LandkreisBörde l Die Feuerwehren haben mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen. Das bilanzierte Kreisbrandmeister Kai Pluntke auch jüngst auf der Kreiswehrleitertagung vor etwa 150 Führungskräften und Gästen aus dem gesamten Landkreis Börde. Kümmerten sich im Jahr 2012 noch 3684 Einsatzkräfte in 169 Feuerwehrwehren um Brandschutz, technische Hilfeleistungen und andere Aufgaben, waren es im vergangenen Jahr noch 3544 Einsatzkräfte in 168 Feuerwehren. Das entspricht einem Defizit von 140 Einsatzkräften innerhalb eines Jahres.

Allerdings gibt es in einigen Orten Bestrebungen, Wehren zusammenzuschließen. Hintergrund sind meist personelle Probleme - allgemein oder in den Führungsebenen. "Wenn der Zusammenschluss sinnvoll ist, stellen wir uns dem auch nicht entgegen", so Kai Pluntke, der aber betonte, dass der Einzelfall betrachtet werden muss.

Andererseits ist die enge Zusammenarbeit der Feuerwehren unerlässlich, denn nur die Hälfte der Feuerwehren im Landkreis ist zwischen 6 bis 18 Uhr in der Lage, mit einer Staffelstärke (zwölf Kameraden) auszurücken. "Bei einem Standardwohnungsbrand wird eine Mannschaftsstärke von 18 Kameraden innerhalb der Hilfsfrist von zwölf Minuten sowie eine weitere nachrückende Staffel mit zwölf Kameraden gefordert", erläuterte er ein Beispiel.

Dramatisch ist die Situation auch bei den Atemschutzgeräteträgern. In 42 der Feuerwehren haben weniger als vier Kameraden die Befähigung, als Atemschutzgeräteträger in den Einsatz zu gehen. Da immer mehr Feuerwehrleute auch Schwierigkeiten haben, die Tauglichkeitsprüfung und die jährliche Belastungsübung regelmäßig zu wiederholen, verschärft sich die Situation. "Wir haben viele Atemschutzgeräteträger ausgebildet, aber durch die fehlenden Nachprüfungen fehlt irgendwann die Tauglichkeit", verdeutlichte der Kreisbrandmeister. Derartige personelle Probleme werden derzeitig gelöst, indem zumeist mehrere Wehren gleichzeitig alarmiert werden.

Auch bei den Jugendfeuerwehren sank die Zahl von 1058 Mitgliedern in 121 Jugendfeuerwehren (2012) auf 972 Mitglieder in 110 Jugendfeuerwehren (2013). Dem entgegen macht die Entwicklung bei der Kinderfeuerwehr ein wenig Hoffnung. Allein im vergangenen wurden zehn Kinderfeuerwehren neu gegründet, so dass es zum Jahreswechsel 45 Kinderfeuerwehren im Landkreis Börde gab. Die Zahl der Mitglieder stieg von 363 auf 494.

Doch nicht nur im personellen Bereich gibt es einige Probleme, bezüglich der Ausstattung einiger Feuerwehren sprach Kai Pluntke von einem Investitionsstau. "Künftig wird der Landkreis im Rahmen seiner Aufsichtstätigkeit eingreifen, sollte bekannt werden, dass sich Fahrzeuge in einem verkehrsunsicheren Zustand befinden", kündigte er harte Maßnahmen an.

Trotz des Mitgliederschwunds und einiger anderer Probleme, wie speziell auch personelle Veränderungen im Katastrophenschutz, konnten die Führungskräfte zufrieden auf die größte Herausforderung im vergangenen Jahr zurückblicken. "Das Hochwasser wurde gut gemeistert", so Kai Pluntke. Er erinnerte daran, dass zum damaligen Zeitpunkt einige Führungspositionen im Fachdienst Brandschutz II, im Logistikzug und im Fachdienst ABC nicht besetzt waren. Inzwischen sind diese personellen Probleme gelöst. Dank für die enorme Einsatzbereitschaft während des Hochwassers gab es nochmals vom Landrat Hans Walker, der auf der Tagung ebenfalls anwesend war.

Clemens Köhler stellte als Fachdienstleiter Führung im Rahmen der Veranstaltung die Struktur des neugebildeten Fachdienstes Führung vor. Weitere Fachleute informierten die Führungskräfte der Feuerwehren unter anderem über Neuregelungen in der Waldbrandverordnung, den Fachdienst Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen des Landkreises Börde, die Notfallseelsorge und -begleitung sowie die Aufgaben der Gemeinden bei Großschadensereignissen.

Interesse zogen in einer Pause der Beratung der Einsatzleitwagen der Landeshauptstadt Magdeburg, der neu umgebaute Funktruppwagen des Landkreises Börde sowie ein neubeschaffter Einsatzleitwagen der Stadt Oebisfelde-Weferlingen auf sich.