Nach 14 Jahren wird das Pfarrerehepaar Annette und Friedrich von Biela Oschersleben verlassen. Die Bodestadt war ihre erste Pfarrstelle, nun suchen sie eine neue Herausforderung in Salzwedel in der St.-Marien-Gemeinde.

Oschersleben l Annette und Friedrich von Biela sitzen auf gepackten Koffern oder besser Kisten. Schon seit einigen Wochen füllt sich Umzugskiste um Umzugskiste. In 14 Jahren hat sich eine Menge angesammelt, was ein- oder aussortiert werden möchte. Dennoch wird das Pfarrerehepaar erst einmal in den Urlaub düsen, ein erster Abschied von Oschersleben, auch um schon ein bisschen Abstand zu gewinnen.

Schon ab dem 1. September suchen von Bielas in Salzwedel eine neue Herausforderung. Offiziell werden sie am 31. August in "ihrer Heimstätte", in der Oschersleber Nicolai-Kirche, im Rahmen eines Gottesdienstes um 14 Uhr verabschiedet.

Nun ist es also 14 Jahre her, dass Annette und Friedrich von Biela im sogenannten Entsendungsdienst ihre erste Pfarrstelle nach dem Studium antraten. Mit ihnen kamen damals drei kleine Kinder nach Oschersleben. Freundlich und zuvorkommend seien sie im Jahr 2000 empfangen worden, die Kirchengemeinde war aufgeschlossen, wenn auch die Startbedingungen nicht ganz einfach waren.

Aber schon vor 14 Jahren haben die heute 44-Jährigen kein Geheimnis daraus gemacht, dass Oschersleben zwar ihre erste, aber gewiss nicht die letzte Pfarrstelle sein wird. "Zehn, zwölf Jahre wollten wir bleiben. Dass es nun 14 Jahre geworden sind, liegt sicher auch daran, dass es nicht so einfach war, das Passende für uns beide zu finden", erzählen die von Bielas.

Die Pfarrstelle nach einer gewissen Zeit zu wechseln, gehöre zu ihrem Berufsverständnis. Und doch, jetzt wo der Abschied immer näher rückt, sind sie schon traurig, denn an ihrer Arbeit in Oschersleben hängt viel Herzblut und vor allem Dinge, die sie in den vergangenen Jahren aufgebaut haben. Dazu gehört eine funktionierende Kirchengemeinde samt Gemeindekirchenrat, was den Start eines neuen Pfarrers erleichtern wird.

"Es fühlt sich schon ein wenig komisch an, all das zurückzulassen, vor allem aber die Menschen, die uns in all den vergangenen Jahren begleitet haben."

Friedrich von Biela

"Ich denke, wir können mit Fug und Recht behaupten, dass es uns gelungen ist, die Kirche zu `öffnen`, sie in das Leben der Stadt zu integrieren. Es fühlt sich schon ein wenig komisch an, all das zurückzulassen, vor allem aber die Menschen, die uns in all den vergangenen Jahren begleitet und unterstützt haben, mit denen wir uns auch eng verbunden fühlen", meint Friedrich von Biela.

Und er erzählt auch, dass sich das Ehepaar mit der neuen Pfarrstelle nicht unbedingt verbessern, aber eben sich verändern werde. Die neue Arbeit lassen sie erst einmal auf sich zukommen. Sie finden in Salzwedel eine lebendige Gemeindearbeit vor, dort werden sie "einsteigen".

Drei Jahre dauert der sogenannte Entsendungsdienst, mit dem auch für das Ehepaar von Biela die erste Anstellung im Sommer 2000 begann. In dieser Zeit haben sie sich die Pfarrstelle geteilt, zu der neben Oschersleben auch Hordorf und später Hornhausen gehörten. Pfarrer Friedrich von Biela ist seit elf Jahren zu 100 Prozent Pfarrer, denn seine Frau war in diesen Jahren Schulbeauftragte für den Religionsunterricht in Sachsen-Anhalt.

"Ich werde wohl als diejenige fehlen, die immer den Rasen gemäht hat."

Annette von Biela

"Ich organisierte den Unterricht und hatte auch die Fachaufsicht. Diese Arbeit bedeutete zugleich, dass ich viel unterwegs war. Doch einmal im Monat habe ich es mir nicht nehmen lassen, in unserer Kirchengemeinde einen Gottesdienst zu leiten", erzählt Annette von Biela, die ihrer "alten" Stelle mit einem weinenden und einem lachenden Auge "Tschüss" gesagt hat. Vor kurzem hat sie übrigens ihre letzte Klasse am Oschersleber Gymnasium im Fach Religion zum Abitur geführt. Auch wenn Annette von Biela in den vergangenen Jahren in Magdeburg gearbeitet hat, so hat sie sich dennoch ehrenamtlich in die Gemeindearbeit eingebracht, besondere Gottesdienste und Veranstaltungen mit organisiert. "Ich werde wohl auch als diejenige fehlen, die immer den Rasen gemäht hat. Das hat mir einfach Spaß gemacht und es war ein willkommener Ausgleich. Und am Ende sieht man, was man geleistet hat", erzählt Annette von Biela.

Aber was sie geleistet haben, sehen die von Bielas wohl auch am Wandel "ihrer" Heimatkirche" St. Nicolai. Einer Kirche, die schon aufgegeben war und sich heute im sanierten Kleid präsentiert. Gemeinsam mit dem Förderverein und dem Gemeindekirchenrat wurde zur Rettung der Marktkirche, deren Türme die Oschersleber Stadtsilhouette prägen, viel erreicht.

Heute ist St. Nicolai ein Ort der Kultur, ein Veranstaltungsort für die Stadt. Was beispielsweise durch die jährlichen feierlichen Zeugnisausgaben des Oschersleber Gymnasiums oder zahlreiche Konzerte bewiesen wird.

Neben den ideellen Werten, die das Pfarrerehepaar von Biela zurücklässt, bleibt auch ihr damaliges Willkommensgeschenk zurück - ein Apfelbaum. Ein stattlicher Baum ist es inzwischen geworden. Seine Früchte berichten auch symbolisch vom Werden und Wachsen eines jungen Pfarrerehepaares und der Oschersleber Kirchengemeinde.

Vermisst werden sie wohl ebenso als Leiter des ehrenamtlichen Notfallbegleitteams der Region Oschersleben, aber auch als kräftige Stimmen im Kirchenchor.

Und im Nachhinein betrachtet, ist es doch eine Menge, was Annette und Friedrich von Biela an Sichtbarem hinterlassen - bei weitem ist es nicht nur der gemähte Rasen.

Mit dem Weggang beginnt für die von Bielas auch in anderer Hinsicht ein neues Leben - ein Leben in Zweisamkeit. Die Kinder, nun 25, 20 und 16 Jahre alt, sind flügge geworden, werden "nur" noch Besucher sein.