Volksstimme-Leser haben sich in der Redaktion über den nach ihrer Meinung zunehmenden Lärm aus der Motorsportarena beschwert. Tatsächlich hatte Geschäftsführer Thomas Voss auf seiner Jahrespressekonferenz am 8. April erklärt, die Arena sei in diesem Jahr erstmals zu fast 100 Prozent ausgelastet.

Oschersleben l Im Jahr 2008 hatte sich in Oschersleben die "Bürgerinitiative gegen Lärm in der Börde" (BI) gegründet. Als Interessenvertreter der Bodestädter und umliegender Ortschaften wollte sich die Gruppierung um Rüdiger Heise für die Verbesserung von Lärmschutzmaßnahmen durch die Motorsportarena einsetzen. "Es ist etwas ruhiger geworden um uns. Was die Motorsportarena angeht, allerdings nicht", sagte Heise jetzt gegenüber der Volksstimme. So sei laut Betriebsgenehmigung der Motorsportarena erlaubt, Rennen bis 18 Uhr zu fahren. "Wir mussten aber schon mehrmals in diesem Jahr feststellen, dass diese Zeit bis teilweise 19 Uhr überschritten worden ist", erzählte Heise.

"Kaffeetrinken ist am Wochenende auf unserer Terrasse einfach nicht möglich."

Carlos Kandulla, Oschersleben

Damit bestätigte er die Aussagen von Lesern, die sich bei der Volksstimme gemeldet haben. Einer von ihnen war Carlos Kandulla. "Kaffeetrinken ist am Wochenende auf unserer Terrasse einfach nicht möglich, vor allem bei Ostwind", sagte der Oschersleber. Er bewohnt ein Einfamilienhaus im Hopfenweg, etwa 500 Meter Luftlinie von der Rennstrecke entfernt. Seine Frau leide an Kopfschmerzen. Lauter sei es vor allem geworden, seitdem die Kurvenführung der Rennstrecke vor wenigen Jahren verändert worden sei. "Richtigerweise ist das Rasenmähen sonntags für alle verboten, aber auf der Rennstrecke ist fast jedes Wochenende Betrieb. Selbst an Feiertagen wie zu Pfingsten war der Lärm akut", machte sich Kandulla Luft. Vor allem bei Ostwind dröhne es bis zu seinem Grundstück. "Bei Westwind werden wohl die Peseckendorfer betroffen sein", schätzte er ein.

Der Oschersleber ist berufsbedingt, wie er selber sagt, tagtäglich auf einer Baustelle und er wisse somit, was Lärm bedeutet. Doch wenigstens am Wochenende, das zur Erholung von der Arbeit gedacht ist, würde er gern einmal die Ruhe genießen. So forderte er die Verantwortlichen zum Handeln auf. "Keine Partei hatte sich im Vorfeld der Wahlen im Mai diesem Thema angenommen und einmal kritisch hinterfragt", kritisierte Kandulla und schlägt den Rennstreckenbetreibern höhere gläserne Lärmschutzwände vor. "An Autobahnen müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden. Kann das nicht auch hier passieren?", forderte er weiter.

"Weder bei uns, noch scheinbar bei den zuständigen Behörden haben sich Beschwerden über Lärmbelästigungen aus unserer Anlage gehäuft."

Arena-Chef Thomas Voss

Für eine weitere Leserin, deren Name auf eigenen Wunsch nicht veröffentlicht werden soll, ist die Lärmbelästigung unerträglich. "Ich habe nichts gegen die Rennstrecke. Sie schafft Arbeitsplätze und spült Geld in die Region. Doch die Anwohner bleiben auf dem Lärm sozusagen sitzen", beklagte sie. Der Oschersleber Klaus Blahut hatte schon im Frühjahr im Zuge eines Beschlusses der Stadtverwaltung, nachdem kommerzielle Veranstaltungen um 1 Uhr in der Nacht zu Ende sein müssen, angemerkt, er fühle sich vom Verkehrslärm der Motorsport- arena malträtiert.

Die Kritiken der Anwohner kann der Rennstreckenbetreiber nicht nachvollziehen. "Weder bei uns, noch scheinbar bei den zuständigen Behörden haben sich Beschwerden über Lärmbelästigungen aus unserer Anlage gehäuft", stellte der Geschäftsführer der Motorsportarena, Thomas Voss, in einer Volksstimme-Anfrage klar. Und er ergänzte: "In unserem Betrieb werden seit Jahren ähnliche Veranstaltungen mit ähnlichen Fahrzeugen durchgeführt, so dass es imissionstechnisch zu keinen Veränderungen im Regelbetrieb gekommen sein kann." Mit den regionalen und überregionalen Behörden befinde sich die Rennstrecke in permanentem Austausch bezüglich nahezu aller Veranstaltungen, die hier stattfänden. "Das Thema Lärm ist dabei in den vergangenen Konsultationen nicht explizit angesprochen worden", betonte der Arena-Chef. Alle Veranstaltungen, auch die ohne Motorsporthintergrund, würden vorab gemeinsam mit den Behörden auf eine mögliche Lärmbelästigung geprüft. "Im Übrigen sind wir gerne bereit, mit jedem einzelnen, der sich gestört fühlt, in einen sachlichen Dialog zu treten", betonte Voss weiter.

Oscherslebens Bürgermeister Dieter Klenke (parteilos) konnte auf Volksstimme-Nachfrage die Kritiken von Anwohnern zwar nachvollziehen, jedoch lägen aktuell keine Beschwerden in seinem Hause vor. "Die Motorsportarena hat eine offizielle Genehmigung durch eine Behörde nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz. Das Landesverwaltungsamt führt regelmäßig nicht angekündigte Schallpegelmessungen durch und überwacht damit die Anlage", bekräftigte der Rathauschef. Dabei sei "unterschiedlich nach Windrichtung eine teilweise Wahrnehmung im negativen Sinne vorhanden". Andererseits müsse bekräftigt werden, dass die Arena ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Oschersleben sei, ebenso wie die touristische Bedeutung für den Standort.

Für die immissionsschutzrechtliche Überwachung ist das Landesverwaltungsamt zuständig. Laut dessen Sprecherin Denise Vopel liegen derzeit auch bei ihrer Behörde keine Lärmeinsprüche in Bezug auf die Motorsportarena vor. "Die letzte registrierte Beschwerde stammt aus dem Juli 2013", erklärte Vopel auf Nachfrage. Einmal im Jahr werde die Anlage kontrolliert, auch während einzelner Veranstaltungen würden die Schallpegel gemessen. "Bei Beschwerden zu den Motorsportereignissen können sich die Bürger an uns wenden", erklärte die Sprecherin.

Auch BI-Mitbegründer Rüdiger Heise weist in diesem Zusammenhang auf das Recht der Bürger hin, sich zu beschweren. "Lärmgeplagte können sich bei der Polizei melden."

 

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