Die Oschersleberin Doris Wilke arbeiten seit 13 Jahren als ehrenamtliche Beraterin beim Weissen Ring. Vielen Opfern hat sie dabei geholfen, wieder Fuß zu fassen.

Oschersleben l "Tätern wird oft mehr geholfen als den Opfern. Die Betroffenen wollen wir seelisch wieder aufrichten und zu ihrem Recht verhelfen", sagt Doris Wilke über ihre Arbeit beim Weissen Ring. Seit 13 Jahren engagiert sie sich in der Beratungsorganisation und nennt als einen Grund dafür die Ungerechtigkeit, die vielen Geschädigten widerfahren sei.

"Dabei haben zwei ganz wichtige Grundsätze die oberste Priorität: Anonymität und absolute Diskretion", betont die Beraterin und ergänzt: "Das sind unsere obersten Pflichten, denn viele kommen zu uns, die eine sehr große Scham mitbringen." Das liege auf der Hand, wenn sie erfahre, was die Opfer durchgemacht hätten. So berichtet Doris Wilke von häus- licher Gewalt, Mobbing oder gar Kindesmissbrauch - viele Geschädigte habe sie schon beraten. Ein aktueller Fall handelt von einer Frau, die durch ihren Ehemann Opfer von häuslicher Gewalt und öffentlichem Mobbing wurde. "Ich habe zur Anzeige geraten und der Frau geholfen, aus der gemein- samen Wohnung auszuziehen", sagt Wilke. Damit habe sie der Gerschädigten Hilfe für einen Neuanfang ermöglicht.

In einem zweiten Fall sei eine Frau von einem Verwandten auf der Straße geschlagen worden. Seitdem werde sie ständig von dem Mann belästigt. "Die Frau hat Angst, auf die Straße zu gehen. Neulich haben wir gemeinsam eine Anzeige bei der Polizei erstattet", erzählt die Beraterin weiter.

Außerdem berichtet Doris Wilke von einem Jugend- lichen, der in der Schule nicht nur gemobbt werde. "Ihm ist durch Mitschüler sein Handy und immer wieder Geld erpresst worden", sagt sie. Oft gingen ihr die Fälle sehr nahe und sie habe lernen müssen, ihre Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen.

Bis ein Opfer das erste Mal einem Berater des Weissen Rings gegenübersitzt, muss es zuerst die Notrufnummer der Organisation gewählt haben. Die Zentrale vermittele dann an einen ehrenamtlichen Mitarbeiter ganz in der Nähe. "Zurzeit sind sieben Ehrenamtliche im gesamten Landkreis unterwegs, vom Polizisten über Klempner bis hin zu Verkäuferinnen", beschreibt Wilke. Nach der Kontaktaufnahme werde ein Treffen an einem Ort vereinbart, den das Opfer bestimmt. Das könne bei ihm zu Hause sein oder ganz zentral und neutral wie ein Café. "Die meisten wollen, dass ihnen jemand zuhört und Hilfestellung gibt, wie weiter zu verfahren ist. Nicht nur bei der Erstattung von Anzeigen unterstütze ich. Gern bin ich auch bei Behördengängen dabei oder gebe Beistand im Gerichtssaal", beschreibt Doris Wilke ihre Arbeit.

"Doch wir helfen nicht nur, wenn es sozusagen schon zu spät ist", betont die Ehrenamtliche. In gemeinsamen Aktionen mit der Sportjugend wolle ihre Organisation auch präventiv an den Nachwuchs herantreten. Unter dem Motto "Kinder stark machen!" sollen Heranwachsende während gemeinsamer Veranstaltungen die Gelegenheit bekommen, sich auszutoben und sich über Themen wie Gewalt, Diebstahl, Drogenmissbrauch und Mobbing zu informieren.

Der Weisse Ring bietet eine kostenlose Opfer-Notruf-Nummer: 116 006