Vier Schädlingsbekämpfer sitzen seit Freitag in der Klein Wanzleber Kirche dem gemeinen Holzwurm im Nacken. Mit einem Gas wird auch das hölzerne Wohnzimmer des Hausbocks behandelt. Die Kirche investiert in die Larvenbekämpfung rund 14000 Euro.

KleinWanzleben l Ihre Zelte haben in der Klein Wanzleber St.-Johannis-Kirche seit Donnerstag Schädlingsbekämpfer aus Dresden aufgeschlagen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Im Kampf gegen den gemeinen Holzwurm hat das Experten-Quartett ein Folienzelt um den Altar aufgebaut.

In dieses versiegelte Konstrukt, das in seiner Form einem Gewächshaus ähnelt, strömt seit Freitag Gas - Sulfurylfluorid. Ein Mittel, das zur Bekämpfung von Holzschädlingen, wie dem gefräßigen Hausbock, der es sich ebenfalls schon in den Holzbalken der Empore des "Zuckerdoms" gemütlich gemacht hat, eingesetzt wird.

"Nachdem wir am Donnerstag auch an unserem Altar sogenannte Fraßreste des Holzwurms gefunden haben, haben wir uns entschieden, auch das Holz gleich begasen zu lasen", erklärt Gemeindekirchenratsmitglied Knut Freese das Verfahren.

Dem Holzwurm als auch dem Hausbock den Garaus zu machen, kostet die Gemeinde rund 14000 Euro. Behandelt werden neben dem Altar-Schmuckstück auch die Orgelempore sowie die Original-Sitzbänke aus dem Jahr 1871.

"Jeder einzelne Holzwurm lässt sich pro Jahr eine Kaffeetasse voll Holz schmecken, und das bis zu acht Jahre lang"

Diplom-Ingenieur Marco Müller

"Über das Bauamt des Kirchenkreises haben wir die Gemeinden informiert, dass sie ihr von Holzschädlingen befallenes Inventar zur Begasung mit zu uns in die Kirche stellen können", erklärt Knut Freese gestern die zusammengewürfelte Ansammlung an Schränken und Figuren im Eingangsbereich. Neben einer alten Bibel, die in einen Holzumschlag gebunden ist, ist aus Hakeborn ebenfalls ein bereits vom Holzwurm bewohnter Altar angeliefert worden.

Bevor das Gas über dünne Schläuche kontrolliert in die durch Folien im Inneren der Kirche unterteilten und versiegelten Kammern eine Stunde lang strömt, stellen die Schädlingsbekämpfer ihre "Larven-Testbox" im "Altarzelt" auf. Denn an jenem Holzkasten, in dem sich zum Zeitpunkt des Einsetzens eine agile, hungrige Holzwurm-Larve befindet, kann Diplom-Ingenieur Marco Müller später erkennen, ob das ganze Manöver erfolgreich war. Bis Montag kontrolliert er das ganze Verfahren vor Ort. "Die Überwachung der Schädlingsbekämpfung ist das A und O. Die Gaswerte müssen stetig gemessen werden. Mit der Kontrolle entscheidet sich, ob wir nachgasen müssen", erklärt der gebürtige Oschersleber.

Die Spezialbehandlung für das Klein Wanzleber Gotteshaus war nötig geworden, weil die Larven des Holzwurms sowie der Hausbock hier seit Jahren ihr Unwesen treiben. "Allein das Holz der Kirchenbänke ist hier bestimmt die vergangenen 25 bis 30 Jahre nicht gegen holzfressende Schädlinge behandelt worden", schätzt Knut Freese.

Der Zuckerdorf-Zahnarzt, der fiesen Löchern allein schon von Berufswegen den Kampf angesagt hat, zeigte sich gestern in der Kirche über den Behandlungbeginn zufrieden. Die typischen Holzwurmschäden, stecknadelkopfgroße Löcher im Holz, gehen übrigens allein auf das Konto der Larven.

"Jede einzelne lässt sich pro Jahr eine Kaffeetasse voll Holz schmecken", schmückt Marco Müller die Schadensbilanz bildlich aus. Und das bis zu acht Jahre lang. Jeder Nagekäfer würde dann wiederum zwischen 30 und 40 Eier legen. "Das Gas durchdringt alle Hölzer. So erreichen wir alle Stadien des Insektes. Auch die Eier und die Larven."

Im Bördekreis haben die Schädlingsbekämpfer derzeit neben der Klein Wanzleber noch zwei weitere Kirchen in Folie gehüllt. Der "Holzwurm" führte Marco Müller und sein Team in dieser Woche bereits nach Oebisfelde und Walbeck.

Alle drei Gotteshäuser werden ab nächster Woche wieder freigegeben. "In Klein Wanzleben beginnen wir mit der Lüftung und dem Rückbau der Folienwände am Dienstag. Ab Mittwoch kann die Kirche wie gehabt genutzt werden. Das Gas hinterlässt keinerlei Rückstände", versichert Müller.

Eine seiner Prophylaxe-Empfehlung gegen einen erneuten Befall lautet: "Gemeinden sollten die Türen ihrer Kirchen immer geschlossen halten. Ab dem Frühjahr sind die Schädlinge besonders aktiv. Und: Sie können Holz förmlich riechen."

   

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