Plangenau aufgerissen, herrscht mit der Ende vergangener Woche angemeldeten Insolvenz der Wanzleber Stadtwerke an der Boulevard-Baustelle Stillstand. In die Schächte sollten neue Fernwärmeleitungen verlegt werden. Verärgerte Anwohner fragen sich nun: Wann wird weitergebaut? Oder bleibt die Baustelle so liegen?

Wanzleben l Während mit der Ende Juli bekannt gewordenen Insolvenz der Wanzleber Stadtwerke der eingesetzte Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Lucas Flöther, bereits mehrfach versicherte, dass die Wärmeversorgung der Bevölkerung gesichert sei, hängt der Baufortschritt am jüngsten Fernwärme-Projekt derzeit völlig in der Luft.

Vor knapp drei Wochen waren hierfür in der Wanzleber City Teile der Schulpromenade und Schwanstraße aufgerissen worden, erinnern sich die Anwohner. Seither heißt es vor ihren Häusern: still ruht der See. Der Plan: Neue Fernwärme-Leitungen sollen in das Bodenlabyrinth, das sich hier quer über den Gehweg zieht, eingezogen werden.

Anwohner Hans-Joachim Bartsch aus der Schwanstraße befürchtet nun mit dem von ihm bereits vor mehr als einer Woche bemerkten Baustellen-Stopp, "dass die aufgerissenen Stellen in der Wanzleber City jetzt auf unbestimmte Zeit so offen liegen bleiben könnten."

Er fragt sich, wie es mit der beantragten Insolvenz der Stadtwerke nun an der Baustelle entlang der Gehwege weitergehen soll?

Die Volksstimme hakte beim Insolvenzverwalter nach, inwieweit das gestartete Bauvorhaben tatsächlich von der finanziellen Misere des Unternehmens betroffen sei.

"Die von den Stadtwerken in Auftrag gegebene Baustelle ist unmittelbar von der Insolvenz betroffen", erklärte der Anwalt am Freitag auf Nachfrage schriftlich. "Da die Stadtwerke als Schuldnerin aus rechtlichen Gründen derzeit keine weiteren Bauarbeiten in Auftrag geben kann, ist ungewiss, ob und wann hier weitergebaut wird", merkt er an. Die Gesamtkosten des Bauvorhabens sind seinen Angaben zufolge mit mindestens 25000 Euro kalkuliert worden.

"Es sollten an zwei Objekten Anschlüsse für die Fernwärmeversorgung gelegt werden", erklärt er den Grund für die Bauarbeiten.

Auf einen Anschluss muss hier nun auch die Wohnungsbaugesellschaft (Wobau), warten. Denn der für die Immobilie am Markt 11/12 Ecke Schwanstraße geschlossene Fernwärmevertrag hängt mit der Insolvenz der Stadtwerke und dem Trassen-Baustopp in der Schwebe.

Die Wobau hat hier Anfang Juni damit begonnen, ihre Immobilie aufwändig sanieren zu lassen. Das Bauende ist spätestens für Januar 2015 geplant. Statt vorher zehn sollen dann mit der Änderung der Wohnungszuschnitte jeweils drei Wohnungen im ersten und zweiten Obergeschoss vermietet werden. Die drei Parterre-Gewerbeeinheiten bleiben bestehen.

Mit der Modernisierung soll auch die Energieeffizienz des Hauses gesteigert werden. Das Objekt erhält ein neues Dach, eine neue Fassadendämmung sowie rundum neue Fenster. Zum Energiesparplan gehört auch jener beantragte Fernwärmeanschluss.

Wie die Anwohner dürfte sich nun auch die Wobau, ebenfalls ein Tochterunternehmen der Stadt, fragen, wann hier mit einer Lösung zu rechnen ist, "damit die Anschluss-Rohre in die Erde kommen, die Baugruben wieder begradigt und die aufgerissenen Gehwege vernünftig gepflastert werden können", wünscht sich Anwohner Hans-Joachim Bartsch.

"Einige der lose, aufgehäuften Pflastersteine sind offensichtlich schon wieder durch die Luft geworfen worden. Denn einige der Steine liegen bereits in der Baugrube", weiß indes die Wanzleberin Yvonne Horitzky zu berichten. Ihre Sorge um die gefährlichen Wurfgeschosse ist an dieser Stelle nicht ganz unbegründet. Schließlich hatten hier vor einem Jahr Rowdys die Pflasterung aus der Beckenumrandung des in der Schulpromenade stillgelegten Brunnens gerissen und wahllos durch die Gegend geworfen, sogar über Gartenzäune.

Sie nahmen sogar in Kauf, dass Anwohner verletzt werden könnten. Zwei Brunnensteine landeten im Frühjahr in einer Straßenlaterne. Ein Hinweis auf die Übeltäter oder eine Anzeige bei der Polizei gab es bislang nicht. Mittlerweile ist das Becken eingeebnet und das Areal gepflastert worden. Die neuen Steine wurden felsenfest in Beton gesetzt, damit sie nicht mehr herausgepuhlt werden können. Die Reparatur der durch blinde Zerstörungswut beschädigten innerstädtischen Oase schlug mit rund 1000 Euro ins Stadtkontor.

Die Stadtwerke, 100-prozentiges Tochterunternehmen der Stadt, hatten aufgrund der eingetretenen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden müssen. Der Ausfall eines Blockheizkraftwerkes, dessen Reparatur mit Kosten im sechsstelligen Bereich verbunden war, habe schließlich zu der angespannten Liquiditätssituation geführt, hatte der Insolvenzverwalter vor einer Woche erklärt.

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