An der Bärburg in Eils- leben hat sich wieder etwas getan. Der Heimatverein "Oberes Allertal" hat die Mauerreste der mehr als 800 Jahre alten Schutzanlage weitgehend freigelegt, das Areal wurde von Schutt beräumt. Nächster großer Schritt ist die Überdachung des "Bodenschatzes".

Eilsleben l Im Mai wird Günter Wagener 75. Für ihn erfüllt sich jetzt "ein Wunschtraum, den ich schon als Kind hatte". Die Bärburg, was von ihr übrig ist, liegt einigermaßen offen da. Dem Arbeitseinsatz der Mannen von der Interessengemeinschaft Wasserturm sei Dank. "Viel mehr als das nun freigelegte Gemäuer dürfen wir nicht anfassen, aber es reicht auch aus, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie der Bau ausgesehen hat. Wichtig wäre jetzt noch die Feinarbeit, das vorsichtige Abtragen der Erde", so Wagener.

Der passionierte Heimatforscher aus Eilsleben, Heimatvereinsvorsitzende und ehrenamtliche Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie hat sich über Jahrzehnte mit der Bärburg befasst und dem Geflecht der Geschichte akribisch Stück für Stück beachtliche Geheimnisse um den Schutzbau entrissen. Oder besser gesagt: verlorengegangenes Wissen ans Tageslicht gebracht und historische Zusammenhänge aus Archivmaterial hergestellt. "Denn die Spuren und Informationen sind ja vorhanden, man muss sie eben nur finden."

Fündig wurde Wagener bereits vor rund 50 Jahren, als der junge Mann 1967 am vermuteten Bärburg-Standort buddelte und auf das stieß, was sich mittlerweile als Rundturm der Anlage herausgestellt hat. Das verlieh der frühen Faszina- tion des umtriebigen Forschers noch einmal gehörig Anschub, war er doch wahrhaftig auf ein Zeugnis der Geschichte ge- stoßen, von dem er zuvor nur in Aufzeichnungen gelesen hatte.

Wagener grub sich weiter durch überlieferte Dokumente und fand heraus: "Gesichert ist, dass die Burg bis 1207 bestand und in dem oder im folgenden Jahr nach einer Belagerung geschleift wurde." Er vermutet, dass der Angriff zu jener Zeit Ausdruck eines Muskelspiels in der herrschenden Hierarchie war: "Es gab da wahrscheinlich Differenzen zwischen dem Bistum und dem Landadel, was die Besitzansprüche und Verteilung von Gütern und Gewinn anbelangt." Der Halberstädter Bischof von Krosigk habe sich das aufmüpfige Verhalten in der Provinz wohl nicht bieten lassen dürfen und entsendete einen Eroberungstrupp.

Altersbestimmung ist schwierig

Unklar ist Wagener zufolge nach wie vor, wer die Bärburg wann eigentlich erbaut be- ziehungsweise benutzt hat: "Ich gehe davon aus, dass es das Geschlecht derer von Eilsleben war, das zu dieser Zeit schon nachweislich existierte und erst im 17. Jahrhundert ausstarb. Aber dazu finden sich bislang ebenso wenig Hinweise wie auf das Alter der Bärburg. Wir wissen nicht, wie lange sie hier stand."

Hilfreiche Aufschlüsse darüber verspricht sich Wagener noch von den Ergebnissen der Studentengruppe von der Universität Kiel, die hier unter Leitung von Archäologe Christoph Rinne im August vorigen Jahres Untersuchungen anstellte. Anhand des Wagnerschen Lageplans konnte das Grabungsteam binnen weniger Tage auf beachtliche Entdeckungen blicken. So war man auf die Grenze zwischen Fundament und aufgehendem Bauwerk gestoßen, konnte die ungefähre Größe des Rundturms und Ausrichtung der Burg errechnen und auch einige vielversprechende organische Funde wie Knochen- und Pflanzenreste, Kohle und auch Schweinezähne, eintüten, die zur Altersbestimmung beitragen könnten. "Aber es gab wohl technische Probleme. Ich weiß aktuell leider nicht, inwieweit die Kieler das noch weiterverfolgt haben." sagt Wagener.

Zunächst habe der Heimatverein auch eine andere Aufgabe vor der Brust: "Wir dürfen die Oberfläche freilegen unter der Bedingung, sie vor Witterung schützend abzudecken. Unsere Überlegungen gehen dahin, einige Pfosten in den Boden einzulassen und ein Dach zu spannen." Wagener weiß, dass es seine Archäologenkollegen lieber sehen würden, die Burgreste nahezu unangetastet zuzuschütten und für spätere Forschungen im Erdreich zu belassen. Andererseits bestehe aber ein gewisser öffent- licher Anspruch und auch der Wunsch der Gemeinde, den historischen Schatz zugänglich zu machen. Durch seine Vorarbeit und Kontakte liegt Wagener die Erlaubnis vom Landesmuseum vor, die Grube offenzuhalten.

"Das ist den Verantwort- lichen hoch anzurechnen und ein großes Dankeschön wert", so Wagener, "auch die Gemeinde und die Bürgerstiftung unterstützen uns sehr. Durch ihre Hilfe wurde inzwischen das baufällige Gebäude auf dem Hof abgetragen und das vorgelagerte Gelände eingeebnet." Später soll ein geregelter Besucherzugang geschaffen werden, auch eine Informationstafel mit den entsprechenden geschichtlichen Daten zur Bärburg ist geplant.

Emsiger Arbeitstrupp

Dass man diese nächsten Schritt angehen kann, sei insbesondere das Verdienst der Wasserturmleute, lobt Wagener. Er erklärt: "Wir haben eine Übereinkunft getroffen, dass die IG Wasserturm als Sparte in den Heimatverein aufgenommen wird. So ist es ein gegenseitiges Geben und Nehmen, von dem alle profitieren. Die IG wollte nicht unbedingt einen eigenen Verein gründen, und wir Rentner vom Heimatverein sind froh über die Unterstützung der jüngeren Generation."

Vor drei Wochen haben sich die "Wassertürmler" dem Bärburgturm angenommen. In einem aufwendigen Arbeitseinsatz haben sie das verwilderte Areal beräumt und das Gemäuer umbuddelt. "Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass an einem Tag so viel freigelegt werden kann", ist Wagener begeistert, "der Rundturm mit seiner bis zu 4,20 Meter breiten Mauer ist gut zu erkennen, die Umrisse werden noch deutlicher, wenn die Erde entfernt ist." Auch Heimatvereinsmitglied Dieter Jolk ist voll des Lobes für den emsigen Arbeitstrupp: "Große Mengen an Schutt und Erde mussten bewegt werden, erhebliche körperliche Anstrengungen waren nötig, das hätten wir gar nicht leisten können. Vielen Dank auch an die ortsansässige Baufirma für die Bereitstellung der Technik."