Während der 120-Jahr-Feier der Wulferstedter Feuerwehr wird auch eine Chronik der Öffentlichkeit vorgestellt. Klaus Brinkmann hat dafür zahlreiche Fakten aus historischen und persönlichen Unterlagen zusammengetragen. So ist auf mehr als 40 Seite die Geschichte der Wulferstedter Feuerwehr nachzulesen.

Wulferstedt l Dass es bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Wulferstedt so etwas wie eine Feuerwehr gegeben hat, das ist historischen Unterlagen zu entnehmen. So steht in Archiven beispielsweise geschrieben, dass am 16. Februar 1825 Wulferstedter Bürger mit einer Feuerspritze nach Neuwegersleben zu einem Brand geeilt sind. Und in einem amtlichen Schreiben aus dem Jahr 1859 ist auch etwas von einem Wulferstedter Spritzenhaus zu lesen.

Die Geburtsstunde einer amtlichen Wulferstedter Feuerwehr schlägt jedoch erst ganz offiziell am 14. Februar des Jahres 1894, als sich 20 Bürger der Gemeinde zusammensetzen und eine solche Wehr gründen. Und zwar infolge einer neuen preußischen Kreispolizeiordnung vom 1. April 1893, in der unter anderem eine "militärische Organisation der ländlichen Feuerwehren" angeordnet worden war.

Mit dem 1. Brandmeister Heinrich Sternberg und dem 2. Brandmeister Heinrich Angenstein an der Spitze, kommen die Wulferstedter dieser Anordnung nach. So dass ihre Nachfahren nun in diesem Jahr das 120-jährige Bestehen feiern. Und zwar ganz groß am 23. und 24. Mai.

Während dieser zweitägigen Jubiläumsfeier, die vor allem der Feuerwehr-Förderverein seit Februar vergangenen Jahres vorbereitet, wird die Feuerwehrgeschichte eine wesentliche Rolle spielen. Und das unter anderem am zweiten Festtag, wenn Vergangenheit und Gegenwart der Wehr in einem großen Festumzug nachgezeichnet werden. In 18 Bildern wird die Geschichte der Brandbekämpfer im Allgemeinen und die Geschichte der Wulferstedter Feuerwehr im Besonderen durch die Straßen des Ortes rollen.

Noch konkreter und umfangreicher wird der Blick in die Vergangenheit aber schon am ersten Festtag während der feierlichen Eröffnungsveranstaltung sein. Denn in der wird Klaus Brinkmann seine "Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Wulferstedt" vorstellen, die er in den zurückliegenden Jahren zu Papier gebracht hat.

"Mit meinem Enkel Janek ist unsere Familie mit der fünften Generation in der Wulferstedter Feuerwehr vertreten."

Und Klaus Brinkmann wusste und weiß, wovon er da schreibt. Ist der heute 64-Jährige doch bereits seit September 1966 Mitglied der Feuerwehr und heute noch als stellvertretender Wehrleiter in vorderster Reihe aktiv. Viele Jahre war er Wehrleiter, er war Unterabschnittsleiter, er war stellvertretender Kreiswehrleiter und er hat noch manch andere Funktion innerhalb der Feuerwehr bekleidet.

Und zudem war Klaus Brinkmann schon immer an der Geschichte der Feuerwehr interessiert, die vor ihm schon von seinem Vater und von seinem Großvater mitbestimmt worden ist. Wie inzwischen auch seine Töchter und sein Enkel der Wehr angehören. "Mit meinem Enkel Janek ist unsere Familie mit der fünften Generation in der Wulferstedter Feuerwehr vertreten", sagt Klaus Brinkmann, der die Informationen für seine Chronik zum Einen aus seinen eigenen fast 50 Feuerwehr-Jahren geschöpft hat. Zum Anderen haben ihm historische Unterlagen, vor allem aber jenes Dienstbuch diese Informationen geliefert, das von der Gründung am 14. Februar 1894 bis heute in einem fort geführt wird. Wobei die Wulferstedter Feuerwehrleute kurioser Weise parallel dazu die Daten über jeden Einsatz von Anfang an auf die Oberfläche eines Schrankes geschrieben haben, den es auch noch bis heute gibt.

