Zwei Lenze ist es her, dass an den Häusern in Völpke schon eine bunte Gegenwehr als Ausdruck gegen die Schulschließungspläne wehte. Zum Leidwesen der Gemeinde befand man sich damals jedoch auf Einzelkämpferschaft. Der aktuellen Landesdebatte - wie immer sie ausgehen mag - muss Völpke gleichsam ohnmächtig zusehen.

Völpke l Am Ende blieb für Völpke nicht einmal das angedachte Modell der auslaufenden Beschulung. Weder gab es die Schonfrist bis zur Neubewertung gesetzlicher Vorgaben und luftiger Zahlen noch die Schließung auf Raten. Das Aus kam letztlich heftig und auch unerwartet, als der Verbandsgemeinderat am 4. Juli 2012 mehrheitlich den Daumen senkte. Völpkes Bürgermeister Wolfgang Smolin hadert bis heute mit der Vorgehensweise bei jener Sitzung - nicht nur der negativen Folge für seine Gemeinde wegen, sondern auch, was die bizarre Art und Weise des Zustandekommens anbelangt. Doch die große, zum Wahlkampfthema gewachsene Grundschuldebatte in Sachsen-Anhalt kommt für Völpke zwei Jahre zu spät.

"Wir mussten im vorigen Jahr erleben, wie bestehende Schülerklassen auseinandergerissen wurden", sagt Bianca Smolin, Schwiegertochter des Bürgermeisters und selbst betroffene Mutter. Sie bedauert, dass dieses Schicksal nun auch viele andere Grundschulen ereilt - und noch vielen weiteren womöglich nicht erspart bleiben soll. Ihrem neunjährigen Sohn habe sie die Schwierigkeiten bei der Umgewöhnung nach dem Schulwechsel von Völpke nach Hötensleben deutlich anmerken können. Smolin führt das vor allem auf die nahezu verdoppelte Klassenstärke zurück: "Aufgrund der großen Klassen von 25 und mehr Schülern wird das Sozial- und Lernverhalten schon auch zum Problemfall."

Nicht nur ihr liege der "verhängnisvolle" Ratsbeschluss nach wie vor schwer im Magen: "Hier bleibt ein solides Grundschulgebäude geschlossen. Ein ungenutzter Platz, ein Bild der Leere . Und dies alles, weil ohne Not ein für uns nicht nachvollziehbarer Entschluss getroffen wurde. Was mir und vielen anderen Eltern bleibt, sind bis heute unbeantwortete Fragen."

Den Mut, den andere kommunale Schulträger aufbringen, indem sie nicht sofort dem von oben auferlegten Druck nachgeben, hätte sich Völpke auch für den Verbandsgemeinderat der Oberen Aller gewünscht, sagt Bianca Smolin. Zumal die Voraussetzungen nicht zuletzt durch den beschlussfertigen Kompromissvorschlag sowie das Völpker Lerngebäudekonzept gegeben waren: "Die Mindestschülerzahl bis 2019 hat gepasst, auch das Geld hat gestimmt. Aber selbst das Angebot der Gemeinde Völpke, die jährlichen Nebenkosten der Schule zu übernehmen, lehnten die Ratsmitglieder ja ab."

Mit dieser Schulschließung sei der Gemeinde ein wichtiger Teil des Fundaments für die Zukunft genommen worden. "Trotz energischen Kampfes kam das Aus unserer Grundschule schneller und radikaler als wir je vermutet hätten", stellt Bianca Smolin nicht wenig verbittert fest. Die Enttäuschung darüber sei zuletzt wieder gewachsen, da die Bewegung im Lande vielleicht eine neue Chance für Völpke bedeutet hätte: "Auch vor dem Hintergrund wäre eine Frist bis 2019 nur allzu fair gewesen."

So aber steht das Dorf nur noch in der Rolle des Mahners. Für Völpke wird es nun kein Zurück mehr geben, eine Grundschulzukunft besteht allenfalls noch in der Zusammenarbeit mit einem freien Träger. Die Gemeinde hat das Vorhaben noch nicht aufgegeben. Bianca Smolin meint dazu: "Diese Entscheidung gegen unsere Kinder verfolgt uns, wir erleben es täglich. Die weiteren Wege bedeuten längere Schultage, ebenso Einschnitte in die Freizeitgestaltung und Entfaltung der Persönlichkeit. Ein Wendepunkt ist überfällig, auch wenn er uns nichts mehr bringt, aber vielleicht anderen Schulen, die in ähnlicher Weise wie Völpke betroffen sind."

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