Nach 49 Dienstjahren muss sich Pfarrer Peter Telschow endgültig in den Ruhestand verabschieden. Die St.-Aegidie-Gemeinde bereitete dem 72-Jährigen, der mit seiner Frau Christel in den vergangenen 29 Jahren das Gemeindeleben sowohl in Klein Germersleben als auch in Bottmersdorf maßgeblich mitgestaltet hatte, im Rahmen des Sommerfestes einen emotionalen Abschied.

KleinGermersleben l Es war ein tränenreicher und bewegender Abschied voller Emotionen, Erinnerungen und Worten des Dankes und der Wertschätzung. Das Pfarrerehepaar Christel und Peter Telschow ist am Sonnabend im feierlichen Rahmen des 9. Sommerfestes der Klein Germersleber Gemeinde in den Ruhestand verabschiedet worden.

Nach 49 Jahren im Dienste der Kirche muss sich der 72-jährige Pastor, der hier mit seiner Familie in den vergangenen knapp drei Jahrzehnten das Gemeindeleben entscheidend mitgeprägt hat, laut Stellenplan Ende August endgültig zur Ruhe setzen.

2007 war der damals 65-Jährige in Wanzleben als Superintendent pensioniert worden. Den Klein Germerslebern und Bottmersdorfern blieb er aber weiterhin als Pfarrer erhalten. "Wir wären gerne noch geblieben", versicherte der Pfarrer seinen Gemeindemitgliedern, "aber ich akzeptiere die Entscheidung. Es ist ein Abschied von einem Lebensabschnitt, den ich nicht missen möchte. Es war schön mit ihnen."

Peter Telschow wird die Gemeinde (Klein Germersleben mit knapp 70, Bottmersdorf zählt doppelt so viele Mitglieder) am 31. August an seinen Nachfolger Pfarrer Theo Spielmann aus Hadmersleben abgeben.

Zum Abschied hat ihm die Gemeinde ein Denkmal gesetzt. In der Sakristei der St.-Aegidie-Kirche enthüllten die Gemeindekirchenräte Dieter Quabs und Werner Arndt sichtlich gerührt eine für ihn gravierte Namensplatte.

Zuvor hatte der Klein Germersleber Heimatverein den Eheleuten bereits die Ehrenmitgliedschaft verliehen. René Gehre vom Vorstand: "Danke für das Miteinander, Danke für das Gefühl der Zugehörigkeit. Wir hoffen, dass sie uns auch künftig oft besuchen kommen, um sich gemeinsam mit uns, an all das in und rund um die Kirche Geleistete, zu erinnern."

Auch Sachsen-Anhalts ehemaliger Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) nutzte die Feierstunde, um den Eheleuten seinen Dank auszusprechen. "Angefangen für die Montagsdemonstrationen, die sie 1989 in Wanzleben organisiert haben", sagte der Landesminister a.D.. "In der ,Osteuropahilfe` haben sie sich auch verdient gemacht, in dem sie Kinder aus der weißrussischen Region Lojew bei Tschernobyl in den Sommerferien für drei Wochen in den Gemeinden bei Gastfamilien untergebracht haben, damit sie eine unbeschwerte Zeit verbringen konnten. Sie haben immer ein offenes Ohr sowie eine offene Tür für andere. Sie gestalten das Leben in der Kirche, in der Gesellschaft und im politischen Sinne mit viel Engagement und Herzblut mit. Dafür mein herzlicher Dank."

Im Jahre 1985 hatten Christel und Peter Telschow, die seit 1965 verheiratet und Eltern von drei Söhnen sowie Großeltern von sieben Enkeln sind, ihren Dienst im Kirchspiel Bottmersdorf/Klein Germersleben angetreten.

Kirche im neuen Glanz

Zu diesem Zeitpunkt sei der bauliche Zustand des Bottmersdorfer Gotteshauses als äußerst sanierungsbedürftig und die Klein Germersleber Kirche als nicht sanierungsfähig eingestuft worden, erinnert sich der 72-Jährige an die Anfänge zurück. "St.-Aegidie war damals dem Verfall preisgegeben. Deshalb gilt mein Dank all denjenigen, die in all den Jahren mitgeholfen haben, die Kirchen im neuen Glanz erstrahlen zu lassen."

Katja Becker vom Gemeindekirchenrat: "Mit viel Fleiß hat Familie Telschow das Kirchspiel wieder zum Leben erweckt. Wir wissen, was wir ihnen zu verdanken haben."

Bereits im Jahr des Dienstantritts sei das Gemeindeleben mit den ersten Arbeiten an den Kirchen, regelmäßigen Gottesdiensten, Chorproben und Flötenkreis-Treffen, Altennachmittagen und Jugendarbeit wieder neu aktiviert worden.

Denn auch Christel Telschow (68) hatte nach ihrem offiziellen Ausscheiden aus dem Arbeitsleben weiterhin ehrenamtlich den erweiterten Kantorendienst, wie die musikalische Umrahmung der Gottesdienste, Christkindlmärkte und Kirchenfeste, sowie die Leitung der Flötengruppe und des Chores inne. In Remkersleben zuhause, antwortet sie auf die Frage, wie ihr Ruhestand aussehen wird: "Freizeit werden wir auch dann nicht haben. Wir haben schließlich sieben Enkelkinder. Bei uns ist immer Leben in der Bude." Ruhe würde ihr Mann nur beim Angeln finden und haben, merkte die 68-Jährige lachend an.

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