Vor 125 Jahren ist in Wulferstedt mit dem Bau einer "Kleinkinderschule" begonnen worden. Als Nachfolger feiert nun in diesem Jahr die heutige Kindertagesstätte "Spatzennest" dieses Jubiläum. Höhepunkt ist am Sonnabend ein Sommerfest, zu dem alle Dorfbewohner eingeladen sind und das um 14.30 Uhr beginnt.

Wulferstedt l In diesen Tagen wird in der Wulferstedter Kindertagesstätte "Spatzennest" viel gebastelt, gemalt, geprobt und aufgeräumt. Denn die 54 Mädchen und Jungen sowie ihre sechs Erzieherinnen erwarten am Sonnabend Gäste. Viele Gäste. Mit denen sie unter dem Motto "Im Wilden Westen" ein großes Sommerfest feiern und denen sie unter anderen eine festliche Dekoration, ein Programm und viele Spiel- und Unterhaltungsmöglichkeiten zum Wildwest-Thema bieten möchten.

"Zu diesem Fest sind alle kleinen und großen Dorfbewohner ganz herzlich eingeladen", sagt Tagesstätten-Leiterin Sylvia Lücht. Es ist nämlich nicht einfach nur ein Sommerfest, wie es in jedem Jahr gefeiert wird. Vielmehr ist es der Höhepunkt einer Reihe von Veranstaltungen, die die Kindertagesstätte im Laufe dieses Jahres anlässlich ihres 125-jährigen Bestehens feiert.

Denn es war im Jahr 1889, als im Gartenweg mit dem Bau einer Kleinkindschule begonnen worden ist. Der verstorbene Amtsvorsteher Heinrich Dettmer hatte testamentarisch verfügt, dass 6000 Reichsmark seines Vermögens für den Bau solch einer Kleinkinderschule verwendet werden. Den Grund und Boden im Gartenweg 158 hatte die Gemeinde zur Verfügung gestellt. Gebaut wurde 1889 und 1890, eröffnet am 27. Oktober 1890.

Die ersten Kinder, die dort betreut worden sind, waren drei bis sechs Jahre alt. Später kamen auch jüngere und etwas ältere hinzu. "Im Grunde war es dann so, wie es auch heute ist. Denn auch heute haben wir in unserer Tagesstätte wieder Mädchen und Jungen im Krippen-, im Kindergarten- und im Hortalter", wie Sylvia Lücht sagt.

Bis 1999, also fast 110 Jahre, sind die Wulferstedter Kinder in diesem Haus in der Gartenstraße 158 betreut worden. Doch als 1999 die Grundschule in Wulferstedt geschlossen worden ist, hat die Gemeinde das Schulgebäude in der Grünen Straße 66 in eine Kindertagesstätte umgebaut. Das im Übrigen einst ein Bauernhof gewesen ist.

Und auf dem Gelände dieses früheren Bauernhofes und der heutigen Kindertagesstätte wird nun am Sonnabend gefeiert. "Um 14.30 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen, dann werden unsere Kinder ein Programm aufführen", kündigt die Tagesstättenleiterinn an. Im Laufe den weiteren Nachmittags wird unter anderem der Liedermacher Michael Günther mit dem Programm "Häuptling Locke sucht seinen Stamm" auftreten, steht bei einer Westernrallye unter anderem Lasso- oder auch Hufeisenwerfen auf dem Programm und wird ein Pony-Reiten angeboten.

Wobei es kein Zufall ist, dass sich dieses Sommerfest im Wilden Westen abspielt. Vielmehr soll damit an Agnes Brown erinnert werden, die 1890 genau aus diesem US-amerikanischen Wilden Westen nach Wulferstedt kam und hier die erste Betreuerin in der neuen Kleinkinderschule wurde.

Von ihr und von den ersten Jahren der Kleinkinderschule gibt es zwar keine Fotos, aber aus späteren Jahren der Einrichtung doch einige. Und die, sowie auch Fotos aus der jüngeren Zeit der Kindertagesstätte, sollten ursprünglich bereits bei diesem Sommerfest in einer Ausstellung gezeigt werden. Doch nicht zuletzt, weil Wulferstedter Bürger noch mit etlichen Fotos den vorhandenen Fundus vergrößert haben, "werden wir am 20. September der Bevölkerung in einer zusätzlichen 125-Jahr-Veranstaltung in Verbindung mit einem Tag der offenen Tür gleich zwei Fotoausstellungen präsentieren", wie Sylvia Lücht ankündigt. So werden an diesem Tag in der Wulferstedter Heimatstube Kindertagesstätten-Fotos aus früheren Jahren und in der Tagesstätte selbst Fotos jüngeren Datums zu sehen sein.

"Und zu diesem Tag der offenen laden wir dann auch ganz besonders alle ehemaligen Mitarbeiter der Wulferstedter Kindertagesstätte ein", sagt Sylvia Lücht. Die sich aber auch freuen würde, wenn diese Ehemaligen genauso wie alle anderen Einwohner aus Wulferstedt am Sonnabend zum Sommerfest kommen.