in dem Konvoi mitgefahren sind, der von den Taliban mit einem voll Sprengstoff geladenen Wagen angegriffen worden waren. Und natürlich gab es Gespräche, die laut Programm vorgesehen waren.

"Die deutschen Soldaten arbeiten mit Hochdruck an ihrem Abzug"

"Die Lage ist kompliziert", fasste Kunert nach ihrer Rückkehr im Gespräch mit der Volksstimme zusammen. Zumindest in dem Gebiet, das sie besucht hattte, habe sie durchaus einen zivilen und wirtschaftlichen Aufbau wahrgenommen. Auch die Sicherheitslage sei dort vergleichsweise besser als in anderen Teilen von Afghanistan, stabil ist sie allerdings nicht. Sie selbst habe sich während ihres Aufenthaltes sicher gefühlt.Es fehlt aus ihrer Sicht aber immer noch an einer überzeugenden Perspektive, die den jahrzehntelangen Bürgerkrieg wirklich beenden und den Menschen in Afghanistan endlich Frieden bringen könnte.

"Die deutschen Soldaten arbeiten mit Hochdruck an ihrem Abzug", beschreibt sie. Dennoch konnte die Bundestagsabgeordnete Einblick in den Lebensalltag der Soldaten gewinnen. Wegen der prekären Sicherheitslage spielt sich alles in der Kaserne ab, Dienst und Freizeit gleichermaßen. Außerhalb der Kaserne können sich die Soldaten nicht frei bewegen, dies wäre zu gefährlich. In den Kasernen gibt es verschiedene Möglichkeiten, um Sport zu treiben oder die Freizeit anders zu verbringen. Es wurde versucht, das Beste aus der Situation zu machen, eine angenehme Lage sei dies aber nicht.

"Der Besuch des Ehrenhaines schnürten nicht nur mir die Kehle zu"

Durch den Besuch wurde ihr bewusst, dass die Realität vor Ort eine andere ist als diejenige, die häufig in den Bundestagsdebatten dargestellt wird. Durch ihren Besuch sieht sie die Kritik ihrer Partei an diesem Kampfeinsatz bestätigt. "Die Bundeswehr muss umgehend und vollständig aus Afghanistan abgezogen werden", fordert sie. "Der Besuch des Ehrenhaines schnürten nicht nur mir die Kehle zu", sagte Kunert. Jeder einzelne Name, der auf den Tafeln dort steht, sei ein Argument gegen diesen Einsatz!.