Was im Jahre 1564 mit der Gründung einer Küsterschule für Jungen durch Andreas von Meyendorff begann, ist heute die Grundschule "Burg Ummendorf", in der rund 120 Kinder mehr als nur Rechnen, Schreiben und Lesen lernen. Das Leben vergangener Zeiten stand zum Schuljubiläum einmal mehr exponiert auf dem Stundenplan.

Ummendorf l "Ja, Fräulein Lehrerin" - "Nein, Fräulein Lehrerin" - "Entschuldigung, Fräulein Lehrerin" - so demütig distanziert geht es im Unterricht normalerweise nicht zu. Umso mehr haben Angelika Hamel als streng-konventionelle Lehrerin und ihre zu Anstand und Sitte ermahnten Zöglinge Gefallen an ihren Rollen gefunden. Es war halt eine außergewöhnliche Schulwoche mit aparter Aufmachung anlässlich des Jubiläums "450 Jahre Schulbildung in Ummendorf".

Im Wochenprojekt "Schule früher und heute" war die an eine heutzutage fast unvorstellbare Zeit angelehnte Unterrichtsstunde im historischen Klassenzimmer eine eigentümliche Erfahrung für beide Seiten. Antiquierte Rufnamen, abgegriffene Holzbänke, Schiefertafeln, Tintenfässer und dazu ein schicklich schlicht gekleidetes Lehrerfräulein, dem es weder an herrischem Befehls- ton mangelte noch dass es zimperlich vom Rohrstock Gebrauch machte.

"Da ich die älteste Lehrerin hier an der Schule bin, kam mir wohl nicht von ganz ungefähr die Rolle der strengen Sittenwächterin zu", erklärt Angelika Hamel mit einem Augenzwinkern. "Und es hatte schon was für sich, zumal die Kinder wunderbar mitgemacht haben." Für den Ablauf der alten Schulstunde hatte sich Hamel in überlieferten Lehrplänen und Schulordnungen informiert. "Einige Methoden habe ich auch noch selber kennengelernt, als ich 1961 eingeschult wurde."

Insgesamt hatten das Lehrerteam, Eltern und Projektpartner 14 verschiedene Angebote zwischen Burg, Dorphuus, Sporthaus und Heinemanns Hof stationiert, die von den Kindern an zwei Tagen durchlaufen wurden. Obendrein gab es die musikalische Zusammenkunft mit dem Blue-Lake-Jazz- ensemble und den bunten Umzug in altertümlichen Kostümen.

Jubiläumsexpress in hundertfacher Ausführung

So war die Grundschule letztlich Dreh- und Angelpunkt der Ummendorfer Jubiläumswoche. Schulleiterin Liane Helmecke meinte zwischendrin: "Eine absolut erlebnis- und lehrreiche Zusammenstellung verschiedenster Tätigkeiten, aber auch sehr, sehr anstrengend, daher vielen Dank an alle Helfer und Partner."

Besonders bemerkenswert sei die Holzwerkstatt mit Kunsttischler Andreas Julke gewesen. Dort entstand ein riesiger Jubiläumsexpress-Fuhrpark, denn Meister Andi hatte wohlweislich extra Bezug auf den feierlichen Anlass genommen und das Modellauto, das er als kleiner Junge vom Opa in dessen Werkstatt gebaut bekam, um einen Dachaufbau mit dem Schriftzug "450 Jahr Schule in Ummendorf erweitert. Jeder Schüler fertigte einen solchen rollenden Express an - mit Hobel, Handbohrer und Fuchsschwanz. Die Ergebnisse der Projektwoche sowie die im Vorfeld schon ausgefeilten Ausstellungen zur Schulgeschichte konnten am Sonnabend bestaunt werden - es war Tag der offenen Tür in der nun auch offiziell übergebenen durchsanierten Grundschule.

   

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