Im August wird ein Buch über das einst größte Werk in Oschersleben erscheinen. René Scheer dokumentiert in seinem Werk "AGO-Flugzeugwerke - Vom Gitterrumpf zur Me 262" auf 312 Seiten die abwechslungsreiche Firmenhistorie.

Oschersleben l "Ich war schon immer an der Geschichte der AGO-Flugzeugwerke interessiert, schon allein weil unser Verlagsgebäude als Bestandteil der einstigen Werkssiedlung entstanden ist", sagt der Oschersleber Verleger Harald Ziethen. Früher sei er noch davon ausgegangen, AGO wäre ein eher kleiner Betrieb gewesen und hätte mit wenigen Mitarbeitern eine vergleichsweise geringe Anzahl von Flugzeugen gebaut. Doch als die Arbeiten zu diesem Buch begannen, habe sich ein ganz anderes Bild herauskristallisiert.

So sei vor etwa eineinhalb Jahren der Berufsschullehrer René Scheer an ihn herangetreten. "Der ist ein regelrechter AGO-Fanatiker", meint Ziethen. Seit der Gründung einer Arbeitsgruppe in den 1990er Jahren habe er alles zu diesem Thema gesammelt. Bis er sich mit einem Manuskript im Verlag gemeldet habe. "Damit stieß er bei uns auf offene Ohren", sagt der Verlags-Chef. Die Zusammenarbeit lobt Ziethen als angenehm und völlig problemlos. Denn Scheer habe äußerst gründlich recherchiert. Nicht nur Daten und Fakten habe er gesammelt, sondern auch Dokumente, Schriftstücke und Bildmaterial aus der ganzen Welt. Entstanden sei die erste komplexe Dokumentation zur Firmengeschichte.

Im Jahr 1910, also vier Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, sind die Flugzeugwerke, die später als Aktiengesellschaft Gustav Otto (AGO) berühmt wurden, in München gegründet worden. Sie haben jedoch die Kriegsniederlage Deutschlands nicht überlebt. Erst mit der Machtübername der Nazis ist AGO im Jahr 1934 unter dem Tarnnamen Apparatebau GmbH Oschersleben neu gegründet worden. Die Werke hatten im Laufe kurzer Zeit riesige Ausmaße angenommen. "Von der Schermcker Straße reichten sie bis nach Andersleben", betont Ziethen.

Mit dem Kriegsende 1945 wurde die Produktion eingestellt und die Firma 1950 aufgelöst. "Alle weiteren Betriebe wie beispielsweise das Pumpenwerk hätte es ohne AGO wohl nicht gegeben, Infrastruktur und Fachkräfte kamen zumeist aus den Flugzeugwerken", sagt der Verlagschef.

Im Buch zu sehen sind alle einst hier konstruierten und gebauten Flugzeugmodelle sowohl für die Passagierluftfahrt als auch Kriegsflugzeuge. "AGO baute anfangs eigene Modelle. Kurz vor Kriegsbeginn entstanden hier Lizenzbauten von Messerschmitt oder Heinkel", weiß der Verleger. Auch alle Außenstellen von Hadmersleben über Bayern bin nach Frankreich sind verzeichnet. Viele interessante Menschen werden näher beschrieben, vor allem Konstrukteure und Einflieger. Auch Fotos von Bombenangriffen auf die Stadt, die den AGO-Werken galten, sind abgebildet.

Das Buch soll ab dem 18. August, also genau 80 Jahre nach der AGO-Gründung, im Handel erhältlich sein. "Das Interesse ist schon jetzt riesengroß. Es liegen bereits Bestellungen aus Österreich, Italien und Portugal vor", freut sich Harald Ziethen.

Die Buchpremiere am 17. August im Autohaus Schubert beginnt um 16 Uhr. Das Buch ist ab dem 18. August im Handel.

 

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