Im Zuge des im Wanzleber Rathaus andauernden Baumarathons musste auch das historische Archiv aus- und umziehen. Vom Dachboden wanderte das Gedächtnis der Stadt in die Goethestraße. In der Immobilie, in der bis vor kurzem noch die Kommunale Sanierungsgesellschaft saß, hat es nun seinen neuen Stammplatz gefunden.

Wanzleben l Das historische Stadtarchiv, sozusagen das Gedächtnis eines jeden Ortes, musste jetzt im Zuge der andauernden Bauarbeiten vom Rathausdachboden in die Goethestraße umziehen. "Eine Firma hat es Ende März binnen 14 Tagen 1:1 umgesetzt", berichtet Bauamtsleiter Olaf Küpper. In jener städtischen Immobilie, in der jahrelang die Kommunale Sanierungsgesellschaft (KSG) bis zu ihrer Auflösung im Januar ihren Sitz hatte, ist nun das Archiv zu finden. "Der Umzug in diese Räume ist als langfristige Lösung gedacht", erklärt Hauptamtsleiterin Dr. Martina Neshau.

Auf die jüngst im Stadtrat gestellte Frage, wie das Archiv am neuen Standort denn gesichert sei, hatte die Amtsleiterin geantwortet, dass sämtliche Vorkehrungen bereits getroffen worden seien. Welche Sicherungskonzepte hier allerdings genau greifen, wollte sie aus taktischen und damit nachvollziehbaren Gründen nicht näher erläutern.

Wer übrigens Einsicht in die Dokumente und Unterlagen der Gemeinden nehmen wolle, müsse das nach wie vor vorab bei der Verwaltung anmelden.

Umzugspläne für das Archiv waren zuletzt vor vier Jahren laut und auch gleich wieder verworfen geworden. Die Diskussion war Anfang 2010 schnell wieder vom Tisch. Damals hatte sich auch Bauamtsleiter Olaf Küpper noch für den Verbleib der Dokumente am historischen Standort ausgesprochen: "Das Archiv kann unterhalb des Rathausdaches bestehen bleiben. Unter dem Archivraum befindet sich ein belastbares Gewölbe, so dass es hier keine statischen Probleme gibt."

Für die alten Unterlagen, wie beispielsweise Einwohnerverzeichnisse aus den Jahren 1797 bis 1871 (sogenannte Seelenlisten), Karten und Bauakten sowie Kämmerrechnungen, die jährlichen Abrechnungen des Finanzwesens der Stadt Wanzleben (die älteste stammt hier aus dem Jahr 1646), sei der Raum mit seinen Lehmwänden ein geeigneter Lagerort, lautet damals ein weiteres Pro-Standort-Argument.

Erst mit der späteren Sanierung des Rathausturms kam es zur Planänderung. Mit der Untersuchung der Holzbalken war eine wahre bis heute andauernde Baustellenodyssee losgetreten worden.

"Aktuell müssen im Obergeschoss der Rathausdecke Proben genommen werden, um hier die Holzbalken auf holzzerstörende Pilze und Insekten, als Folge von eventuellen Nässeschäden, zu untersuchen", erklärt der Bauamtsleiter den Stand der Dinge. Die Vergabe des Bauauftrages steht auf der Tagesordnung der nächsten Bauausschusssitzung am 17. Juni. Das Vorhaben wird durch das Stadtumbau Ost-Programm gefördert, fügt Bauamtsmitarbeiterin Ines Darius hinzu. Für das Bauprojekt müsse das Rathaus erneut eingerüstet werden. Der Startschuss ist für Anfang Juli geplant. Bei dem bis Anfang August anvisierten Bauabschnitts müsse auch das besagte Gewölbe, einer der wohl ältesten Teile des Rathauses, mit der Öffnung der Holzbalkendecke, unter die Lupe genommen werden. "Um hierfür Baufreiheit zu schaffen, musste der Archivraum, der sich über dem Gewölbe befand, vorab komplett geräumt werden. Der Umzug war damit unausweichlich", erklärt Olaf Küpper. Ein Ende des Baumarathons im Wahrzeichen der Sarrestadt ist noch nicht in Sicht.

Seit dem Gutachter 2012 bei der Untersuchung des im Turm eingebauten Holzes eine Kontamination mit einem gesundheitsgefährdenden Holz- und Brandschutzmittel festgestellt hatten, bleibt auch das im Obergeschoss eingerichtete Trauzimmer versiegelt. Heiratswillige Paare können sich aber im Rathauskeller trauen lassen. Über die neue Archivplatzwahl in der Goethestraße zeigte sich Hauptamtsleiterin Dr. Martina Neshau zufrieden. "In den neuen Räumen ist eine ordentliche Archivierung möglich."

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