Hötensleben l An die Opfer und Folgen der Zwangsaussiedlungen aus dem DDR-Sperrgebiet hat die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt am Montag mit einer Gedenkveranstaltung am original erhaltenen Mauerstreifen in Hötensleben erinnert. Auf den Tag genau 62 Jahre nach der Absegnung von "Aktion Ungeziefer" legten Bürger, Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD), Vertreter der Stiftung sowie Kommunalpolitiker aus Ost und West Kränze am Grenzdenkmal nieder.

In Ansprachen wurde verdeutlicht, wie menschenunwürdig das Vorgehen des Regimes seinerzeit war: Auf Verordnung des Ministerrates der DDR am 26. Mai 1952 wurden Zwangsumsiedlungen vermeintlich unzuverlässiger Staatsbürger vorgenommen. Tausende von Menschen im Grenzgebiet waren von heute auf morgen davon betroffen, mussten Haus und Hof verlassen, Familien wurden getrennt, Ortschaften durch die Zwangsaussiedlung entvölkert.

"Mich bewegt es immer wieder, wenn ich an dieses besondere Denkmal kommen kann", sagte Dorgerloh, "hier kann man wie an keinem anderen Ort nachvollziehen, wie das Leben im Schatten der Mauer war." Helmstedts Bürgermeister Wittich Schobert konnte aus eigener Familie berichten, wie es ist, wenn man nicht einmal seinen Geburtsort besuchen kann: "Meine Großmutter wurde in Hötensleben geboren, ging nach Helmstedt und sah Jahrzehnte ihr Heimatdorf nicht wieder", sagte er wenige Meter von der Mauer entfernt, "und das sind Schicksale, die uns entlang der Grenze vielfältig begegnen." Wittich fügte an, dass es zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November in Helmstedt eine gemeinsame Feierstunde der Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt geben werde.