Um Wild vom Wechsel über die Fahrbahn abzuhalten, haben Jäger erneut 450 Warnreflektoren im Altkreis Wanzleben angebracht. Die Polizei hatte mit Beginn der Aktion analysiert, an welchen Stellen sich die Wildunfälle häufen.

Wanzleben l Zu den Hauptunfallursachen im Landkreis Börde gehört immer noch der Zusammenstoß mit Wild. 1630 solcher Unfälle gab es 2013 auf den Straßen des Landkreises. "Davon wurden im Zuständigkeitsbereich des Revierkommissariates Wanzleben 163 gezählt", teilt Polizeisprecherin Anika Steidl mit. 2012 waren es im Kreis 1564, davon 227 im Wanzleber Bereich.

Um den Anteil der Rehwildunfälle zu senken, haben in den vergangenen 14 Tagen Jäger 450 neue Wild-Reflektoren im Altkreis Wanzleben montiert. "Insgesamt haben wir so seit 2010 schon 3000 Stück an die schwarz-weißen Begrenzungspfosten anschrauben können", erklären die beiden Hauptinitiatoren der von der Kreisjägerschaft Wanzleben organisierten Aktion, Eberhard Träger aus Domersleben und Rüdiger Duhme aus Seehausen.

Die ersten 500 Reflektoren waren bereits im September 2010 im Gebiet des ehemaligen Altkreises Wanzleben angebracht worden. Im vergangenen Jahr waren in zwei Aktionswellen 750 blaue "Halbschalen" montiert worden.

Unterstützt und finanziert wurde die Aktion auch in diesem Jahr mit einer Summe von rund 2020 Euro über die Allianz Umweltstiftung "Blauer Adler". Den restlichen Anteil der Anschaffungskosten mit jeweils 1,70 Euro pro "Wildwarner" (Kaufpreis pro Stück 4,50 Euro) stemmen die Jagdgenossenschaften und Jäger.

Allein die Hohendodeleber Jagdgenossenschaft und Pächtergemeinschaft haben in den vergangenen zwei Wochen 150 Reflektoren entlang ihrer hiesigen Ausfahrtsstraßen angebracht, um künftig auch hier die Zahl der Rehwildunfälle zu verringern.

Rund um Wanzleben brachten die Waidmänner an Wildwechsel-Punkten der Hauptverkehrsstraßen 100 jener insgesamt 450 Stück an, in Siegersleben und Eilsleben jeweils 50. Die Schwerpunkte wurden für die Planung der Montage in Zusammenarbeit mit der Polizei abgestimmt.

"Die Wildwarnreflektoren, die wir beispielswiese zwischen Hohendodeleben und Domersleben montiert haben, haben sich schon behauptet und bezahlt gemacht", ist sich Peter Schellhase, Schatzmeister der Hohendodeleber Jagdgenossenschaft sicher. "Auf dieser Strecke hat vor der Aktion ständig das Wild gewechselt. Erst Ende 2012 hatte ich hier selbst einen Wildunfall melden müssen. Ein Reh war mir vor den Wagen gelaufen. Mit dem Anbringen der Warnreflektoren haben wir auf dieser Strecke im Vergleich zu vorher deutlich weniger Wildwechsel und damit Unfälle zu verzeichnen."

Der Grund: Wegen der halbrunden Beschaffenheit des Reflektors entsteht beim Auftreffen des Scheinwerferlichts eine Art Lichtzaun, der die Tiere vom Wechseln über die Straße abhalten soll. Die Farbe blau wurde gewählt, weil das Rehwild grüne und blaue Farbtöne sehr gut erkennen kann. Außerdem ist blau eine Schreckfarbe, weil sie in der Natur so gut wie nie vorkommt. Die halbrunde Form hat etwas mit dem Bewegungssehen der Tiere zu tun. Speziell Pflanzenfresser, zu denen die Rehe gehören, haben zwecks Feindvermeidung ihre Augen seitlich am Kopf. Sie sehen nicht besonders scharf, aber reagieren sehr empfindlich auf Bewegungen. Die halbrunde Bauart des Reflektors in Kombination mit dem sich ständig ändernden Anstrahlwinkel des Autoscheinwerfers simuliert eine Bewegung. "Das Wild soll so gleich in Richtung Acker oder Wald vergrämt werden", erklärt Jäger Eberhard Träger. "Wir haben allerdings auch feststellen müssen, dass Schwarzwild nicht so gut auf die Reflektoren reagiert."

Die ersten Elemente seien auch schon von Unbekannten abgeschraubt worden, berichtet er. So zum Beispiel zwischen Domersleben und Hohendodeleben. Hier müssen die Waidmänner bereits zehn Stück ersetzen, weil Übeltäter die blauen Module gestohlen haben.