Beim traditionellen Fackelumzug zum Kindertag war Sonntagabend fast ganz Remkersleben buchstäblich mit Kind und Kegel auf den Beinen. Mit Musik von der Groß Rodensleber Kapelle zogen rund 130 Besucher durch den Ort. Gesichert und begleitet wurde der Tross von der Polizei, der Feuerwehr und den jüngsten Brandschützern - der achtköpfigen "Löschbande".

Remkersleben l Mit einem Festumzug Sonntagabend haben die Remkersleber den Kindertag gekrönt und ihre Jüngsten gefeiert. Bei herrlichem Wetter ging es für die rund 130 kleinen und großen Bewohner in einer großen "Acht" um den Turm der St.-Michaelskirche.

Traditionell vorneweg lief der Spielmannszug aus Groß Rodensleben. "Im vergangenen Jahr hatte uns ein Wolkenbruch einen Strich durch die Umzugsroute gemacht und den Marsch kürzer ausfallen lassen als geplant", erinnert sich Ortswehrleiter Andreas Uhde. In diesem Jahr blieben die Instrumente der Spielmänner glücklicherweise vom Regen verschont.

"Wasser Marsch" hieß es lediglich an der Kübelspritze, mit der die acht "Löschhamster" der Kinderfeuerwehr zur Feier des Tages noch vor dem Festumzug an einer am Gerätehaus aufgebauten Ziellöschstation hatten spielen dürfen.

Pünktlich zum Fackelumzug trugen sie geschlossen ihre brandneuen Uniformen auf. Die blauen Reflektoren-Anzüge hatte die Nachwuchstruppe bereits als Weihnachtsgeschenk vom Förderverein der Wehr unter den Tannenbaum gelegt bekommen. Insgesamt wurden in die Bekleidung mehrere hundert Euro investiert. "Die Stadt hat uns signalisiert, einen Teil der Anschaffungskosten übernehmen zu wollen", merkt der Ortswehrleiter an. Die Remkersleber Kinderfeuerwehr ist neben der Hohendodeleber und Dreileber bereits die dritte in der Stadt Wanzleben - Börde. Die "Löschbande" hatte sich 2013 beim Kinderfest in Meyendorf gegründet. In diesem Jahr wolle der Förderverein, was die Planung des Familienfestes am Meyendorfer Teich betrifft, eine kleine Pause einlegen, hieß es. Allerdings soll es demnächst noch einen Tag der offenen Gerätehaustür in Remkersleben geben, kündigt Uhde an. "Der Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben.

"Schick in Schale" präsentierten sich jedenfalls schon jetzt beim Umzug die kleinen Brandschützer mit ihren beiden Betreuerinnen Anika Wipper und Doreen Lauenroth hinter ihrem Wehrleiter und Noch-Ortsbürgermeister Horst Flügel. Denn erst mit der konstituierenden Ortschaftratssitzung werden die neugewählten Gemeinderäte aus ihren eigenen Reihen einen neuen Ortschef bestimmen. "Und die kann es erst nach der Stadtratssitzung am 3. Juli geben", hatte Wahlleiterin Cornelia Franz in der vergangenen Woche nach der Bestätigung der sieben Remkersleber Kandidaten, die in den Ortschaftsrat gewählt worden waren, erklärt. Die Remkersleber hatten von allen Ortschaften der Einheitsgemeinde mit 52,50 Prozent die höchste Wahlbeteiligung an den Kommunalwahl-Tag gelegt.

Jenes hohe Interesse am Wohl der Gemeinschaft zeigt sich auch mit der Traditionspflege zum Kindertag, "und dem Brauchtum, gemeinsam die Seesemmeln zu verteilen", fügt die ehemalige Lehrerin Lisa Gebhardt hinzu. Die 76-Jährige erinnert sich, dass die Umzugidee erstmals wieder 1990 Anklang fand. Alljährlich verteilt sie mit einigen Kindern, die dabei Trachten und Brotkiepen tragen, die mit Rosinen gespickten Seesemmeln.

Die Geschichte des süßen Backwerks ist übrigens auch in der Remkersleber Chronik nachzulesen: Mitte des 19. Jahrhunderts habe Pfarrer Moritz Korn, der auch die Remkersleber Kirche bauen ließ, die vernässten Wiesen Richtung Bergen durch ein Netz aus Gräben trockenlegen lassen, um es für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Er habe in Folge dessen aber auch verfügt, dass die Bauern Geld an die Schule abgeben mussten. Davon wurden den Kindern jene länglichen Semmeln gebacken.

Lisa Gebhardt ist es zu verdanken, dass dieser süße Brauch wiederbelebt wurde und so nun schon seit mehr als zwanzig Jahren als ein Höhepunkt im kulturellen Leben des Ortes Einzug hält.

   

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