Hötensleben (rsh) l Im Zuge der Aktion "Stolpersteine", die am 23. April in Hötensleben erfolgt ist, sieht René Müller (CDU) in seiner Funktion als Vorsitzender des Kulturausschusses der Gemeinde noch nachträglichen Erklärungsbedarf. "Denn leider ist es so, dass ich mit Vorwürfen geradezu bombardiert wurde, die sich so gestalten, dass doch nun endlich Schluss sein müsse mit den Schuldzuweisungen, denn wir, also unsere Generation, seien es doch nicht gewesen", so Müller gegenüber Volksstimme.

Er bedauere sehr, dass dies in Teilen der Bevölkerung auf solche Weise wahrgenommen werde. "Denn darum geht es nicht", betont Müller. "Ich fühle mich auch nicht schuldig. Keiner soll sich schuldig fühlen. Nur sprechen Millionen von Toten, die einem ideologischen Wahnsinn und fana- tischer Idiotie zum Opfer fielen, eine klare Sprache. Das mag bedrückend sein, aber es darf nicht in Vergessenheit geraten, das ist unser Ansinnen."

Durch das Schicksal von Familie Jaeckel habe der Schrecken des Nationalsozialismus in Hötensleben Namen und Gesichter bekommen, an die erinnert werden müsse. "Es ist Teil unserer Ortsgeschichte, ob man will oder nicht", so Müller weiter. Es sei falsch, die Augen davor einfach zu verschließen und ebenso falsch, den heutigen Umgang mit unbequemen historischen Tatsachen als reine Schuldessühne zu interpretieren.

Lange, seit 2008, habe sich die Gemeinde mit dem Thema beschäftigt. "Einstimmig ging es letztlich durch den Gemeinderat", erklärt Müller, "wir wollten zum Nachdenken anregen und erinnern, dabei nicht den Aufwand scheuen, das Projekt würdig umzusetzen - das ist uns aus meiner Sicht gelungen." In diesem Zusammenhang geht Müller noch auf einen anderen "bitteren Beigeschmack" ein: "Die Landeszentrale für politische Bildung hat sich nicht an dem Projekt beteiligt, was mir persönlich unerklärlich ist. Meine Anfrage blieb ohne Antwort, und es war nicht der erste Versuch unsererseits, diese Organisation mit ins Boot zu holen. Schade, wir hätten Unterstützung gebraucht und gern angenommen."