Bei rund 18 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchtigkeit von zirka 50 Prozent werden die historischen Schätze des Wanzleber Stadtarchivs an ihrem neuen Stammplatz aufgewahrt. Mit dem Umzug der Dokumente soll der Startschuss für die im Rathaus anstehenden Bauarbeiten Anfang Juli fallen.

Wanzleben l Mit dem groß angelegten Umzug des historischen Stadtarchivs vom Dachboden des Wanzleber Rathauses in das Goethestraßen-Gebäude, in dem bis 2013 noch die Kommunale Sanierungsgesellschaft saß, greift eine strenge Klimavorgabe. Um die historischen Dokumente und Bücher vor dem Verfall zu schützen und für nachfolgende Generationen zu erhalten, gelten bestimmte Vorschriften. "Die durchschnittliche Raumtemperatur muss bei 18 Grad liegen, und darf maximal zwischen plusminus zwei Grad schwanken. Die relative Luftfeuchtigkeit hat bei 50 Prozent zu liegen. Hier darf die Temperaturschwankung bei maximalen plusminus fünf Grad Celsius liegen", erklärt Stadtmitarbeiterin Ina Nohr.

Der einstige Archiv-Stammplatz unterm Rathausdach sei deshalb aufgrund seiner Lehmwände über die Jahre hinweg ein perfekter Lagerort gewesen. "Denn Lehmwände haben die Eigenschaft in einem Raum Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu regulieren. Ein weiterer Vorteil war, dass es unterm Dach keine Fenster und damit kein Licht gab", erklärt sie.

Der Aus- und Umzug des historischen Archivs war nötig geworden, weil im Rathaus Baufreiheit geschaffen werden muss. "Aktuell müssen im Obergeschoss der Rathausdecke Proben genommen werden, um hier die Holzbalken auf holzzerstörende Pilze und Insekten als Folge von eventuellen Nässeschäden zu untersuchen", erklärt Bauamtsleiter Olaf Küpper. Eine Firma hatte die Dokumente Ende März binnen 14 Tagen 1:1 umgesetzt, erklärt Stadtmitarbeiter Thomas Otto.

Wie viele Umzugskartons für das Verpacken der alten Unterlagen, wie beispielsweise Einwohnerverzeichnisse aus den Jahren 1797 bis 1871 (sogenannte Seelenlisten), Karten und Bauakten sowie Kämmerrechnungen, die jährlichen Abrechnungen des Finanzwesens der Stadt Wanzleben (die älteste stammt hier aus dem Jahr 1646) nötig waren, sei nicht dokumentiert worden. "Die Mitarbeiter haben die alten Bücher und Schriftstücke mit Samthandschuhen angefasst", merkt er an. Auch die alten Regale seien zur Lagerung mit umgezogen. Und zwar in jener städtische Immobilie, in der jahrelang die Kommunale Sanierungsgesellschaft (KSG) ihren Sitz hatte. Die KSG war mit ihrer Auflösung Anfang des Jahres bereits 2013 aus dem Objekt ausgezogen, erinnert sich Thomas Otto. Der Umzug, bei dem auch das mit der Gründung der Einheitsgemeinde vor vier Jahren im Rathaus eingerichtete Kommunalarchiv der Ortschaften, sowie sämtliche Kontoauszüge der Stadtkasse aus den vergangenen zehn Jahren mit in die neuen,alarmgesicherten Räume gezogen sind, ist als langfristige Lösung gedacht.

Als nächstes würden die Liegenschaftsunterlagen sowie das Archivmaterial bezüglich der Kindertagesstätten und Friedhöfe aus dem Verwaltungssitz Haus II in die Goethestraße folgen.

Was im Rathaus jedoch weiterhin als eigenes Archiv bleiben und geführt werden muss, sind sämtliche Geburten-, Ehe- und Sterberegister. "Die ältesten Unterlagen gehen bis ins Jahr 1874 zurück. Bis dahin hatten darüber immer nur die Kirchen Buch geführt", erklärt Standesbeamtin Jennifer Friedrichs den Ursprung. "Diese Listen müssen im Rathaus bleiben, weil wir sie für unsere tägliche Arbeit benötigen und sie stetig aktualisieren müssen", merkt sie an.

Der Startschuss für das auf dem Rathausdachboden geplante Sanierungsvorhaben soll Anfang Juli fallen.

Für das Bauprojekt müsse das Rathaus erneut eingerüstet werden, hieß es. Den entsprechendem Bauauftrag dazu hatte der Bauausschuss in der vergangenen Woche vergeben. Ein Ende des Baumarathons im Wahrzeichen der Sarrestadt ist noch nicht in Sicht.

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