Denkbar knapp fiel die Entscheidung des Gemeinderates zum Auf- weichen der Schulbezirke für die Grundschulen im Sülzetal aus. Künftig sollen die Eltern, wenn auch begrenzt, entscheiden können, wo ihre Kinder beschult werden.

Sülzetal l Die CDU-Fraktion des Gemeinderates hatte den Antrag zur Aufweichung der Schuleinzugsbereiche oder Schulbezirke für die drei Grundschulen des Sülzetal auf die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung gebracht. Bereits zum neuen Schuljahr soll es nun einen einheitlichen Schulbezirk im Sülzetal geben. Das macht den Weg für Eltern frei, ihre Kinder nicht unbedingt am Wohnort einschulen zu müssen. Sie können aus den drei unterschiedlichen Schulkonzepten wählen.

Dazu heißt es im Beschlussentwurf der CDU: "Durch die Wahlmöglichkeit können eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie wie beispielsweise die Verbindung von Arbeits- und Schulweg oder die Betreuung durch Familienangehörige nach Schulschluss unterstützt werden. ...Ein vertretbarer Wettbewerb unter den Grundschulen liegt im Interesse von Kindern und Eltern und kann weiter zur Verbesserung der Lehr- und Lernqualität beitragen. Darüber hinaus können anhand der Nachfragen bessere Erkenntnisse über die künftigen Grundschulstandorte gewonnen werden."

Mit dem sehr knapp gefassten Beschluss, sieben Ja- und sechs Nein-Stimmen sowie vier Enthaltungen, geht nun die Aufgabe an die Verwaltung einher, dass sie kurzfristig alle betroffenen Familien zum gewünschten Schulstandort befragen müsse und den Gemeinderat über das Ergebnis zu unterrichten habe. Fakt ist auch, dass das Schaffen eines einheitlichen Schulbezirkes im Sülzetal nicht bedeutet, dass Kapazitäten an den vorhandenen Schulen erhöht werden. Eltern, die ihre Kinder nicht in an der ihrem Wohnort zugeordneten Grundschule beschulen lassen wollen, bewerben sich sozusagen an einer anderen Sülzetal-Grundschule um einen Platz. Sollten vorhandene freie Plätze nicht ausreichen, entscheidet ein Los-Verfahren. So hatte es die Verwaltung vorgeschlagen. Damit solle einer größeren "Völkerwanderung" vorgebeugt werden. Andererseits sei eben diese "Völkerwanderung" nicht das Ziel der CDU-Antrages gewesen.

Darf das Sülzetal denn überhaupt die Schulbezirke ändern? Ja, denn die Gemeinde Sülzetal ist Träger der Grundschulen und ist damit laut Schulgesetz, Paragraf 41, berechtigt, Schulbezirke festzulegen. "Allerdings bedarf diese Festlegung der Zustimmung der Schulbehörde, in diesem Fall ist es das Landesschulamt", teilt Iris Herzig, Fachdienstleiterin im Landkreis Börde, auf Volksstimme-Nachfrage mit.

Bedenken und Zweifel hinsichtlich der Planung

Bedenken wurden während der Diskussion im Sülzetal-Gemeinderat hinsichtlich der Schülerbeförderung geäußert. Wie solle diese künftig funktionieren? Der Landkreis als Träger der Schülerbeförderung habe die in seinem Gebiet wohnenden Schüler unter zumutbaren Bedingungen zur Schule zu befördern, teilt Iris Herzig weiter mit. Laut Schulgesetz bestehe die Beförderungs-oder Erstattungspflicht nur für die Wegstrecke zwischen der Wohnung der Schüler und der nächstgelegenen Schule der von ihr oder ihm gewählten Schulform. Aber wie einige Eltern sich bereits nach der Sitzung äußerten, wollen sie die möglicherweise zusätzlichen Wege in Kauf nehmen.

Gemeinderätin Monika Knop (parteilos), und nicht nur sie, sieht mit dem Schaffen eines einheitlichen Schulbezirkes Planungsschwierigkeiten auf Verwaltung und Schulen zukommen. "Und dieser Beschluss löst unser grundsätzliches Problem, irgendwann nicht mehr genug Schüler für drei Schulen zu haben, nicht. Es entsteht ein Ranking unter den Schulen und das hat für mich einen negativen Touch", so die Osterweddinger Lehrerin. Gemeinderat und ebenso Lehrer Andreas Ristau (parteilos) sieht den nun gefassten Beschluss auch unter dem Gesichtspunkt des Lehrermangels im Land. Das Mitglied des Landespersonalrates weiß wovon er spricht. Und er verwies darauf, dass eben aus Planungsgründen auch das Land bereits vor Jahren davon Abstand nahm, die Schulbezirke aufzuheben.

Die Wahlmöglichkeiten der Eltern werde auch zu einer größeren sozialen Differenzierung, aber auch zu einer Konkurrenz zwischen den Dörfern und Schulen führen, nahm Gemeinderat Friedrich Rabe (Die Linke) zu der Problematik Stellung.