Um während der Arbeiten an der gesperrten L104 in Ottleben unter anderem die Tankstelle, einen Getränkeshop und einen Handwerksbetrieb zu erreichen, wurde eine Umleitungsstrecke hergerichtet. Die sorgt nun bei Anliegern für Ärger, weil ihrer Meinung nach zuviel Staub aufgewirbelt wird. Zusätzliche Beschilderungen wurden eingeleitet.

Ottleben l Eigentlich mag Sandra Pankow ja die warme Jahreszeit. Doch in diesem Jahr wünscht sie sich einen verregneten Sommer mit sehr viel Westwind. Der Grund für diesen eher sonderbaren Wunsch ist ein Umleitungsweg, der an ihrem Grundstück vorbeiführt. Und die Fahrzeuge, die diesen Weg nutzen, die würden ihrer Meinung nach viel zu viel Staub aufwirbeln, "der unsere Lebensqualität sehr beeinträchtigt", sagt Sandra Pankow. Und viel Regen würde da genauso Abhilfe schaffen wie Westwind, der den Staub von den Grundstücken wegtreiben würde.

Mit ihrer Meinung, dass durch diese Umleitungs- strecke, die aufgrund der gleich nach Pfingsten begonnenen Sanierungsarbeiten an der L104 eingerichtet worden ist, die Lebensqualität der Anlieger beeinträchtigt werde, steht Sandra Pankow nicht allein. Ihre Eltern Werner und Bärbel Miehe sind bei einem Ortstermin mit der Volksstimme genauso zur Stelle, wie Bärbel Lutter, Inge Heinath oder auch Rüdiger Schäckel. "Seitdem es diese Umleitung gibt, können wir beispielsweise nicht mehr draußen sitzen, keine Wäsche mehr aufhängen und müssen unsere Fenster rund um die Uhr fest verschließen", stimmen diese Anlieger überein. "Für meinen Sohn Julian ist es besonders schlimm, weil er unter einer chronischen Bronchitis leidet", sagt Sandra Pankow. Weshalb sie auch das Gesundheitsamt eingeschaltet habe, jedoch ohne Erfolg.

"Als ich davon gehört habe, dass hier für die Zeit der Bauarbeiten solch ein Umleitungsweg neben unserem Grundstück eingerichtet wird, habe ich das durchaus verstanden."

Ein solcher Erfolg wäre in den Augen der Anlieger beispielsweise, wenn dieser Umleitungsweg regelmäßig bewässert wird. "Das ist uns auch zugesagt worden, als wir bei einer Bauberatung waren, um dort unsere Beanstandungen vorzutragen. Aber passiert ist bisher nichts", sagt Werner Miehe, der nie und nimmer damit gerechnet hatte, dass ihn diese Umleitung so ärgern werde. "Als ich davon gehört habe, dass hier für die Zeit der Bauarbeiten solch ein Umleitungsweg neben unserem Grundstück eingerichtet wird, habe ich das durchaus verstanden. Denn natürlich müssen zum Beispiel die Tankstelle oder der Getränkestützpunkt erreicht werden", sagt Miehe. Der auch noch guter Dinge war, als kurz vor Beginn der Arbeiten an der L104 der besagte Weg, auf dem einst die Schienen der 1969 stillgelegten Bahn- strecke Oschersleben-Hötensleben gelegen haben, hergerichtet, also die grüne Oberfläche nebst Muttererde abgetragen und Schotter aufgeschüttet wurde. "Als dann aber die ersten Autos den Weg genutzt haben, war auf unserem Grundstück sofort alles voller Staub und Dreck", so Werner Miehe. Zumal dieser Weg längst nicht nur von Fahrzeugen genutzt werde, die zur Tankstelle oder zum Getränkeshop wollen. "Ich habe mal innerhalb von zwei Stunden 167 Fahrzeuge gezählt", sagt Miehe, die laut Kennzeichen aus zahlreichen Landkreisen kommen und den Weg mitunter nutzen würden, um nicht die weiträumige Baustellen-Umleitungsstrecke fahren zu müssen.

Und so werde regelmäßig Staub aufgewirbelt, in dem sich nach Meinung von Sandra Pankow auch Kalk befinden würde. Denn sie ist sich sicher, dass mit dem Schotter auch Kalk auf den Weg geschüttet worden ist, der nun auf die Grundstücke fliegt und bei den Anliegern auch gesundheitliche Schäden anrichten würde.

"Es wurde mit Hartgestein und Frostschutz B2 ein vom Land für solche Zwecke zertifiziertes Material genutzt", reagiert Dietmar Schmidt auf die Vorwürfe der Anlieger. Auslebens Bürgermeister teilt aber auch mit, dass der Weg gewässert werde, wenn es nötig sei. Doch seitdem die Anlieger bei der Bauberatung ihre Beschwerden geäußert haben, sei es aufgrund der feuchten Witterung nicht nötig gewesen. Zudem habe er veranlasst, dass dieser Tage weitere Verkehrsschilder aufgestellt werden. Zum einen Schilder, die ganz offiziell den Durchgangsverkehr verbieten, so dass nun auch die Polizei die Kraftfahrer belangen könne, die diesen Weg als reine Umleitungstrecke nutzen. Und außerdem werde per neuer Beschilderung die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometer auf 10 Stundenkilometer verringert.

Die Arbeiten an der L104 werden voraussichtlich bis Dezember dauern.

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