Familie Jaeckel aus Hötensleben und die Rapperin Esther Bejarano verbindet das gleiche Schicksal. Sie wurden einst als Juden verfolgt. Mit einer Veranstaltung soll in Hötensleben und Helmstedt auf die besondere Geschichte aufmerksam gemacht werden.

Hötensleben l "Das Schicksal der Familie Jaeckel ist in Hötensleben eigentlich bekannt", sagt Thomas Malcher, selbst Hötensleber und Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit bei der Verbandsgemeinde Obere Aller. Einst hat die jüdische Familie ein kleines Geschäft im Ort betrieben und war auch sehr sozial eingestellt. Doch mit der Reichsprogromnacht im November 1938 sollte sich für die Familie alles ändern. "Sie haben die Judenverfolgung am eigenen Leib zu spüren bekommen", sagt Thomas Malcher. Sie wurden drangsaliert, deportiert wurden sie aber erst im Frühjahr 1942. Mit tödlichem Ausgang für die Familie.

Bestrebungen, sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, gab es in der Gemeinde Hötensleben aber schon länger. Mit einem Beschluss haben sich die Gemeinderäte dazu bekannt, dass sie mit einem sogenannten Stolperstein vor dem ehemaligen Haus der Jaeckels zum Erinnern auffordern wollen. Der Künstler Gunter Demnig lässt in Erinnerung an die Opfer der Zeit des Nationalsozialismus vor deren letzter selbstgewählten Wohnstätte kubische Betonsteine in den Fußweg ein. Oben auf befindet sich eine gravierte Messingplatte. Mittlerweile gibt es von den Stolpersteinen etwa 45000 in Deutschland und anderen europäischen Ländern.

Am Mittwoch, 23. April, soll in Hötensleben vor dem Haus im Steinweg 11 ein weiterer hinzukommen. Beginn der Veranstaltung ist um 11 Uhr. Mit dabei sein werden sowohl Schüler der Sekundarschule in Ausleben als auch des Gymnasiums Julianum in Helmstedt. Sie werden unter anderem auch kurze Gedichte interpretieren.

"Das Helmstedter Gymnasium macht aus diesem Anlass gleich einen Projekttag", erklärt Thomas Malcher. So können mit dem Thema auch jüngere Menschen angesprochen werden. Und Johann Voß, Lehrer am Julianum, hat aus diesem Anlass eine ganz besondere Zeitzeugin engagiert. Esther Bejarano, inzwischen fast 90 Jahre alt, hat die Judenverfolgung ebenso am eigenen Leib erfahren. 1943 kam sie in das Konzentrationslager nach Auschwitz. Dieses überlebte sie, weil sie Musikerin im sogenannten Mädchenorchester war und auf einem Todesmarsch fliehen konnte. Seit Jahren kämpft sie gegen Rechtsradikalismus, hält öffentliche Reden und besucht Schulen. Doch vor allem ist ihr die Liebe zur Musik geblieben, und so singt sie heute mit der Kölner Rap-Band Microphone Mafia.

Gemeinsam mit dieser Band wird sie am Abend des 23. April in der evangelische Kirche in Hötensleben (Ackerwinkel 1) ihr Können unter Beweis stellen. Sie setzt auf konsequent gehaltvolle Texte, die mit Sinn und Verstand zusammengestellt und eingerappt sind. Besucher werden erstaunt sein, was sich ergibt, wenn zwei gänzlich unterschiedliche Zeit-epochen aufeinandertreffen. Der Eintritt für das Konzert ist frei.

Schon am Nachmittag (14 bis 17 Uhr) wird Esther Bejarano vorrangig vor den Zehnt- und Elftklässlern und ihren Angehörigen im Helmstedter Julianum aus ihrem Buch "Erinnerungen" lesen. Sicher wird sie auch manche Frage beantworten und Überraschungen sind bei dieser Veranstaltung ebenfalls nicht ausgeschlossen.