Eine an einer Koppel zurückgelassene Litze ist zwei Damhirschen nahe Altenweddingen zum Verhängnis geworden. Sie hatten sich verheddert. Ein Hirsch verendete, der andere musste getötet werden..

Stemmern l Jäger Dirk Schünemann aus Stemmern ist immer noch erschüttert, wenn er an Sonntag zurückdenkt. Sein Jagdkollege Armin Heinemann hatte ihn telefonisch auf einen Acker zwischen Bahrendorf und Altenweddingen südlich der Bahnlinie bestellt. Zuvor hatte Heinemann hier während eines Kontrollgangs in seinem Revier eine schlimme Entdeckung gemacht. "Er sah die beiden Damhirsche, die sich ungewöhnlich benahmen, zunächst von Weitem", schilderte Dirk Schünemann im Nachhinein.

Als er sich näherte, sah er die ganze Misere. Beide Damhirsche waren am Geweih mit einer Litze eines Elektrozauns verheddert und kamen nicht mehr voneinander los. Einer war bereits verendet, der andere muss ihn, so vermuteten Armin Heinemann und Dirk Schünemann, schon über Tage hinter sich her gezogen haben. "Der tote Hirsch war schon am Verwesen, der andere war total abgemagert, musste wohl schon Tage ohne Futter und Wasser auskommen", erklärte Schünemann seine Eindrücke, als er das grausige Bild sah.

Da der noch lebende Hirsch bei der Annäherung sofort in Panik verfiel, war es den beiden Männern unmöglich, ihn von dem verendeten Tier zu trennen. "Ich musste ihn erschießen", sagte Schünemann, der meint, dass mit etwas mehr Achtsamkeit solche Schicksale zu vermeiden wären.

Die Litze stammte mit höchster Wahrscheinlichkeit von der Einfriedung einer Pferdekoppel. Wenn die Besitzer ihre Tiere im Herbst von der Koppel holen, lassen sie, so haben es Schünemann und seine Jagdkollegen schon öfter festgestellt, meist aus Bequemlichkeit die Litze und Drähte zurück. Wenn das Wild dann durch die Koppel geht, verfängt es sich nicht selten in der Litze und nimmt sie am Geweih dann mit. Manchmal sind es nur kleine Enden, die wieder abfallen, spätestens wenn der Hirsch im April oder Mai sein Geweih abstreift. Aber längere Enden dieser Litze können, wie der Fall vom vergangenen Wochenende zeigt, schwerwiegende Folgen haben. Vermutlich beim Herumbalgen hat sich der zweite Hirsch in der Litze verfangen, die sich beim ersten Hirsch um das Geweih gewickelt hatte.

Den finanziellen Schaden schätzte Dirk Schünemann auf über 2000 Euro. "Wenn wir als Jagdpächter die beiden Hirsche zum Abschuss freigegeben hätten, hätten wir jeweils etwa 800 Euro für die Trophäe und dann noch etwa 250 Euro für das Wildbret erhalten", rechnete er vor.

Doch eigentlich hatten die beiden etwa zweieinhalbjährigen Damhirsche ihr Leben noch vor sich. "Sie sollten alt werden", fügte Schünemann hinzu.

Mit einem Appell richtete er sich sowohl an die Tierhalter, die die Koppeln abzäunen, als auch an die Ordnungsämter. Während die Tierhalter wie ihre Tiere auch die Koppelzäune vor der kalten Jahreszeit einsammeln sollten, sollten die Ordnungsämter hier mehr kontrollieren.

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