Ein großes Manöver wird im Mai für viel Unruhe im Land sorgen. Mehr als 100 Düsenjets donnern über Norddeutschland hinweg. Eines der Schwerpunktgebiete ist das nördliche Sachsen-Anhalt mit der Altmark sowie den Truppenübungsplätzen in Klietz und Altengrabow.

Letzlingen l Ein lauer Mai-Nachmittag: Die Fenster sind weit offen. Plötzlich donnern Düsenjets im Tiefflug am Himmel. So wird es vielen Menschen im Norden von Sachsen-Anhalt gehen. Die Bundeswehr startet ein großes Manöver in ganz Norddeutschland. Die Altmark und die Börde sind Schwerpunkte. Lärm werden vor allem die Düsenjets machen. Auch Hubschrauber und Transportmaschinen werden eingesetzt.

Im Schnitt sind das vom 12. bis 23. Mai etwa 30 Maschinen täglich. Die Jets fliegen von Montag bis Freitag bis zu zweimal am Tag - einmal zwischen 9 und 12 Uhr und einmal zwischen 14 und 17 Uhr. Dabei wird es auch Tiefflüge geben. Bis zu 200 Minuten in den zwei Wochen dürfen die Jets insgesamt unterhalb von 600 Metern fliegen. Keine Tiefflüge gibt es am Wochenende. Nachts bleiben die Jets am Boden.

Zielgebiete für die Düsenjets sind die Truppenübungsplätze in Altengrabow und Klietz. Stationiert sind die Eurofighter zum Beispiel in Laage an der Ostsee. Auf den Truppenübungsplätzen werden sie mit Bodentruppen üben. Es gibt Luftabwehreinheiten, Drohnen kommen zum Einsatz. Patriot-Raketen werden dort aufgebaut. Geübt wird mit Computertechnik. "Es wird keine scharfen Schüsse in Sachsen-Anhalt geben", sagt Oberstleutnant Christoph Thoben von der Luftwaffe. Er ist verantwortlicher Leiter für die sogenannte JAWTEX-Übung.

Übung dieser Größenordnung ist eine Seltenheit

"Wenn unsere Soldaten nicht üben, dürfen wir sie nicht in den Einsatz schicken", stellt der Oberstleutnant klar. Die Soldaten brauchen Handlungssicherheit für den Einsatz. 4200 Militärs sind insgesamt im Einsatz. Das Besondere: Heer, Marine und Luftwaffe üben zusammen. Eine Übung in dieser Größenordnung ist eine Seltenheit. "So etwas hat es seit den 1980er Jahren nicht gegeben", sagt Thoben. Auch das Militär muss sparen.

Dass es Ärger mit Anwohnern geben wird, scheint die Bundeswehr zu ahnen. Die Menschen sind Düsenjets nicht mehr gewöhnt. Daher hatte die Luftwaffe Vertreter der betroffenen Kommunen ins Gefechtsübungszentrum in Letzlingen zu einer Info-Veranstaltung eingeladen.

"Da kommt was Gewaltiges auf uns zu", sagt Letzlingens Bürgermeisterin Regina Lessing angesichts des Manövers. Der Truppenübungsplatz Letzlinger Heide wird in die Übung allerdings nicht einbezogen. Dort trainieren in der Zeit Soldaten für den Afghanistan-Einsatz.

Oberst Nolte betonte, dass das Manöver in keinem Zusammenhang mit der Krise in der Ukraine stehe. Das Manöver sei von langer Hand geplant worden. Der Auftrag des Generalinspekteurs stamme aus dem Jahr 2012. "Wir wollen die Bevölkerung sensibilisieren. Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir die Belastung minimieren können", so Nolte.

Privatflieger dürfen während der Kernzeit nicht in die Luft

So haben die Militärs bereits mit den zivilen Flugplätzen gesprochen. Denn Privatflieger dürfen in den Kernzeiten nicht in die Luft steigen. Das Umweltministerium hat eine Verträglichkeitsstudie angefertigt. Die Bundeswehr verzichte auf Tiefflüge über Flora-Fauna-Habitat-Gebieten wie der Elbtalaue und der Colbitz-Letzlinger Heide.

Wer sich über Regelverstöße der Jetpiloten beschweren möchte, kann sich an das Bürgertelefon der Unterstützungsverbände der Luftwaffe werden: 0800/8620730.

 

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