So sind reichlich Informationen über die Einsätze vorhanden und dank des Dienstbuches nicht nur die Wehrleiter oder deren Stellvertreter, sondern alle Feuerwehrleute bekannt, die jemals die Uniform der Wulferstedter Wehr getragen haben.

Und eine weitere Quelle für Klaus Brinkmann waren "Mitteilungen aus der Gemeinde Wulferstedt". Diese historischen Unterlagen über frühere Ratssitzungen, in denen beispielsweise die Anschaffungen neuer Feuerwehrtechnik beschlossen oder andere Entscheidungen in Sachen Brandschutz getroffen wurden, hat ihm die Heimstube zur Verfügung gestellt.

"Allerdings sind diese Protokolle seinerzeit nicht nur in sehr kleiner, sondern auch in altdeutscher Schrift angefertig worden."

"Allerdings sind diese Protokolle seinerzeit nicht nur in sehr kleiner, sondern auch in altdeutscher Schrift angefertigt worden", so Klaus Brinkmann. Doch mit Hilfe einer Lupe und vor allem mit Hilfe der Wulferstedterin Christa Hoffmann, die die altdeutsche Schrift beherrscht, ist es Brinkmann gelungen, die Ratsprotokolle zu "übersetzen" und damit die Chronik zu ergänzen.

"Wir haben dafür den ganzen Winter gebraucht. Dafür ein großes Dankeschön an Christa Hoffmann", sagt Klaus Brinkmann, der mit dem Chronik-Ergebnis insgesamt sehr zufrieden ist, das er nun am 23. Mai während der Festveranstaltung der Öffentlichkeit vorstellen wird.

Vielleicht zählt Klaus Brinkmann ja an diesem Abend mit der Chronik in der Hand alle bisherigen Wulferstedter Wehrleiter auf. Möglicherweise erinnert er an das Jahr 1898, als in der "Zuckerfabrik zu Wulferstedt im Ortsteil Neudamm" eine Betriebsfeuerwehr gegründet worden ist. Gegebenenfalls gibt er bekannt, dass die Freiwillige Feuerwehr 1903 auf 30 Mitglieder und 1938 auf 62 Mitglieder aufgestockt wurde. Nicht ausgeschlossen ist auch, dass er den Bau des heutigen Gerätehauses im Jahr 1979 erwähnt, den Brand am 28. Oktober 2002, der die Breitmeyersche Mühle am Knielweg zerstört hat, die Übergabe des modernen Löschfahrzeugs "LF 10-6" am 25. August 2012 oder aber den ersten Feuerwehrball nach dem 2. Weltkrieg, der am 15. Februar 1947 stattgefunden hat.

Wer mehr über diese Ereignisse und mehr über die Wulferstedter Feuerwehrgeschichte insgesamt wissen möchte, der hat nach der offiziellen Vorstellung die Möglichkeit, sich die mit etlichen Fotos illustrierte Chronik zu kaufen.

In der im Übrigen auch dem Wulferstedter Feuerwehrnachwuchs etliche Seiten gewidmet sind, wie auch beim Fest selbst am 23. und 24. Mai das 22-jährige Bestehen der Jugendfeuerwehr gleich mitgefeiert wird. Denn diese Jugendfeuerwehr sei im Jahr 1992 gegründet worden, wie Klaus Brinkmann in der Chronik schreibt und dort beispielsweise auch an das erste Zeltlager 1993, an Pokalgewinne beim "Löschangriff nass" im Jahr 1998 oder auch an die Gründung der Kinderfeuerwehr im Jahr 2005 erinnert.

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