Mit einem sehr lebhaften Diskussionsabend wurde gestern im Rathaus der Bebauungsplan-Entwurf für eine Biogasanlage an der Günthersdorfer Straße vorgestellt. Etwa zwei Dutzend Zuhörer machten mit Zwischenfragen und Einwendungen klar: Wir wollen keine Biogasanlage.

Oschersleben. Vier Landwirte wollen nicht nur Feldfrüchte, sondern auch Biogas und daraus Strom sowie Wärme produzieren. Gestern Abend wurde innerhalb des Genehmigungsverfahrens in einer so genannten frühzeitigen Bürgerbeteiligung der Entwurf des Bebauungsplans vorgestellt. Die Biogasanlage soll auf dem Gelände der ehemaligen Rinderställe an der Günthersdorfer Straße entstehen, und zwar auf zwei rechtwinklig zueinander liegenden Geländestreifen entlang der Chaussee und nach Norden reichend, sagte Planer Frank Sauerländer von der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt. Das Areal wird als Sondergebiet Biogasanlage ausgewiesen; hier darf nur eine Biogasanlage und nichts anderes gebaut werden.

Ehe er zu dieser und weiteren Aussagen kam, hatten sich Günthersdorfer und Oschersleber mehrfach, teils sehr emotional, geäußert und massiv klar gemacht: Wir wollen keine Biogasanlage; die stinkt und bringt durch die Transporte zusätzlichen Lärm. Ein Vorwurf lautete, dass mit den Transporten Kosten für den Ausbau der Günthersdorfer Straße heraufbeschworen würden.

Dass Peggy Nehring von der Landgesellschaft, die als Planerin ganz allgemein das Prinzip einer Biogasanlage vorstellte, als Schwiegertochter eines der Investoren gar nicht objektiv sein könne, monierte ein Günthersdorfer gleich zu Beginn.

Ebenfalls noch vor dem Einstieg ins Projekt hagelte es Fragen nach den zu transportierenden Mengen und warum überhaupt in Oscherslebens Nähe eine solche Anlage gebaut werden soll. Nutzer der nächstgelegenen Kleingartenanlagen beklagten, dass sie nicht berücksichtigt würden.

Edith Sander von der Planungsabteilung der Stadt versuchte zu erläutern, dass das Planungsverfahren in einem frühen Stadium ist und der Diskussionsabend dazu diene, Vorbehalte, Bedenken und Hinweise aufzunehmen und in die weitere Planung einfließen zu lassen. Die Debatte verlief dann im wesentlichen als Diskussion zwischen den Gegnern der Anlage und Dr. Wolfgang Nehring aus Beckendorf als einem der Investoren.

"Ich nehme Ihre Bedenken zur Kenntnis. Wir werden sie in die Abwägung einfließen lassen", beteuerte er. Dass wesentlich mehr Verkehr entstehe, bestritt er – die Feldfrüchte würden auch jetzt produziert, nur andere, und durch Oschersleben transportiert. Er wolle innerhalb des Verfahrens aber noch aufschlüsseln, welche Verkehrsströme wo zu erwarten sind.

Dass die Gutachten für die Anlage ein Einhalten aller Grenzwerte bestätigen, wollten die Zuhörer nicht glauben. Ungläubiges Gelächter brandete auf angesichts der nach Aussage von Edith Sander etwa eineinhalb Jahre alten Karte des Landesverwaltungsamtes, die überschwemmungsbedrohte Flächen ausweist. Just der Bereich der ehemaligen Ställe bis an die Großalslebener Straße ist ausgespart.

Dr. Wolfgang Nehring erläuterte, dass die Landwirte mit ihrer Sechs-Millionen-Investition aus dem Biogas Strom und Wärme erzeugen und verkaufen wollen. Die Wärme werde bei anderen Anlagen oft einfach an die Umwelt abgegeben, hier solle sie zum preiswerten Heizen genutzt werden. Die Wärmenutzung mache die Nähe zu einem großen Ort nötig. "Wir bauen weder dort, wo die Anlage absäuft, noch wo es unwirtschaftlich ist." Letztlich fließen Steuern in die Stadtkasse, sagte er auf Nachfrage.

Wenn der Plan weiter gereift ist, wird er im Stadtrat beraten; danach besteht erneut die Gelegenheit zu Hinweisen. "Wir lassen die Argumente in unsere Abwägungen einfließen", verspricht Dr. Wolfgang Nehring.