Viele junge Mütter und Väter sowie Großeltern aus der Stadt Wanzleben - Börde haben am Sonntagnachmittag gezeigt, dass sie hinter den Hebammen stehen. Dutzende von ihnen begrüßten vor dem Wanzleber Rathaus vier junge Mütter aus dem Umkreis von Münster (Nordrhein-Westfalen).

Wanzleben l Die vier jungen Mütter Bianca Kasting, Laura Vollmann, Jana Meiners und Christiane Brosat wollten auf besonders beeindruckende Weise auf die Existenznöte der Hebammen hinweisen. Dazu hatten sie sich bereits am Mittwoch der vergangenen Woche im niedersächsischen Hameln auf den Weg gemacht: Mit Fahrrädern und Kinderanhänger. In den Kinderanhängern ist Platz für die 16 Monate alte Lotta, Tochter von Bianca Kasting, den zwölf Monate alten Mio, der zu Laura Vollmann gehört, Jana Meiners Tochter Linn (sechs Monate) und Christiane Brosats Sohn Michel (vier Monate). Die radelnden Mütter wissen, wie wichtig Hebammen bei der Geburtsvorbereitung, der Geburt selbst und auch bei der Nachsorge sind.

Deshalb ist ihnen "kein Weg zu weit". Berlin ist ihr Ziel. Dort wollen sie am 12. April mit einer Demonstration vor dem Bundeskanzleramt auf die Existenzängste der Hebammen aufmerksam machen. Hintergrund ist die geplante Erhöhung der Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen. Schon in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen verzehnfacht, nun soll die Prämie noch einmal um 20 Prozent auf 5000 Euro im Jahr steigen. Für die meisten freiberuflichen Hebammen ist das nicht leistbar. Zudem haben einige Versicherer schon angekündigt, im nächsten Jahr ganz aussteigen zu wollen. Aber Hebammen ohne Hapfpflichtversicherungsschutz dürfen nicht mehr arbeiten. Mit Folgen auch für die Mutterschaft.

Um ihrem Protest zusätzliche Stärke zu verleihen, sammeln die vier Frauen an verschiedenen Stationen auf ihrer Tour Unterschriften, die sie in Berlin der Elterninitiative Hebammenunterstützung.de überreichen wollen. Und davon bekamen sie auch in Wanz- leben eine ganze Menge. "Danke für die Gastfreundschaft und dass hier so viele Leute da sind", sagte Bianca Kasting zur Begrüßung durch das Megafon.

Ihre Mitstreiterin Christiane Brosat verglich die Resonanz mit Hildesheim, wo die radelnden Muttis am Donnerstag Station machten: "Da waren ungefähr genauso viele Leute, aber die Stadt ist ja viel größer." Zu verdanken hatten sie den Ansturm vier Hebammen aus der Umgebung, die sie vorher kontaktiert hatten und die mächtig die Werbetrommel gerührt hatten. "Es sind auch so viele, die wir aus der Praxis kennen", fasste Denise Lühr zusammen. Ihre Freude über die Resonanz teilte sie mit Kathleen Kramer, Kathrin Freund und Dominique Kallweit, die ebenfalls als Hebammen tätig sind und die Aktion in Wanz- leben angeschoben haben.

"Wir Mütter sind auf die Hebammen angewiesen und darauf wollen wir auch mit Flyern hinweisen", erklärte Bianca Kasting ihr Engagement.

Als sie und ihre Mitstreiterinnen Laura Vollmann, Jana Meiners und Christiane Brosat mit ihren Kindern in Wanzleben ankamen, hatten sie schon 45 Kilometer in den Beinen. Am Morgen waren sie in Schöningen an der Grenze zwischen Niedersachen und Sachsen-Anhalt gestartet. "Insgesamt sind wir seit Mittwoch schon etwa 180 Kilometer gefahren", resümierte Bianca Kasting. Aber die Anstrengung ist es ihnen wert, um auf die Hebammenproblematik hinzuweisen.

Wieviel Wirkung ihre Aktion hat, merkten sie auch auf der Anfahrt nach Wanzleben in Seehausen. Hier fielen sie Familie Jedath auf, die von ihnen in der Zeitung gelesen hatten, und wurden prompt zu einer kleinen Rast mit Stärkung eingeladen.

Vielleicht finden sie auch in den nächsten Tagen noch viele Sympathisanten. Nach Magdeburg am gestrigen Montag sind noch drei Zwischenstopps auf dem Weg nach Berlin geplant.