Das hätte dem Räuberhauptmann Rose, der hier im 19. Jahrhundert tatsächlich sein Unwesen trieb, gefallen. Von zahlreichen Waldwanderern kassierte sein Duplikat an der Räuberhöhle reichlich Wegzoll. Allerdings nicht, um sich die Taschen vollzustopfen, sondern für eine gute Sache.

Marienborn l Die gute Sache war der vierte Gemeindewandertag um Dorn und Born, der am Sonntag durch und um Marienborn führte. Die Organisatoren der AG Tour um Reinhard Duckstein und Inka Schröder zeigten sich am Ausgangspunkt der 9,5 Kilometer langen Route schon zu Beginn sehr zufrieden. An der Orangerie hatten sich an die 200 Wanderer eingefunden.

Bürgermeister Peter Müller dankte bei der Begrüßung auch den vielen Helfern aus Vereinen und Organisationen, die umfangreiche Vorbereitungen getroffen hatten. "Schon bei den vorangegangenen Wanderungen konnten wir uns über die große Hilfe anderer Vereine freuen, denn ohne sie ist es nicht zu bewältigen", meinte Reinhard Duckstein.

Vor seinem steinernen Schlupfloch berichtete dann Räuber Rose, ausgeliehen von der Burgtheater-Truppe Ummendorf, in Person von Holger Ahrend davon, dass er 1816 als Karl Wallmann in Helmstedt geboren ward. Im Marienborner Wald trieb er sein Unwesen aus reiner Not, denn die Gesellschaft habe ihn, der ohne Vater - also als Bastard - aufwuchs, verstoßen und ihm keine andere Möglichkeit gelassen.

Reinhard Duckstein von der AG Tour berichtete dann noch über einen besonderen Fund aus Stein, einen sogenannten Schälchenstein aus der Bronzezeit. Er zeigte ein großes Foto, denn der Fund lagert heute im Landesmuseum Halle.

Auf dem Bierweg zum Steinkistengrab

Das war alles ganz interessant, doch die Wanderung hatte hier gerade erst begonnen, und es waren weitere Entdeckungen angekündigt worden. So ging es auf dem Wanderrundweg 25 durchs frische Grün und unter altehrwürdigen Buchen hin zum Bierweg. Dieser hielt nicht, was sein Name verspricht, deshalb musste der Durstende zur Wasserflasche greifen, bevor er Station machte an einem mehrere tausend Jahre alten Steinkistengrab. Dort, im Bischofswald, berichtete die Archäologin Astrid Deffner über die Tradition der Bestattungen in einem Megalithgrab, in dem mehrfach nacheinander Tote zur Ruhe gebettet wurden.

Während einer kurzen Pause an diesem Grab meinte Bürgermeister Peter Müller: "Es ist besonders schön, dass heute Leute dabei sind, die ich nicht kenne. Das heißt, sie kommen aus entfernteren Orten. Außerdem ist dieser Gemeinde- wandertag für uns auch deshalb von Bedeutung, weil wir an dem Wettbewerb `Unser Dorf hat Zukunft` teilnehmen. Da bringen solche gelungenen Veranstaltungen wie heute auch Pluspunkte. Im September erwarten wir übrigens die Kommission zur Orts- begehung." Die Wanderung ging weiter. Manche nahmen sich eine Abkürzung, denn das Alter der Teilnehmer reichte von "ganz klein" bis "grauhaarig". Es gab aber auch Gelegenheiten zur Stärkung und an einigen Stellen den begehrten Wanderstempel.

Eine Erkundung auf eigene Faust oder in kleinen Gruppen war ebenfalls wieder gut möglich. Gegenüber der Orangerie ist eine neue Übersichtstafel aufgestellt worden, die Wanderwege sind dort nummeriert und die Sehenswürdigkeiten aufgelistet. Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, muss allerdings auf einen Anblick verzichten: Der Räuberhauptmann hat seine Höhle und den Marienborner Forst längst wieder verlassen.

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