Seit 65 Jahren ist Wilhelm Lotz Mitglied der Wulferstedter Feuerwehr. So lange wie kein anderer. 25 Jahre davon war er der Chef. Am Wochenende nun feiert seine Wehr das 120-jährige Bestehen und der heute 88-Jährige freut sich sehr darauf.

Wulferstedt l 1948 kam Wilhelm Lotz nach Wulferstedt. Ein Jahr später hat er seine Margarete geheiratet, so dass die beiden nun in diesem Jahr eiserne Hochzeit feiern. Das ist aber nicht das einzige Jubiläum für Wilhelm Lotz in diesem Jahr. Denn noch vor seiner Hochzeit ist der gebürtige Oschersleber Mitglied der Wulferstedter Feuerwehr geworden, feiert also quasi auch mit ihr in diesem Jahr so etwas wie eine eiserne Hochzeit. Denn Lotz gehört nach wie vor der Wehr an und ist mit seinen nunmehr 65 Mitgliedsjahren auch der dienstälteste Wulferstedter Feuerwehrmann.

Was für das bevorstehende Wochenende nicht ohne Bedeutung ist. Denn am Freitag und Sonnabend begeht die Wulferstedter Feuerwehr ihr 120-jähriges Bestehen. Für Wilhelm Lotz ein wichtiges Ereignis. "Ich freue mich sehr auf dieses Jubiläumsfest", sagt der heute 88-Jährige, der ja nicht nur seit 65 Jahren die Wulferstedter Feuerwehruniform trägt, sondern auch 25 Jahre davon der Chef, also der Wehrleiter war. Von 1955 bis 1980.

Eine Zeit, an die sich Wilhelm Lotz gern erinnert. Danach gefragt, erzählt er von Einsätzen, die er damals mit seinen Leuten absolviert hat. Manchmal sei es weniger spektakulär gewesen, was zu erledigen war. "Mitunter waren es aber auch Brände oder andere Unglücke mit sehr tragischen Umständen und Folgen, die gemeistert werden mussten." Der schlimmste Einsatz sei der am 11. Februar 1959 gewesen. Weil er nicht in die LPG wollte, hatte der Landwirt Ernst Schmidt zuerst seine Frau getötet, dann seine Scheune in Brand gesteckt und schließlich sich selbst erschossen. "Und dass an dem Tag zehn Grad Frost waren, hat das alles noch sehr erschwert", wie Lotz sagt. Der im Übrigen in seiner aktiven Zeit für kleinere Einsätze immer eine einsatzbereite Kübelspritze zu Hause hatte. "Wenn mir beispielsweise jemand einen Schornsteinbrand gemeldet hat, dann war ich mit meiner Kübelspritze schneller vor Ort als wenn ich erst die ganze Wehr alarmiert hätte."

Wenn Wilhelm Lotz auf diese Zeit zurückblickt, erinnert sich der Oberbrandmeister aber auch sehr gern an die Kameradschaft, an das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Einsatzbereitschaft, womit sich die Wulferstedter Feuerwehr immer ausgezeichnet habe. "Wir haben in den 70er Jahren beispielsweise in Eigeninitiative das alte Feuerwehrgerätehaus abgerissen und ein neues gebaut. Was etwa ein Jahr gedauert hat", sagt Lotz, der aber auch gern über den geselligen Teil des Feuerwehrlebens spricht und sich mit Freude daran erinnert.

Und was ist mit den heutigen Mitgliedern und der Leitung der Wulferstedter Feuerwehr? "Das sind ganz tolle Leute, die machen das mindestens genauso gut wie wir damals", lobt Wilhelm Lotz den 2014er Wehrleiter Mathias Dippe und dessen Mitstreiter. "Nicht zuletzt bin ich stolz auf die sehr gute Nachwuchsarbeit und die vielen jungen Leute, die dabei sind."

Gearbeitet hat Wilhelm Lotz bis zum Rentenalter in der Landwirtschaft. Weshalb er zum Einen bis heute großes Interesse für Pferde hat und sehr gern Hengstparaden besucht. Und weshalb er zum Anderen nach wie vor der Natur sehr verbunden und so gut wie jeden Nachmittag mit dem Fahrrad oder zu Fuß im Großen Bruch unterwegs ist.

Am Sonnabend jedoch wird dieser Spaziergang ausfallen. Denn nach der Festveranstaltung am Freitagabend, wird ja am Sonnabend das 120-jährige Feuerwehr-Bestehen unter anderem mit einem großen Festumzug und weiteren Programmpunkten fortgesetzt. "Und das alles möchte ich mir natürlich nicht entgehen lassen", sagt Wilhelm Lotz.